Wenn die Tage länger werden, beginnt in Österreich der Fasching. Umzüge, Maskenbälle und Vereinsfeste prägen diese Wochen und gelten als fester Bestandteil regionaler Volkskultur. Traditionell endet der Fasching am Faschingsdienstag, bevor am Aschermittwoch die Fastenzeit beginnt. Gefeiert wird jedoch bereits Wochen zuvor in Wirtshäusern, Gemeindesälen und auf öffentlichen Plätzen.
Ein alter Brauch zwischen Kirche und Bauernhof
Die Ursprünge des Faschings liegen sowohl in kirchlichen als auch in bäuerlichen Traditionen. Offiziell beginnt die Faschingszeit mit dem Dreikönigstag Anfang Jänner. Dennoch wird der Start symbolisch bereits am 11. November um 11:11 Uhr eingeläutet – ein Datum mit besonderer Bedeutung. Die Zahl Elf überschreitet die Zehn Gebote und galt daher historisch als „Narrenzahl“, als Zahl außerhalb der Ordnung. In Niederösterreich wird an diesem Tag traditionell eine Landesnarrenhauptstadt ausgerufen und eine Faschingsgilde eröffnet offiziell die Saison. Dieses Jahr erhielt Neunkirchen den Titel der Narrenhauptstadt.
Im Unterschied zum deutschen Karneval, der sich vielerorts als satirischer Spiegel gesellschaftlicher Missstände entwickelte, ist der österreichische Fasching stärker aus dem Kirchenjahr und dem ländlichen Alltag gewachsen. Die Wochen vor der Fastenzeit waren früher eine Phase des Aufbrauchens und Genießens. Lebensmittel wie Eier, Milch, Zucker und Butterschmalz sollten verwendet werden, bevor die entbehrungsreiche Zeit begann. Daraus entstand eine der bekanntesten Traditionen des Landes: der Faschingskrapfen.
Die Faschingsgilden
Eine tragende Rolle im niederösterreichischen Fasching spielen die zahlreichen Faschingsgilden. Sie organisieren ehrenamtlich Sitzungen, Bälle, Umzüge und humorvolle Bühnenprogramme. Die Gruppen nehmen lokale Ereignisse auf, kommentieren politische Entwicklungen mit Humor und beziehen auch gesellschaftliche Themen in ihre Darstellungen ein. Die Vorbereitungen beginnen oft Monate im Voraus. Kostüme werden genäht, Bühnenbilder gebaut und Choreografien einstudiert.
Der Landesverband der österreichischen Faschingsgilden sorgt für Vernetzung und Überblick. Veranstaltungskalender helfen dabei, die Vielzahl an Terminen im Bundesland zu koordinieren. Viele dieser Gilden bestehen seit Jahrzehnten und sind fest im gesellschaftlichen Leben ihrer Gemeinden verankert. Sie sind nicht nur Veranstalter, sondern auch Bewahrer regionaler Identität.
Narrenrufe mit regionalem Klang
Zum Fasching gehören in Niederösterreich auch die typischen Narrenrufe, die je nach Ort unterschiedlich klingen. Viele Gilden und Gemeinden haben eigene „Schlachtrufe“, mit denen Umzüge und Sitzungen eröffnet werden. In Laa an der Thaya etwa erklingt „He-He-Laa-Laa“, in Mödling „Mö-Mö“, in Bad Vöslau „Vö-Vö“ und in Moosbrunn „Moos-Moos“. Andere Orte setzen auf tierische Laute – in Berndorf heißt es „Brumm-Brumm“, in Felixdorf „Miau-Miau“, in Guntramsdorf „Qua-Qua“. Rätselhafter wirkt „AEIOU-Uhu-Uhu-Uhu“ aus Wiener Neustadt, das auf den Wahlspruch Kaiser Friedrichs III. zurückgeht.
Das „Gschnas“
Ein typisch österreichischer Begriff für ausgelassenes Feiern im Fasching ist das „Gschnas“. Ursprünglich aus dem Wiener Raum stammend, bezeichnete das Wort einst „wertloses Zeug“. Heute steht es für fantasievolle Kostüme, Musik, Tanz und geselliges Beisammensein. In Niederösterreich gehört das Gschnas zum fixen Bestandteil der Saison.
Ob Sportverein, Blasmusik, Schule oder Freiwillige Feuerwehr – in der Faschingszeit laden zahlreiche Organisationen zu Maskenbällen und Gschnas ein. In den festlich dekorierten Sälen treffen Hexen auf Superhelden, historische Figuren auf Fantasiewesen, begleitet von Tanzmusik, Tombolas und Mitternachtseinlagen. Für viele Orte gehören diese Abende längst zum fixen Veranstaltungskalender.
Gerade in kleineren Gemeinden übernehmen diese Feste eine wichtige Rolle im gesellschaftlichen Leben. Sie bringen Jung und Alt an einen Tisch, fördern das Miteinander und bieten Vereinen zugleich die Möglichkeit, Einnahmen für Ausrüstung, Nachwuchsarbeit oder kommende Projekte zu erzielen.
Umzüge und Kinderfasching
Ein fixer Bestandteil der Faschingszeit sind auch die Umzüge, die meist am Wochenende vor dem Aschermittwoch oder am Faschingsdienstag stattfinden. Bunt geschmückte Wägen, Musikgruppen und kostümierte Fußtrupps ziehen durch die Straßen und sorgen für ausgelassene Stimmung. Vereine, Schulklassen und Privatpersonen beteiligen sich mit selbst gestalteten Themenwagen und fantasievollen Figuren.
Auch Kinderfaschingsfeste und eigene Umzüge für Kinder gehören in vielen Städten und Gemeinden dazu. Kindergärten, Volksschulen und Elternvereine stellen Programme mit Spielen, Bastelstationen und kleinen Vorführungen auf die Beine, bei denen Verkleidungen und gemeinsames Feiern im Vordergrund stehen.
Gemeinschaft und Brauchtumspflege
Der Fasching in Niederösterreich zeigt, wie sich Tradition und Gegenwart verbinden: Alte Bräuche bestehen weiter, werden aber laufend neu interpretiert. Vereine, Musik und Kostüme prägen das Bild ebenso wie moderne Einflüsse. Im Mittelpunkt steht damals wie auch heute das gemeinsame Feiern.
Der Fasching schafft Räume für persönliche Begegnung und Gemeinschaft. Er verbindet Generationen und Regionen und bleibt damit ein fixer Bestandteil niederösterreichischer Volkskultur.








