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Ein Ort verschwindet: Die Zwangsumsiedlung von Döllersheim im Nationalsozialismus

NÖ Aktuell Redaktion von NÖ Aktuell Redaktion
26. Februar 2026
in Regionales
Lesezeit: 4 min zum Lesen
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Döllersheim im Waldviertel

Die Gemeinde Döllersheim vor 1938.

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Döllersheim im Waldviertel war über Jahrhunderte eine wachsende Gemeinde mit Kirche, Schule und regem Wirtschaftsleben. 1938 entschied das nationalsozialistische Regime, das Gebiet für einen Truppenübungsplatz der Wehrmacht zu beschlagnahmen. In den folgenden Jahren zwangen die nationalsozialistischen Machthaber rund 7.000 Menschen aus 42 Dörfern zur Aussiedlung. Heute erinnern Ruinen und die Friedenskirche an die Geschichte eines Ortes, der von der Landkarte verschwand. Bis heute nutzt das österreichische Bundesheer das Areal als militärisches Sperrgebiet.

Mitten im Waldviertel, am Fuße des Donabergs, lag einst die Gemeinde Döllersheim. Heute ist Döllersheim einer von vielen Lost-Places in Niederösterreich: Lediglich Ruinen – wie etwa die ehemalige Volksschule oder die Friedenskirche – erinnern an den Ort, der ab 1938 systematisch geräumt wurde. Döllersheim wurde Teil eines militärischen Großprojekts und steht heute exemplarisch für die Zwangsmaßnahmen des NS-Regimes in Niederösterreich.

Mehrfacher Aufbau nach Zerstörung: Eine Marktgemeinde mit bewegter Geschichte

Döllersheim wurde bereits im 12. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort lag in einem Kessel am Fuße des Donabergs und war ein zentraler Verkehrsknoten. Über viele Jahrhunderte hinweg war Döllersheim eine florierende Gemeinde mit Wohnhäusern, einer Kirche, einer Schule und verschiedenen Handwerks- und Landwirtschaftsbetrieben.

Die Geschichte des Ortes zeigt seine bewegte Vergangenheit. Im 15. Jahrhundert zerstörten die Hussiten Döllersheim, 1620 folgte eine erneute Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg. Der Ort wurde aber immer wieder aufgebaut. Im 19. Jahrhundert sind dutzende Wohnhäuser, Handwerksbetriebe und landwirtschaftliche Höfe belegt.

Auch vor 1938 war der Ort wirtschaftlich vielfältig geprägt: Laut Adressbuch, einem Verzeichnis, das alle Betriebe Österreichs dokumentiert, gab es unter anderem einen Arzt, einen Tierarzt, mehrere Bäcker, Fleischer, Gastwirte, Handwerker und zahlreiche Landwirte. Döllersheim war eine lebendige Gemeinde mit gewachsener Infrastruktur.

Döllersheim im Waldviertel
Döllersheim im Waldviertel. Foto: unbekannter Fotograf – Österreichische Kunsttopographie, Band VIII, „Die Denkmale des politischen Bezirkes Zwettl in Niederösterreich (ohne Stift Zwettl), 1. Teil: Gerichtsbezirk Allentsteig“, Wien, 1911, PD-alt-100, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=6188614

Das NS-Regime entsiedelt Döllersheim und macht den Ort zum Truppenübungsplatz

Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich 1938 rückte der Ort Döllersheim in den Fokus:: Adolf Hitlers Vater stammte aus dem Ort. Die Gemeinde benannte den Hauptplatz in „Alois-Hitler-Platz“ um, veranstaltete einen „Hitler-Festzug“ und erklärte das Grab von Hitlers Großmutter zum „Ehrengrab“. Im Juli 1939 wurde Adolf Hitler zum Ehrenbürger des Ortes ernannt.

Gleichzeitig begannen Planungen für einen großflächigen Truppenübungsplatz im Waldviertel. Denn die Wehrmacht benötigte nach dem „Anschluss“ Österreichs militärische Übungsräume. Aus diesem Grund musste das Dorf Döllersheim weichen. Die Aussiedlung der gesamten Bevölkerung war zunächst bis 1940 vorgesehen; wurde jedoch bis zum 31. Oktober 1941 verschoben. Insgesamt mussten rund 7.000 Menschen aus 42 Dörfern rund um Zwettl und Allentsteig weichen. 

Wehrmacht-Truppen siedelten alle 2000 Dorfbewohner Döllersheims gewaltsam um, bevor sie die Häuser im Rahmen von Truppenübungen zerstörten – so erging es auch der Familie von der elfjährigen Maria Geisberger:

Nach und nach werden die Dörfer geleert, bis niemand mehr da ist. In Marias Schulklasse gehen jede Woche weniger Kinder. Die Abschiede sind tränenreich. Maria hört nun täglich Schüsse, denn die Wehrmacht beginnt sofort, den Übungsplatz zu nützen. Die Ganze Story liest du hier: Was bisher geschah: Der Ort, den Hitler ver­schwin­den lässt

Der Truppenübungsplatz hatte eine Fläche von fast 200 km². Im Durchschnitt befanden sich auf dem Übungsplatz 30.000–35.000 Wehrmachtssoldaten. Er war damit einer der am stärksten belegten Übungsplätze im Deutschen Reich.

Wehrmachtssoldaten auf einem Feld. Foto: Wikimedia, Paul Calwer, Ausbildung von Wehrmachtssoldaten bei Regensburg (CC-BY-SA-4.0)

Versprochene Entschädigung für Betroffene blieb oft aus

Die Betroffenen erhielten anfänglich noch Grundstücke oder Höfe außerhalb des Übungsplatzes als Entschädigung. In manchen Fällen handelte es sich dabei um verlassene Höfe von vertriebenen jüdischen Familien. Die Behörden sollten Käufern eines geringerwertigen Grundstücks die Differenz auszahlen. Zur Auszahlung des versprochenen Betrags kam es allerdings nur selten. Oft blieb die Entschädigung über das Kriegsende hinaus aus. 

Spätere Absiedler wurden praktisch vertrieben und erhielten nur geringe Abfindungen.

Döllersheim in der Nachkriegszeit

Nach 1945 lag der Truppenübungsplatz in der sowjetischen Besatzungszone, und die Rote Armee besetzte das Areal. Bis zu 60.000 Soldaten der Roten Armee trainierten und manövrierten dort gleichzeitig. Obwohl ehemalige Bewohnerinnen und Bewohner Rückstellungsanträge einbrachten, verweigerten die verantwortlichen Stellen die Genehmigung.

Die Besatzung zog am 17. September 1955 schließlich vom Truppenübungsplatz ab und das Gelände ging in das Eigentum der Republik Österreich über, die die Übungsplätze an das Bundesheer übergab. Zerstörte Häuser und Kriegsmunition machten eine Rückkehr der einstigen Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner unmöglich.

Döllersheim im Waldviertel
Ehemalige Volksschule in Döllersheim. Foto: unbekannter Fotograf – Österreichische Kunsttopographie, Band VIII, „Die Denkmale des politischen Bezirkes Zwettl in Niederösterreich (ohne Stift Zwettl), 1. Teil: Gerichtsbezirk Allentsteig“, Wien, 1911, PD-alt-100, Link

Erst in den 1990er Jahren wurde den letzten Ausgesiedelten jener Differenzbetrag ausbezahlt, der ihnen noch zustand. Seit 1981 befinden sich die ehemalige Pfarrkirche, der Friedhof und das Spital nicht mehr im militärischen Sperrgebiet. Die Kirche wurde 1986 erneut geweiht und trägt heute den Namen Friedenskirche. Zum Gedenken an die Ausgesiedelten gibt es in Allentsteig ein Museum.

Das Gebiet wird bis heute vom Österreichischen Bundesheer als Übungsplatz verwendet und bleibt nach wie vor unbesiedelt. 

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Schlagworte: anschlussgemeindeGeschichteLost Places NÖnationalsozialismusNiederösterreichTruppenübungsplatz Döllersheim
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