Der Internationale Frauentag findet seit einem 1977 gefassten Beschluss der Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN) weltweit am 8. März statt. Er richtet sich gegen die Diskriminierung und Ausbeutung von Frauen und Mädchen in aller Welt. Der Weg der Frauenbewegung von ihren Anfängen um 1900 bis heute führte zu beeindruckenden Erfolgen. Das Vermächtnis starker Frauen erinnert daran, dass der Frauentag auch 2026 ein starkes gesellschaftspolitisches Statement bleibt.
Internationaler Frauentag: Ein Rückblick auf seine Geschichte und Bedeutung
Die Idee des Frauentags geht auf die Arbeiterinnenbewegung um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert zurück. Mit dem beginnenden Kapitalismus wurden die Frauen der ArbeiterInnenklasse doppelt ausgebeutet – als „Hausfrauen“ und bei der Fabrikarbeit unter menschenunwürdigen Bedingungen. Nordamerikanische Sozialistinnen organisierten deshalb 1909 erstmals den „nationalen Frauenkampftag“, um für ein Frauenwahlrecht einzutreten und menschenwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen zu fordern.
Nicht nur in Amerika, auch in Europa formierte sich breiter weiblicher Widerstand. Bereits 1910 forderte die deutsche Sozialistin Klara Zetkin die Einführung eines Frauentags. Noch im selben Jahr wurde in Kopenhagen auf der zweiten internationalen sozialistischen Frauenkonferenz ein entsprechender Beschluss gefasst. Ein Jahr später, am 19. März 1911, war es schließlich so weit: Der erste Frauentag wurde in Dänemark, Deutschland, Österreich-Ungarn und der Schweiz gefeiert.

Der internationale Frauentag in Österreich: Wahlrecht als erste Hauptforderung
Auch in der Wiener Innenstadt demonstrierten im März 1911 etwa 20.000 Frauen und forderten lautstark ihre Rechte ein. Sie marschierten über die Ringstraße zum Rathaus. Das bestimmende Thema in diesem Jahr – und in den Folgejahren – war die Forderung nach dem freien und geheimen Wahlrecht für Frauen, das bislang nur Männern vorbehalten war. Ein entsprechendes Gesetz wurde in Österreich allerdings erst 7 Jahre später, am 12. November 1918, eingeführt. Zu den weiteren Forderungen zählten eine Sozialversicherung für Frauen, ArbeitnehmerInnenschutz und Mutterschutz.
Frauentag und Frauenrechte: Der lange Weg zum legalen Schwangerschaftsabbruch
Auch in den folgenden Jahren standen politische Forderungen weiter im Mittelpunkt. Teilnehmerinnen der Versammlungen am Frauentag setzten sich für niedrigere Lebensmittelpreise und Arbeitszeitverkürzungen ohne Lohnkürzungen ein. Bereits in den 1920er Jahren begannen Frauen, sich für das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche einzusetzen.
Denn Anfang des 20. Jahrhunderts galten noch über 100 Jahre alte Verordnungen, die Abtreibung als Verbrechen einstuften. Wer abtrieb, wurde mit „schwerem Kerker in der Dauer von einem bis fünf Jahren“ bestraft.
Während der NS-Zeit war der Frauentag als Feiertag offiziell verboten. Erst mit der aufkommenden Frauenbewegung in den 1960er- und 1970er-Jahren gewann der Frauentag wieder an Bedeutung. Erneut forderten die Frauen ein Recht auf Schwangerschaftsabbruch und eine Aufhebung des Schwangerschaftsverbots ein. Am 29. November 1973 wurde in Österreich schließlich die straffreie Abtreibung beschlossen.
Johanna Dohnal: Architektin der Frauenrechte
1975 wurde der Frauentag am 8. März offiziell in den Kalender der UNO aufgenommen. Johanna Dohnal, ab 1979 Staatssekretärin für allgemeine Frauenfragen, veranstaltete am 8. März 1986 im Staatssekretariat am Ballhausplatz in Wien den ersten Tag der offenen Tür im Bundeskanzleramt.

Dohnal prägte die österreichische Frauenbewegung auch in den Jahren zuvor: Nach einer Lehre als Industriekauffrau und politischem Engagement in der SPÖ setzte sie sich ab 1972 als Wiener Landesfrauensekretärin intensiv für Frauenrechte ein. Sie initiierte 1978 das erste Frauenhaus in Österreich und wurde 1979 Staatssekretärin für Frauenfragen. Dohnal kämpfte für wegweisende Reformen, förderte die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und setzte sich für den Schutz von Frauen vor Gewalt ein.
Als Frauenministerin setzte sie ihre Visionen ab 1990 konsequent um und wurde 1992 zur „Frau des Jahres“ gewählt. Ihr unermüdliches Engagement für Frauenrechte und soziale Gerechtigkeit hinterließ bleibende Spuren.
Welche Bedeutung hat der Frauentag im Jahr 2026?
Auch wenn seit den Anfängen des Frauentags vieles erreicht wurde, bleiben drängende Probleme auch in der Gegenwart bestehen: Frauen sind weiterhin häufiger in schlechter bezahlten Berufen tätig, seltener in Führungspositionen vertreten und verdienen im Durchschnitt rund 18 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen – trotz gleicher Leistung. Diese Ungleichheit wirkt sich auch auf die finanzielle Absicherung im Alter aus: Frauen über 65 Jahre sind in Österreich am stärksten von Armut betroffen.
Es gibt außerdem wenig kostenlose Kinderbetreuungsangebote in Niederösterreich, wodurch Frauen in ihrer Wahlfreiheit eingeschränkt sind, wie viel sie neben der Familienarbeit beruflich aktiv sein können. Besonders betroffen sind Alleinerziehende: 83 Prozent von ihnen sind Frauen.
Anlässlich des bevorstehenden Frauentags richten Kontroll-Landesrat und SPÖ NÖ-Landesparteivorsitzender Sven Hergovich sowie Landtagspräsidentin und Vorsitzende der SPÖ-Frauen Niederösterreich, Elvira Schmidt, den Blick deshalb auf die nach wie vor bestehenden Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern:
„Der Internationale Frauentag erinnert uns alljährlich daran, dass Gleichstellung noch immer keine Selbstverständlichkeit ist. (…) Wer es ernst meint mit Gleichstellung, muss politisch handeln: Durch faire Löhne, bessere Kinderbetreuung, mehr Unterstützung für berufstätige Frauen und eine Politik, die Frauen nicht benachteiligt. Gleichstellung ist kein Frauenthema – sie ist ein Gerechtigkeitsthema für die ganze Gesellschaft.“, so Hergovich und Schmidt.
Gewalt, Femizide und Angriffe auf Selbstbestimmung: Frauenrechte unter Druck
Und nicht nur finanziell haben Frauen mit massiven Ungleichheiten zu kämpfen: Laut einer repräsentativen Studie von Statistik Austria wurden rund 35 % der Frauen zwischen 18 und 74 Jahren – also jede Dritte – seit ihrem 15. Lebensjahr körperlicher und/oder sexueller Gewalt ausgesetzt.
Laut den Autonomen Österreichischen Frauenhäusern (AÖF) wurden seit 2019 jedes Jahr Dutzende Frauen von Männern – meist aus dem familiären oder partnerschaftlichen Umfeld – getötet oder schwer verletzt.
2021 verzeichnete Österreich mit 31 getöteten Frauen und 63 versuchten Morden oder schweren Übergriffen den bisherigen Höchststand an Femiziden. Doch die Zahlen bewegen sich seither kontinuierlich auf hohem Niveau: 2023 wurden 25 Frauen getötet, im Jahr 2024 wurden 26 Frauen Opfer männlicher Gewalt. Auch die Zahl der versuchten Morde und schweren Gewalttaten blieb mit rund 30 bis 40 pro Jahr alarmierend hoch. Bis zum 10. Februar 2026 sind bereits 2 Tötungen und 13 weitere schwere Gewaltdelikte registriert – ein Umstand, der den Handlungsbedarf im Bereich Gewaltschutz unterstreicht.
Selbst das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper ist in Europa 2026 nicht mehr uneingeschränkt gegeben: In Ländern wie Polen (Abtreibung nur bei Lebensgefahr), Malta (komplettes Verbot) und Andorra (strengstes Verbot EU-weit) fehlt Frauen der Zugang zu legalen Schwangerschaftsabbrüchen. Auch in Italien und Kroatien blockieren Ärzte durch Gewissensverweigerung den Zugang.
In allen genannten Ländern – Polen, Malta, Andorra, Italien und Kroatien – setzten konservative bis rechtsnationale Kräfte restriktive Abtreibungsgesetze durch oder dulden sie. Diese Regierungen priorisieren oft traditionelle Werte über Frauenrechte und blockieren Reformen – ein Rückschlag für Gleichberechtigung und Gesundheitsschutz.
Auch in Österreich treten FPÖ und ÖVP für eine Herdprämie ein, wollen also finanzielle Anreize für Frauen schaffen, die sich auf Familie statt Beruf konzentrieren. Das zeigt, wie tief verwurzelte konservative Werte auch hierzulande die Gleichberechtigung weiter herausfordern.
Cinema Paradiso zeigt im März Filme weiblicher Filmemacherinnen
Heute wird der Frauentag auch als Plattform genutzt: Verschiedene Initiativen, Kultureinrichtungen, NGOs und Behörden präsentieren, informieren und laden zur Mitgestaltung und zum Feiern ein. Anlässlich des Weltfrauentags am 8. März 2026 legt etwa das Cinema Paradiso in Niederösterreich einen Schwerpunkt auf Werke von Filmemacherinnen – offen für alle Geschlechter. Nicht nur am Frauentag, sondern den gesamten März über stehen zahlreiche Filme, Podiumsgespräche, Diskussionen auf dem Programm.
Fünf wegweisende Frauen aus Niederösterreich, die für Rechte und Fortschritt kämpften
Anlässlich des internationalen Frauentags am 8. März rücken wir herausragende Frauen aus Niederösterreich in den Fokus. Ob Schauspielerin, Politikerin oder Widerstandskämpferin – unser Bundesland hat zahlreiche bemerkenswerte Persönlichkeiten hervorgebracht, deren Schaffen untrennbar mit dem Einsatz für Frauenrechte zusammenhängt.
Marianne Hainisch: Pionierin der österreichischen Frauenbewegung

Marianne Hainisch, 1839 in Baden geboren, war die Begründerin und Führerin der Frauenbewegung in Österreich. Zur Pionierin der österreichischen Frauenbewegung wurde die Industriellengattin und zweifache Mutter Marianne Hainisch aufgrund einer persönlichen Erfahrung: Eine befreundete Familie geriet in finanzielle Not. Der Mann schlitterte in die Insolvenz und seine Frau konnte keine Beschäftigung finden, die gesellschaftlich akzeptiert war. Auch eine berufliche Ausbildung wurde ihr verwehrt. So trat Hainisch zunächst dem Wiener Frauenerwerbsverein bei, der 1866 gegründet wurde, um Frauen der unteren Mittelschicht eine wirtschaftliche und handwerkliche Fortbildung zu ermöglichen.
In den nachfolgenden Jahren engagierte sich Marianne Hainisch weiter für Frauen- und Mädchenrechte. 1891 gründete sie das erste Mädchengymnasium in Wien, das ihrer Vision von Bildungsfreiheit für Frauen entsprach. Als Mitbegründerin des „Bundes Österreichischer Frauenvereine“ war sie auch eine treibende Kraft hinter der Einführung des Muttertags in Österreich. Als Initiatorin beteiligte sie sich maßgeblich daran, dass der Muttertag 1924 in Österreich eingeführt wurde. Mit Bertha von Suttner arbeitete sie in der Friedensbewegung und gründete 1929 die „Österreichische Frauenpartei“, „die es den Frauen bei Ausübung des Wahlrechts endlich ermöglichen soll, ihren gerechten Forderungen Geltung zu verschaffen“.
Marie Jahoda: Widerstandskämpferin und Sozialpsychologin, Autorin der „Marienthal-Studie“
Marie Jahoda wurde 1907 in Wien geboren. Ihre Verdienste für das Bundesland Niederösterreich sind unerreicht: Als Sozialpsychologin und Widerstandskämpferin hat sie das gesellschaftliche Leben in Niederösterreich nachhaltig beeinflusst. Gemeinsam mit ihrem Mann Paul Felix Lazarsfeld und Hans Zeisel führte Jahoda 1932 eine sozialpsychologische Studie durch, die international Anerkennung gefunden hat. Die sogenannte „Marienthal-Studie“ analysierte die sozialen und psychologischen Folgen von Arbeitslosigkeit am Beispiel der niederösterreichischen Gemeinde Marienthal. Die einst florierende Arbeitergemeinde geriet durch die Schließung einer Textilfabrik in eine wirtschaftliche Krise.
Im Mittelpunkt der Untersuchung stand die Frage, ob und wie Langzeitarbeitslosigkeit das Verhalten, die Motivation und das soziale Zusammenleben der Betroffenen beeinflusst. Die Studie belegte eindrücklich, dass Arbeitslosigkeit nicht nur finanzielle Not verursacht, sondern auch tiefgreifende psychische und gesellschaftliche Auswirkungen hat. Bis heute gilt die „Marienthal-Studie“ von Marie Jahoda als eines der wichtigsten Werke der Sozialforschung.
Erni Mangold – Ikone des österreichischen Schauspiels mit Wurzeln in Niederösterreich
Erni Mangold wurde 1927 in Großweikersdorf in Niederösterreich geboren. Während ihre Eltern ein Wirtshaus in kleinen Ortschaft im Bezirk betrieben, zog es Ernestine Goldmann, wie sie mit bürgerlichem Namen hieß, in die Welt der Schauspielerei. Ob als Charakterdarstellerin auf den großen Bühnen oder in Film und Fernsehen – Mangold verkörperte stets Frauenfiguren mit Rückgrat und Tiefgang. Diese Eigenschaften sind ihr selbst nicht fremd. Denn schon in ihrer Jugend zeigte sie bemerkenswerten Widerstand: Während des Nationalsozialismus weigerte sie sich standhaft, den Hitlergruß zu erwidern. Am letzten Kriegstag grüßte Sie mit einem „Guten Tag“.
Neben unzähligen Theaterrollen begeisterte sie etwa in „Kottan ermittelt“ und „Tatort“. Ihre Leidenschaft für die Schauspielkunst gab sie als Professorin am Max Reinhardt Seminar an kommende Generationen weiter. 2017 verabschiedete sie sich mit einer letzten großen Rolle in den Wiener Kammerspielen von der Bühne – doch ihr Einfluss auf die Theaterlandschaft bleibt unvergänglich. Ihre außergewöhnliche Karriere, ihre unerschütterliche Haltung und ihr unverwechselbarer Charme machen sie zu einer der bedeutendsten Schauspielerinnen Österreichs.

Schwester Maria Restituta: Widerständige Operationsschwester im Krankenhaus Mödling

Maria Restituta Kafka, 1894 als Helene Kafka Hussowitz bei Brünn geboren, war eine Ordensschwester der Franziskanerinnen und Krankenschwester im Krankenhaus Mödling. Als Oberschwester der chirurgischen Abteilung kümmerte sie sich auch nach dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland um Kranke. Aber sie widersetzte sich dem Regime: Sie weigerte sich Kreuze aus Krankenzimmern zu entfernen und die Kranken ungleich zu behandeln. Außerdem schrieb sie zwei regimekritische Texte. Schließlich wurde sie durch den Chirurgen des Spitals denunziert und im Operationssaal verhaftet. Am 29. Oktober 1942 wird sie wegen „Feindbegünstigung und Hochverrats“ zum Tode verurteilt.
Im März 1943 wurde sie im Wiener Landesgericht ermordet. Ihr Leichnam wurde anonym auf dem Wiener Zentralfriedhof verscharrt. Papst Johannes Paul II. sprach sie wegen ihrem Einsatz für die Kranken selig. Ihr Gedenktag ist der 29. Oktober, der Tag ihres Todesurteils. In Mödling benannte die Stadt die westliche Hälfte der Weyprechtgasse vor dem Krankenhaus nach ihr, um ihr Andenken zu bewahren.
Katharina Schratt – die „heimliche“ Kaiserin Österreichs

Katharina Schratt, 1853 in Baden geboren, war eine der bekanntesten Schauspielerinnen ihrer Zeit. Sie war eine Frau, die in einer männerdominierten Gesellschaft ihren eigenen Weg ging. Ihre Karriere führte sie über Wien, Berlin und New York, wo sie sich als eine der gefragtesten Darstellerinnen etablierte. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert war Katharina Schratt aber nicht nur als promimente Schauspielerin bekannt. Sie erlangte besondere öffentliche Aufmerksamkeit durch ihre langjährige, enge Beziehung zu Kaiser Franz Joseph I., die ihr sowohl Anerkennung als auch Kritik einbrachte.
Denn Schratt war nicht nur eine enge Vertraute des Kaisers, sondern auch eine der wenigen Frauen, die einen bedeutenden Einfluss am Wiener Hof ausübte. Sie erhielt dafür sogar Unterstützung von Kaiserin Elisabeth, die die Freundschaft der beiden förderte. Während man bis heute darüber rätselt, wie eng das Verhältnis der Schauspielerin mit dem Kaiser tatsächlich war, steht eines fest: Katharina Schratt hat sich als unabhängige Frau in einer männerdominierten Gesellschaft durchgesetzt.
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