Mit einer kontroversen Aussage im Ö1-Morgenjournal hat Alfred Stern die Debatte rund um steigende Spritpreise neu entfacht. Wer nicht bereit sei, die hohen Preise zu bezahlen, „der wird zu Fuß gehen“, erklärte der OMV-Chef und rief damit für breite Kritik hervor. Gerade in Niederösterreich, dem flächenmäßig größten Bundesland, stößt diese Argumentation auf Unverständnis. Denn für viele Menschen ist das Auto keine Option, sondern Voraussetzung, um den Alltag zu gestalten – insbesondere im ländlichen Raum.
Realität trifft auf Marktlogik
Der Chef des teilstaatlichen Energiekonzerns OMV verweist auf globale Märkte. Preise würden international bestimmt, hohe Kosten seien ein notwendiges Signal, um den Verbrauch zu senken. Wer nicht konkurrenzfähig zahle, bekomme schlicht keine Energie geliefert, so Sterns Argumentation.
Doch diese Sichtweise greift aus Sicht vieler Expertinnen und Experten zu kurz. Mobilität, Heizen oder Strom sind keine frei wählbaren Konsumgüter, sondern Grundbedürfnisse mit wenig Ausweichmöglichkeiten für viele Haushalte.
„Körberlgeld“ für den Staat? Finanzminister Marterbauer widerspricht
Besonders umstritten ist Sterns Aussage, wonach sich „das Körberlgeld der Staat holt“. Marterbauer widersprach dieser Darstellung bereits deutlich und bezeichnete sie als irreführend.
Die zusätzlichen Staatseinnahmen durch höhere Spritpreise seien gering – sie lägen nur bei rund 1,3 Cent pro Liter. Viel stärker ins Gewicht fallen laut Marterbauer die Margen entlang der Lieferkette, etwa bei Raffinerien.
Damit steht nicht mehr die Steuerbelastung im Zentrum, sondern die Frage, wer letztlich von den hohen Preisen profitiert.
Ungewöhnlich hohe Margen: Kritik von Fachleuten
Auch wirtschaftliche Analysen des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung zeichnen ein kritisches Bild. So zeigt sich, dass Preisanstiege häufig schneller an Konsumentinnen und Konsumenten weitergegeben werden als Preissenkungen.
Zudem stehen ungewöhnlich hohe Margen im Raum – ein Hinweis darauf, dass die Preisentwicklung nicht allein durch globale Faktoren erklärbar ist.
Versorgungssicherheit oder politisches Argument?
Stern warnt gleichzeitig vor staatlichen Eingriffen wie Preisdeckeln. Diese könnten die Versorgungssicherheit gefährden. Der teuerste Treibstoff sei jener, „den wir nicht haben“, so seine Argumentation.
Doch auch hier gibt es Gegenstimmen. Eine akute Versorgungskrise in Österreich wird derzeit nicht gesehen. Vielmehr geht es aus politischer Sicht darum, die Auswirkungen globaler Entwicklungen sozial abzufedern.
Hergovich: „Energie muss leistbar bleiben“
Für Niederösterreichs Landesrat Sven Hergovich ist die Linie klar: Energie müsse leistbar bleiben. Im „Plan für Niederösterreich“ fordert die SPÖ Maßnahmen wie Preisbremsen und eine stärkere Beteiligung von Konzernen an der Entlastung der Bevölkerung.
Auf Bundesebene wurde mit Stimmen der SPÖ mittlerweile eine Spritpreisbreme beschlossen. Das Ziel ist es, zu verhindern, dass sowohl Staat als auch Unternehmen übermäßig von der aktuellen Situation profitieren.
Mehr als nur eine Preisfrage
Die Debatte zeigt, wie grundlegend der Konflikt ist. Auf der einen Seite stehen globale Märkte und wirtschaftliche Logik, auf der anderen die Lebensrealität vieler Menschen.
Aussagen wie jene des OMV-Chefs verdeutlichen diese Spannung und erhöhen den politischen Druck. Denn für viele ist klar: Wenn Energie zur Belastung wird, ist die Frage nach Verantwortung nicht mehr nur wirtschaftlich, sondern gesellschaftlich.








