Im Juli 1809 versuchte der französische Kaiser Napoleon Bonaparte, Europa zu erobern. Dabei führte ihn sein Feldzug auch nach Niederösterreich: Im Sommer 1809 ereignete sich in Deutsch Wagram eine blutige Schlacht gegen die österreichische Armee unter Erzherzog Karl, aus der Napoleon als Sieger hervorging. Bis heute sind die Ereignisse aus der damaligen Zeit in der Gemeinde Deutsch-Wagram präsent.

Napoleons Aufstieg zum gefürchteten Feldherren
Napoleon Bonaparte wurde 1769 in Frankreich geboren und legte in seinen jungen Jahren eine glanzreiche Militärkarriere hin. Zur Frau nahm er die höhergestellte Joséphine de Beauharnais. Sie galt als eine überaus charmante und charismatische Frau und verhalf Napoleon zu einflussreichen Kontakten in der Politik und im Adel. 1804 sollte Napoleon in der Notre-Dame vom Papst zum Kaiser gekrönt werden. Am Tag der pompösen Zeremonie kam es zum Eklat: Napoleon entriss Papst Pius VII. die Kaiserkrone und krönte sich selbst. Ein Skandal, denn formal war nur der Papst berechtigt, die Kaiserkrönung durchzuführen. Napoleon gelang es dennoch, mit der Selbstkrönung seine Herrschaft zu festigen und verstand sich einmal mehr als Volkskaiser.

Das Ziel von Napoleon Bonaparte war es, die Vorherrschaft in Europa zu erlangen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam es deshalb zu verschiedenen kriegerischen Auseinandersetzungen. In den sogenannten Koalitionskriegen, einer Serie von sieben Kriegen mit wechselnden Bündnissen, eroberte Napoleon zunächst Belgien und die Lombardei, kämpfte gegen England und löste das Heilige Römische Reich auf. Napoleon Bonaparte entpuppte sich dabei als geschickter und erfolgreicher Feldherr.
Schlachten in Aspern und Deutsch-Wagram: Niederösterreich als Kriegsschauplatz
Im Jahr 1809 befand sich Europa bereits im fünften Koalitionskrieg und war stark betroffen von der aggressiven Eroberungspolitik Napoleons. Auch Österreich war als mächtiges Kaiserreich ein strategisches Ziel der Franzosen. Ende Mai 1809 gelang es der österreichischen Armee unter der Führung von Erzherzog Carl, einen entscheidenden Sieg zu erzielen: In der Schlacht bei Aspern konnte Österreich Napoleon in die Knie zwingen. Diese Schlacht gilt als erste bedeutende Niederlage Napoleons und stellte die Unbesiegbarkeit des französischen Kaisers erstmals infrage. Erzherzog Carl feierte seinen Sieg östlich von Wien, während Napoleon sich neu formierte.

Napoleon Bonaparte setzte schließlich am 5. Juli 1809 zu einem Gegenschlag in Deutsch-Wagram und brachte mit italienischer Hilfe 150.000 Soldaten ins Feld, während Erzherzog Carl mit 136.500 Mann in der Unterzahl war. Während des 5. und 6. Juli lieferten sich beide Seiten in der Sommerhitze östlich der Donau unerbittliche Kämpfe – rund 78.000 Soldaten haben dabei ihr Leben verloren. Erzherzog Karl musste schließlich kapitulieren. Napoleon hatte nicht nur mehr Soldaten auf dem Feld, sondern war auch besser ausgestattet: Vor allem die Vielzahl an berittenen Soldaten (Kavallerie) sowie Feldgeschütze (Artillerie) verschafften den Franzosen große Vorteile.

Durch die Schlacht bei Deutsch-Wagram wurde der fünfte Koalitionskrieg beendet und die Niederlage Österreichs durch den Frieden von Schönbrunn besiegelt. Napoleon, der erneut gesiegt hatte, versuchte in den folgenden Jahren, seine Macht weiter auszudehnen. Er verlor aber unter anderem durch den Russlandfeldzug, der sich als Todesfalle für Hunderttausende Soldaten entpuppte, endgültig seine Vormachtstellung. Nach einem letzten Aufbäumen in der Herrschaft der 100 Tage, wird Napoleon in der Schlacht im belgischen Waterloo endgültig besiegt und auf die Insel St. Helena verbannt, wo er 1821 an Magenkrebs starb.
Wagramer Historientage stellen die Schlacht authentisch nach
Auch nach über zwei Jahrhunderten lässt die Gemeinde Deutsch-Wagram die Schlacht nicht los: Bei den Wagramer Historientagen 2024 werden die Ereignisse wieder zum Greifen nahe. Genau 215 Jahre nach der schicksalhaften Schlacht, stellten rund 350 uniformierte Freiwillige aus verschiedenen Ländern die Ereignisse nach. Zivildarsteller und Handwerker errichteten ein Feldlager, indem sie den damaligen Alltag authentisch abbildeten. Für die Nachstellung der Schlacht kamen Gewehre, Kanonen und entsprechende Ausrüstung zum Einsatz. Die Wagramer Historientage finden auch 2026 wieder statt – mehr Details dazu gibt es hier.
Deutsch-Wagram als archäologisch bedeutsame Fundstelle
Auch außerhalb der Historientage sind die Ereignisse des Sommers 1809 für Geschichtsbegeisterte erlebbar: Das Napoleon-Museum in Deutsch-Wagram ermöglicht Besucherinnen und Besucher exklusive historische Einblicke. Besonders eindrücklich ist die interaktive Schlachtfeldarchäologie-Straßenbau Ausstellung. Darin werden archäologische Ausgrabungsstücke präsentiert, die während der Bauarbeiten der ursprünglich geplanten Schnellstraße S8 entdeckt wurden. Neben kleineren Artefakten wie Münzen oder Munition, fand man auch vollständige Skelette. Diese zeigten: Die gefallenen Soldaten waren meist sehr jung und ihre Kindheit war von Hunger und Krankheit geprägt.
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