Most gehört seit Jahrhunderten zur niederösterreichischen Kultur. Besonders im Mostviertel, dem hügeligen Landstrich zwischen Donau und Ötscher, prägen uralte Birnbäume, die von der Wild- oder Holzbirne abstammen, das Landschaftsbild. Es gilt als das größte zusammenhängende Mostbirngebiet Europas. Dort wachsen bis zu 200 Jahre alte Bäume, die das Fundament für eine lebendige Mostkultur bilden.
Vielfalt aus Birne und Apfel
Während in Oberösterreich der Apfelmost dominiert, ist in Niederösterreich der Birnenmost typisch. Rund 20 regionale Sorten – etwa Speckbirne, Dorschbirne oder Landlbirne – eignen sich für sortenreinen Birnenmost. Viele Produzent:innen verbinden traditionelle Methoden mit moderner Kellertechnik, wodurch Most heute von der einfachen Erfrischung zum Qualitätsobstwein mit Gütesiegel aufgestiegen ist.
Wie Most entsteht
Bis der Most ins Glas kommt, braucht es einiges an Arbeit. Geerntet werden die Birnen und Äpfel in den Streuobstwiesen des Mostviertels. Nach dem Waschen und Zerkleinern folgt das Pressen, bei dem der Saft gewonnen wird. In Fässern oder Edelstahltanks setzt anschließend die Gärung ein – Hefen verwandeln den Fruchtzucker in Alkohol und Kohlensäure.
Je nach Sorte und Kellertechnik reicht das Ergebnis von spritzig-leicht bis kräftig-herb. Moderne Mostbetriebe kombinieren dabei traditionelles Wissen mit neuer Technik, um die typischen Aromen der Mostbirne zu bewahren.
Die Moststraße – Genussroute durch das Mostviertel
Die rund 200 Kilometer lange Moststraße zählt zu den bekanntesten Erlebnisrouten im Mostviertel. Sie führt durch Hügelland, vorbei an Streuobstwiesen, Mostheurigen und zahlreichen Ab-Hof-Betrieben, die regionale Produkte anbieten.
Zu den Highlights zählen zum Beispiel die Mostelleria in Oed-Öhling, wo Besucherinnen und Besicher Most, Edelbrände und Liköre verkosten können oder das Mostviertler Bauernmuseum in Gigerreith, das das bäuerliche Leben von einst mit Schwerpunkt auf die Mostproduktion zeigt.
Bei den zahlreichen Mostheurigen entlang der Route wird der Most oft mit traditionellen Gerichten wie Mostbratl, Speckplatten oder Mostkäse serviert wodurch die regionale Küche und das Getränk eng miteinander verbunden sind.
Wirtschaftliche Bedeutung
Rund 17 Prozent der österreichischen Mostobstproduktion stammen aus Niederösterreich. Im Mostviertel sind über 4.000 landwirtschaftliche Betriebe tätig, die auf unterschiedliche Weise Mostobst verarbeiten oder liefern. Die wirtschaftliche Relevanz zeigt sich auch am Arbeitsmarkt. In Niederösterreich sind Schätzungen zufolge mehr als 1.500 Arbeitsplätze direkt oder indirekt mit der Mostproduktion verbunden – von der Landwirtschaft über die Gastronomie bis hin zum Tourismus.
Most gewinnt außerdem immer mehr an internationaler Bedeutung: Neben der Direktvermarktung sind Produkte wie Birnenschaumwein und Cider auch auf Exportmärkten etwa in Deutschland, der Schweiz und Italien begehrt.
Most hat Zukunft
Immer mehr Produzentinnen und Produzenten setzen auf Bio-Qualität, Direktvermarktung und kreative Weiterentwicklungen wie Most-Schaumwein, Birnencider oder alkoholfreien Most. Diese Produkte sprechen oft auch ein jüngeres Publikum an. So werden traditionelle Herstellungsweisen mit neuen Produktideen verbunden.
Ob beim Heurigen, bei einer Radtour entlang der Moststraße oder als Begleiter zu regionaler Küche: Most ist ein Stück Niederösterreich, das Tradition, Natur und Genuss vereint. Der Most ist im Mostviertel nicht nur Getränk, sondern Teil des Alltags und der regionalen Kultur.