Immer mehr Menschen suchen aufgrund von Einsamkeit oder Überforderung im Alltag Hilfe bei ihren Hausärztinnen und Hausärzten. Eine mögliche Antwort darauf heißt „Social Prescribing“: Dabei werden Aktivitäten wie Sportgruppen oder Museumsbesuche auf Rezept – und kostenlos – verschrieben. In Österreich läuft derzeit ein Pilotprojekt, das auch drei Angebote in Niederösterreich fördert.
Sportgruppen und Kochkurse: Gemeinschaftliche Aktivitäten gegen psychische Belastungen
Jeder fünfte Besuch beim Hausarzt erfolgt aufgrund psychischer oder sozialer Belastungen, etwa Einsamkeit, finanzielle Sorgen oder Alltagsstress. Genau hier setzt Social Prescribing an: Ergänzend zur medizinischen Versorgung werden Patientinnen und Patienten an passende soziale Angebote vermittelt. Mögliche Angebote reichen von Aktivitäten in Sportgruppen über Beratungsstellen bis hin zu Kochkursen, um soziale Teilhabe und Wohlbefinden zu fördern.
Der Ansatz des „Social Prescribing“ stammt ursprünglich aus Großbritannien. Ziel ist es, das Gesundheitssystem durch vergleichsweise niedrige Kosten zu entlasten und eine treffsichere und schnelle Vermittlungen der Patientinnen und Patienten an spezialisierte Angebote sicherzustellen. Das niederschwellige Angebot richtet sich insbesondere an Menschen im Alter von 30 bis 60 Jahren in wirtschaftlichen Schwierigkeiten oder einem fehlenden sozialen Netzwerk.
Pilotprojekt in Österreich zeigt Wirkung
Seit 2021 wird Social Prescribing auch in Österreich im Rahmen von Pilotprojekten gefördert. Das Sozial- und Gesundheitsministerium unterstützt gemeinsam mit der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) den Aufbau entsprechender Strukturen in der Primärversorgung.
Erste Ergebnisse zeigen hohen Zuspruch in der Bevölkerung: Zwischen 2023 und 2025 konnten österreichweit rund 1.200 Patientinnen und Patienten erreicht werden. Insgesamt sind 15 Einrichtungen in sechs Bundesländern beteiligt, drei davon in Niederösterreich. 85 Prozent der Betroffenen wurden an durchschnittlich zwei passende Angebote weitervermittelt, besonders häufig bei psychosozialen Belastungen. Die Rückmeldungen sind positiv: 93 Prozent berichten von einem verbesserten Wohlbefinden und einer stärkeren sozialen Einbindung.
Social Prescribing-Angebote in Niederösterreich
Im Primärversorgungsnetzwerk Melker Alpenvorland richtet sich das Angebot an Menschen in unterschiedlichsten Lebenslagen: Unterstützung gibt es etwa nach einschneidenden Ereignissen wie Todesfällen oder bei Veränderungen wie Umzug, Trennung oder Arbeitslosigkeit. Die kostenlose Beratung vermittelt regionale Angebote wie Vereine, Museen oder tierpädagogische Programme, um Aktivitäten zu fördern und das soziale Netzwerk zu stärken.
Ähnliche Hilfsangebote bietet das Primärversorgungszentrum Purgstall. Speziell geschulte Fachkräfte unterstützen dort die Vermittlung zu passenden gesundheitsfördernden Angeboten. Auch das Primärversorgungszentrum St. Pölten bietet einen niederschwelligen Zugang zu Unterstützung. Ein ärztliches Gespräch stellt bei Bedarf den Kontakt zu weiterer professioneller Hilfe her, wenn die eigenen Ressourcen zur Bewältigung des Alltags nicht ausreichen.
Liebe Leserinnen, liebe Leser!
Wenn Sie relevante Informationen zum Artikel beitragen können, schicken Sie uns doch eine Mail!








