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Home Politik

Teure Leichtgläubigkeit: Gemeinde Hagenbrunn überwies 293.000 Euro an Betrüger

Jasmin Mahmoud von Jasmin Mahmoud
12. März 2025
in Politik
Lesezeit: 3 min zum Lesen
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Die Pfarrkirche St. Veit in Hagenbrunn – das Wahrzeichen der Gemeinde, die mit den Folgen eines schweren Online-Betrugs konfrontiert ist.

Pfarrkirche St. Veit in Hagenbrunn – Symbol einer Gemeinde, die mit einem schwerwiegenden Betrugsfall konfrontiert wurde. Bildquelle: Wikipedia/ Creative Commons 4.0. https://en.wikipedia.org/wiki/Hagenbrunn#/media/File:Pfarrkirche_StVeit.jpg

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Ein simpler Mausklick, ein großer Schaden: In Hagenbrunn (Bezirk Korneuburg) wurde Steuergeld in Höhe von fast 300.000 Euro an Betrüger überwiesen. Der Vorfall wirft Fragen auf. Wie konnte es so weit kommen?

Der Fall Hagenbrunn: Vom stolzen Neubauprojekt zur kostspieligen Täuschung

Ein Neubauprojekt, moderne Architektur und stolz präsentierte Glasfronten: Die neue Volksschule in Hagenbrunn sollte ein Aushängeschild für die 3.000-Einwohner-Gemeinde im Bezirk Korneuburg werden. Nun steht der Name Hagenbrunn vor allem für eines – einen Betrug, bei dem beinahe 300.000 Euro an Steuergeld auf ein falsches Konto überwiesen wurden. Der finanzielle Schaden ist erheblich. Die politischen Konsequenzen? Bislang unklar.

Perfekter Betrug oder fahrlässige Unachtsamkeit?

In Hagenbrunn ist man sich sicher: Eine international agierende Bande habe einen „perfekten Betrug“ inszeniert. Diese Einschätzung vertritt zumindest Bürgermeister Michael Oberschil (ÖVP). Doch so simpel ist es wohl nicht. Tatsächlich werfen die Abläufe im Gemeindeamt Fragen auf – auch, weil die Täter vergleichsweise einfache Methoden nutzten.

Der sogenannte „Man-in-the-Middle“-Betrug ist kein neues Phänomen. Dabei schleusen sich Täter in die Kommunikation zweier Vertragspartner ein, geben sich als jeweils andere Seite aus und manipulieren Zahlungsanweisungen. In Hagenbrunn funktionierte diese Masche. Die Täter gaben sich einmal als Vertreter der Firma Baumann/Glas/1886 aus, ein anderes Mal als Gemeindeangestellte. Das Ergebnis: Fast 300.000 Euro wanderten auf ein Konto bei der italienischen Postbank – und sind bis heute verschwunden.

So landeten 293.000 Euro auf dem fremden Konto

Im Sommer 2024 nimmt die Gemeinde Hagenbrunn Kontakt mit der renommierten Glasbaufirma Baumann/Glas/1886 auf, um sie mit den Sanierungsarbeiten an der Volksschule zu beauftragen. Das Unternehmen ist unter anderem für die Restaurierung des Palmenhauses in Schönbrunn bekannt.
Das Projekt wird fixiert, die Bauarbeiten beginnen. Im nächsten Schritt steht die Überweisung eines Teilbetrags an. Die Kommunikation zwischen den Beteiligten verläuft wie gewohnt – zumindest glaubt man das. Denn tatsächlich kommuniziert die Gemeinde nicht mehr mit der echten Firma Baumann/Glas/1886, sondern mit Betrügern.

Betrug in Hagenbrunn: eine fatale Überweisung ins Ausland

Denn die Betrüger hatten als „Sarah Solinger“ bereits per E-Mail Kontakt mit der Gemeinde aufgenommen und sich höflich nach den offenen Rechnungen erkundigt. Obwohl die Mail-Adresse „sarah.solinger@sap-finanzbuchhaltung.de“ nicht dem Unternehmen Baumann/Glas/1886 zuzuordnen ist, erhielten die Betrüger prompt alle gewünschten Informationen über die ausstehenden Zahlungen. Wenig später trifft im Gemeindeamt eine weitere E-Mail ein, diesmal von einer vermeintlichen Christina Binder aus der Glasfirma. Sie übermittelt eine Zahlungsanweisung – samt neuer Bankverbindung. Das Konto führt zur italienischen Postbank, genauer gesagt zu einer Filiale in Rom. Doch weder die fremde Domain noch die internationale Kontoverbindung machen die Mitarbeiter des Gemeindeamts in Hagenbrunn stutzig. Sie überweisen fast 300.000 Euro. Der Betrug fällt erst einige Tage später auf – eher zufällig, als die Gemeinde mit der echten Firma in Kontakt tritt. Zu diesem Zeitpunkt ist das Geld längst verschwunden.

Wer steckt hinter dem Betrug in Hagenbrunn?

Nach einer Anzeige der Gemeinde Hagenbrunn laufen die Ermittlungen. Die Behörden in Italien konnten inzwischen den Inhaber des Kontos ermitteln, auf das die Zahlung einging. Es handelt sich um einen pakistanischen Staatsbürger. Vom Geld fehlt weiterhin jede Spur: Es wurde bereits auf ein anderes Konto transferiert. Gegen den Mann wird wegen schweren Betrugs und Geldwäsche ermittelt.

Die Folgen: Wer trägt die Verantwortung für den finanziellen Schaden?

Bürgermeister Oberschil verweist auf das Vier-Augen-Prinzip, das in der Gemeinde eingehalten worden sei. Dennoch überwies man, obwohl das Konto ins Ausland führte – eine unübliche Praxis bei Großaufträgen in Österreich. Bürgermeister Oberschil meint dazu: „Nicht die Kontrolle hat versagt, die Betrüger haben gesiegt.“ Die Frage, warum weder die E-Mail-Adresse noch die Kontoänderung hinterfragt wurden, bleibt allerdings weiter offen.

Eines steht fest: Der Schaden von 292.904,24 Euro ist für Hagenbrunn beträchtlich. Wer letztlich dafür haftet, ist ebenfalls offen. Die Gemeinde könnte das Geld erneut an die Glasbaufirma zahlen müssen. Oder Baumann/Glas/1886 müsste den Verlust hinnehmen, weil sensible Informationen zu offenen Forderungen preisgegeben wurden. Auch ein Rechtsstreit, der die künftigen Sorgfaltsmaßstäbe für Gemeinden und Unternehmen klären müsste, ist denkbar.

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Schlagworte: FinanzskandalHagenbrunnInternetkriminalitätSteuergeld Betrug
Jasmin Mahmoud

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