Kaum ein österreichischer Politiker war so lange und so eng mit St. Pölten verbunden wie Bruno Kreisky. Über Jahrzehnte hinweg vertrat er die Region im Nationalrat und prägte als Bundeskanzler die politische Geschichte des Landes. Anlässlich seines Geburtstagsjubiläums lohnt ein Blick auf diese besondere Beziehung – und auf das politische Lebenswerk eines der einflussreichsten Staatsmänner Österreichs.
Am 19. März 1979 wurde Bruno Kreisky die Ehrenbürgerwürde der Stadt St. Pölten verliehen. Heuer, 115 Jahre nach seiner Geburt, erinnern wir uns an diese besondere Verbindung und an das enge politische und persönliche Verhältnis des langjährigen Bundeskanzlers zur niederösterreichischen Landeshauptstadt.
Kreisky als SPÖ-Kandidat in St. Pölten
Bruno Kreiskys politisches Leben war über Jahrzehnte eng mit St. Pölten und Niederösterreich verbunden. Von 1956, dem Jahr seiner ersten Kandidatur, bis 1983 trat er als SPÖ-Kandidat für den Nationalrat im Wahlbezirk St. Pölten-Stadt und -Land an. Damit vertrat er die Region über einen außergewöhnlich langen Zeitraum im Parlament. Kreisky selbst betonte diese Nähe immer wieder. Über St. Pölten sagte er:
„Mir ist das Schicksal St. Pöltens wahrscheinlich näher gelegen als vielen anderen Nicht-St. Pöltnern, weil ich ja seit vielen Jahren, seit den ersten Jahren der Zweiten Republik, mit dem politischen und wirtschaftlichen Schicksal dieser Stadt auf das Engste verbunden war.“ Bruno Kreisky

Das politische Lebenswerk Bruno Kreiskys
Bruno Kreisky wurde am 22. Jänner 1911 in Wien geboren und starb dort am 29. Juli 1990. Er war einer der prägendsten österreichischen Politiker des 20. Jahrhunderts. Von Juli 1959 bis April 1966 war er Außenminister der Republik Österreich, von April 1970 bis Mai 1983 Bundeskanzler. Mit seiner 13-jährigen Kanzlerschaft war er der am längsten amtierende Bundeskanzler Österreichs. Diese Zeit ging als „Ära Kreisky“ in die politische Geschichte ein.
Schon früh engagierte sich Kreisky für die Sozialdemokratie. 1936 wurde er wegen seiner politischen Tätigkeit im austrofaschistischen „Ständestaat“ zu einem Jahr Kerker verurteilt. Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich 1938 emigrierte er nach Schweden, um der nationalsozialistischen Verfolgung zu entgehen. Nach dem Ende des Faschismus arbeitete Kreisky zunächst als Diplomat in Schweden, später in Wien als Staatssekretär und Außenminister. Er war Mitglied jener Delegationen, die 1954 und 1955 mit der Sowjetunion über den Staatsvertrag verhandelten.
1967 übernahm Kreisky den Parteivorsitz der SPÖ. Nach dem Wahlsieg 1970 wurde er Bundeskanzler. Seine Regierungszeit war zunächst von umfassenden Reformen geprägt, später standen wirtschaftliche Herausforderungen im Vordergrund. Nach der Nationalratswahl 1983 zog sich Kreisky aus der Innenpolitik zurück, blieb jedoch in der Sozialistischen Internationale weiterhin aktiv. Sein politisches Wirken prägt Österreich bis heute – ebenso wie die langjährige Verbindung von Bruno Kreisky zu St. Pölten.
Liebe Leserinnen, liebe Leser!
Wenn Sie relevante Informationen zum Artikel beitragen können, schicken Sie uns doch eine Mail!









