Mit 34 Jahren ist Michael Kögl der jüngste Vizebürgermeister in der Geschichte von St. Pölten und längst mitten im politischen Alltag angekommen. Im Gespräch mit NÖ Aktuell spricht er über seinen intensiven Start ins Amt, den Wahlkampf in St. Pölten und seine Zukunftspläne.
Ein intensiver Start ins neue Amt
Die ersten Wochen in seiner neuen Funktion beschreibt Kögl als intensiv. „Überraschend war, wie schnell mich die Menschen plötzlich als Vizebürgermeister gekannt haben“, sagt Kögl. Besonders die zahlreichen positiven Rückmeldungen hätten Kögl beeindruckt – auch vor dem Hintergrund scharfer Kritik aus der Opposition. Nach Kögls Darstellung konnten viele St. Pöltnerinnen und St. Pöltner diese Kritik nicht nachvollziehen. „Manche nennen mich woke“, meint er, „ich nenne das anständig. Und Anstand ist für die meisten Menschen etwas Gutes.“
Politische Erfahrung und neue Erwartungen
Politische Verantwortung ist für Kögl nicht neu. Schon vor seiner Wahl war er als Gemeinderat aktiv, hat Koalitionsverhandlungen geführt, im Kabinett der Bundesministerin Corinna Schumann gearbeitet und ist seit mehreren Jahren Bundesvorsitzender der Jungen Generation in der SPÖ. Neu sei jedoch, dass viele Menschen in seiner Heimatstadt nun konkrete Erwartungen an ihn richten. „Diesen Erwartungen gerecht zu werden, ist mein täglicher Anspruch“, sagt Kögl.
Dass er jung ist, wird im politischen Alltag immer wieder thematisiert. Der Vorwurf der Unerfahrenheit begleite viele junge Politikerinnen und Politiker. Für Kögl war das Ansporn, sich besonders intensiv in seine Ressorts einzuarbeiten und den engen Austausch mit der Stadtverwaltung und den städtischen Betrieben zu suchen. „Man muss nicht so tun, als wüsste man alles. Wichtig ist, informiert Entscheidungen zu treffen.“ Eine Haltung, die für ihn unabhängig vom Alter gilt, wie er betont.
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Weiterentwicklung statt radikaler Brüche
Inhaltlich setzt Kögl auf Weiterentwicklung statt auf einen radikalen Kurswechsel. Gerade in Fragen der Stadtentwicklung und Mobilität zeige sich, wie sehr sich Perspektiven verändert haben. Die Art, wie wir uns künftig von A nach B bewegen wollen, werde heute anders gedacht als noch vor einigen Jahren. Diese Sichtweise bringt er bewusst ein, stellt Fragen, denkt Alternativen mit und formuliert eigene Antworten. Unterstützung erhält er dabei auch von Bürgermeister Matthias Stadler.
Zu Kögls politischen Schwerpunkten zählen nachhaltige Stadtentwicklung, Barrierefreiheit, die Sichtbarkeit und Unterstützung der queeren Community sowie eine Politik der offenen Türen. Aktuell besonders präsent ist die Diskussion rund um den Stadtbus LUP. Während auf Landesebene die Finanzierung in Frage gestellt wird und damit der Bus in St. Pölten unter Druck gerät, bekennt sich die Stadt klar zu einem leistungsfähigen öffentlichen Verkehr. Auch Kögl spricht sich deshalb klar für den Erhalt und den weiteren Ausbau des Stadtbusses LUP aus.
Sparen ohne soziale Einschnitte
Eine große Herausforderung bleibt die finanzielle Situation der Stadt. Bereits 2024 wurde mit einer umfassenden Budgetkonsolidierung begonnen, um St. Pölten langfristig abzusichern. Die angespannte finanzielle Lage vieler Gemeinden sei kein lokales Phänomen, sondern österreichweit spürbar, sagt Michael Kögl.
Entscheidend sei jedoch, diesen Weg zu gehen, ohne Leistungen für die Bevölkerung zu kürzen. Dass dies gelinge, liege auch daran, dass der Bürgermeister das Thema zur Chefsache gemacht habe. Politisch gehe es nun darum, die absolute Mehrheit zu verteidigen. „Sonst droht dem roten Herzen des Landes Blau-Schwarz“, warnt Kögl.
Wahlkampf mit Fokus auf Inhalte
Im Wahlkampf setzt der Vizebürgermeister auf klare Inhalte statt persönlicher Angriffe. Bewusst hat er seinen Job im Ministerium aufgegeben, um sich voll auf seine Aufgaben als Vizebürgermeister, Fraktionsvorsitzender und Stadtrat für Bau, Verkehr und Stadtentwicklung zu konzentrieren. Für ihn ist klar: Politik funktioniert nur ohne Nebenrollen und ohne Interessenskonflikte. Im Mittelpunkt stehen die Stadt und die Menschen, die hier leben.
Verantwortung, Motivation und politische Kultur
Ob er seine Arbeit gut macht, entscheidet sich für Kögl nicht an Schlagzeilen, sondern an Begegnungen. Wenn Menschen das Gefühl haben, gehört zu werden, wenn aus Gesprächen Lösungen entstehen, dann sei das ein gutes Zeichen. Motivation schöpft er auch in schwierigen Phasen aus einem einfachen Gedanken: Wer selbst nicht bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, kann es auch von anderen nicht erwarten. Sein Ziel ist es, mehr Menschen für politisches Engagement zu begeistern.
Ein Blick in die Zukunft
Und in fünf Jahren? Da wünscht sich Michael Kögl eine weltoffene, dynamische und mutige Stadt, die sich nicht spalten lässt. Eine Stadt, die jenen Paroli bietet, die mit Hetze und Zwietracht Politik machen. „Wir sind St. Pöltnerinnen und St. Pöltner“, sagt er – „und das ist gut so.“









