Was meint jemand, der sich ein Fluchtachterl gönnt oder bloßhappert durchs Dorf geht? In Niederösterreich ist Sprache mehr als bloße Verständigung – sie erzählt vom Alltag, von Geschichte und gelebter Kultur. Regionale Ausdrücke geben Einblick in eine Mundart, die ebenso charmant wie vielfältig ist. In diesem Lexikonartikel erfährst du von 60 Ausdrücken aus Niederösterreich, inklusive Anwendungsbeispielen.
Niederösterreich hat viele Gesichter – und mindestens genauso viele Ausdrücke, die man nur innerhalb der Region versteht. Genau das macht ihren Reiz aus: eine Sprache, die weit mehr ist als nur Mittel zur Verständigung. Diese Ausdrücke spiegeln Heimatgefühl, Humor und Lebensweise wider – gewachsen aus bäuerlichem Alltag, Wirtshausgesprächen und jahrzehntelanger Überlieferung. Unser NÖ-Dialekt-Wörterbuch sammelt typisch niederösterreichische Wörter und charmante, kuriose oder fast vergessene Begriffe – samt Bedeutung und Beispielen aus dem echten Leben.
aufi
Bedeutung: hinauf
Beispiel: „Jetzt geht’s aufi zum Gipfel.“
aufpudeln
Bedeutung: aufregen
Beispiel: „Pudel di ned so auf!“
Beuschel
Bedeutung: Lunge/Eingeweide
Beispiel: „I koch heut Beuschel mit Erdäpfel.“
bloßhappert
Bedeutung: barfuß
Beispiel: „Im Sommer geh i immer bloßhappert.“
Bodewaschl
Bedeutung: Bademeister
Beispiel: „Du, pass auf, sonst kummt da Bodewaschl und schimpft!“
B’schoad‑Binkal
Bedeutung: Proviant
Beispiel: „Nimm dei B’schoad‑Binkal mit.“
Budel
Bedeutung: Ladentisch
Beispiel: „Stell des auf d’Budel.“
Bummerl
Bedeutung: Verlustpartie (z. B. beim Spiel)
Beispiel: „I hob heut a Bummerl zamgspüt.“
Butön
Bedeutung: 0,75l Flasche Wein, kommt von französisch „Bouteille“ (Flasche)
Beispiel: „I hätt‘ gern nu a Butön, bitte.“
Dirndl
Bedeutung: Mädchen; aber auch: Kornellkirsche
Beispiel: „Bei uns im Dirndltal gibt’s im Herbst überall frische Dirndl zum Einkochen.“
Dunaweda
Bedeutung: Unwetter
Beispiel: „Heit kummt nu a Dunaweda.“
Erdapfel
Bedeutung: Kartoffel
Beispiel: „Wir essen Erdäpfel mit Speck.“
Euzerl
Bedeutung: ganz kleine Menge
Beispiel: „Da fehlt noch a Euzerl.“
Fluchtachterl
Bedeutung: ein letztes Glas Wein vor dem nach Hause gehen
Beispiel: „Trink‘ ma noch schnell a Fluchtachterl.“
Fuzerl
Bedeutung: Fussel
Beispiel: „Do san überall Fuzerl.“
Gfrastsackl
Bedeutung: frecher Bengel
Beispiel: „Du bist a Gfrastsackl!“
Giaßaumpa
Bedeutung: Gießkanne
Beispiel: „Gib‘ ma bitte den Giaßaumpa.“
Gmoa Oim
Bedeutung: Gemeindealpe
Beispiel: „Morgen auf d’Gmoa Oim wandern?“
Greahzeig
Bedeutung: Gemüse
Beispiel: „Im Garten wächst Greahzeig.“
Gschistigschasti
Bedeutung: Unsinn
Beispiel: „Hör auf mit dem Gschistigschasti und sag einfach, was los is!“
Gschnas
Bedeutung: Kostümfest
Beispiel: „Heit ist Gschnas im Dorfstadl!“
Häferl
Bedeutung: Becher/Tasse
Beispiel: „Ein Häferl Kaffee, bitte.“
Hapfn
Bedeutung: Bett
Beispiel: „Heute geh‘ i früh in de Hapfn.“
hatschn
Bedeutung: zu Fuß gehen
Beispiel: „I muaß no hatschn.“
Hetscherln
Bedeutung: Hagebutten
Beispiel: „Wir sammeln im Herbst immer Hetscherln.“
hudeln
Bedeutung: etwas hastig und schlampig erledigen
Beispiel: „Jetzt hudel ned so.“
Jaukerl
Bedeutung: Injektion
Beispiel: „Kumm, du kriagst jetzt a klans Jaukerl, des is glei vorbei.“
kamot
Bedeutung: gemütlich/passend
Beispiel: „Des is owa kamot do bei eich.“
Kampl
Bedeutung: Kamm; aber auch: Junge
Beispiel: „Du bist owa a fescher Kampl.“
Kiah
Bedeutung: Kühe
Beispiel: „De Kiah miasn a no gfiadert wer’n.“
Köch
Bedeutung: Kelch; aber auch: Streit
Beispiel: „Fang‘ bitte ned scho wieder an Köch an.“
Krixikraxi
Bedeutung: Gekritzel
Beispiel: „Wos host’n do für a Krixikraxi g’macht?“
Lackel
Bedeutung: großer, ungelenker Mann
Beispiel: „Der is a rechter Lackel.“
Lawua
Bedeutung: ursprünglich Waschschüssel, heute auch: Waschbecken, kommt von französisch „lavoir“ (Waschstelle)
Beispiel: „I war grad bei der Lawua, Händ waschn.“
Lepschi (auf Lepschi geh)
Bedeutung: feiern gehen, kommt von ungarisch „lépcső“ (Stiege)
Beispiel: „Geh ma heit amoi auf Lepschi.“
Lotsch
Bedeutung: Gutmütiger
Beispiel: „Na du bist a echter Lotsch.“
Mas’n
Bedeutung: Glück
Beispiel: „Do hab‘ ma owa a Mas’n ghabt.“
motschgat
Bedeutung: weich (Obst/Gemüse)
Beispiel: „Die Erdbeeren san scho motschgat.“
Motschkan
Bedeutung: sich beschweren
Beispiel: „Geh tu ned immer motschkan.“
Nokabazl
Bedeutung: nackter Mensch; besonders bei Kindern verwendet
Beispiel: „Der Bua lauft scho wieder als Nokabazl im Gortn herum.“
Neichtl
Bedeutung: kurze Zeit
Beispiel: „Geh bleib doch noch a Neichtl.“
Oschasseln
Bedeutung: mit billiger Ausrede abspeisen
Beispiel: „I lass mi sicher ned so oschasseln.“
owi
Bedeutung: runter
Beispiel: „Gehst owi zum Bach?“
Pantscherl
Bedeutung: Liebesaffäre
Beispiel: „Des war ned de große Liebe, nur a Pantscherl.“
Reindl
Bedeutung: Schmortopf
Beispiel: „I hab a Hendl im Reindl g’macht.“
Scherzl
Bedeutung: Brotende
Beispiel: „Das Scherzl is der beste Teil vom Brot.“
Schlapfen
Bedeutung: Pantoffeln, Hausschuhe
Beispiel: „Ziag d’Schlapfen an, es is kalt.“
Schmäh
Bedeutung: Witz, Humor
Beispiel: „Du host an guadn Schmäh.“
Schmankerl
Bedeutung: Leckerbissen
Beispiel: „Beim Heurigen gibt’s echte Schmankerl.“
Tragerl
Bedeutung: Getränkekiste
Beispiel: „Holst a Tragerl Bier fürs Fest?“
tramhappert
Bedeutung: verschlafen
Beispiel: „I bin nu ganz tramhappert.“
Tuchent
Bedeutung: Daunendecke
Beispiel: „Im Sommer brauch i ka Tuchent.“
urassen
Bedeutung: verschwenderisch sein
Beispiel: „Tu ned so urassen.“
Watschen
Bedeutung: Ohrfeige
Beispiel: „I gib da glei a Watschen.“
wigl‑wogl
Bedeutung: unentschlossen
Beispiel: „I bin nu a bissl im wigl-wogl.“
wuzeln
Bedeutung: Tischfußball spielen
Beispiel: „Wuzeln tun’s gern im Wirtshaus.“
Xöchts
Bedeutung: geselchtes Fleisch
Beispiel: „Heut gibt’s Erdäpfel mit Xöchts.“
zach
Bedeutung: mühsam
Beispiel: „Heit is a zacha Tog.“
Ziguri
Bedeutung: Löwenzahn; aber auch: Nerven
Beispiel: “Geh’ ma ned am Ziguri.”
zwider
Bedeutung: schlecht gelaunt
Beispiel: „Heit bist aber zwieder.“
Die Ausdrücke aus Niederösterreich sind Teil regionaler Identität – hörbar in vielen Alltagssituationen. Ob man sich ein Fluchtachterl gönnt oder bloßhappert durchs Dorf spaziert: Solche Begriffe spiegeln den Leben in der Region wider und sind bei Festen und in den Heurigen der Region zu hören. Gerade diese sprachliche Eigenheit macht den Dialekt unverwechselbar und fest im Alltag zwischen Wald- und Weinviertel verankert.
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