Niederösterreichs Pflege steht vor großen Herausforderungen. Steigender Pflegebedarf, Personalmangel und hohe Arbeitsbelastung setzen Beschäftigte zunehmend unter Druck. Mit dem österreichweiten Volksbegehren „Stopp den Pflegeraub!“ soll nun ein politisches Signal für bessere Arbeitsbedingungen und eine langfristige Absicherung des Pflegebonus gesetzt werden.
Stress, Zeitdruck und Personalmangel – Niederösterreichs Pflege vor Herausforderungen
Niederösterreichs Pflegebereich steht vor großen Herausforderungen: Bis zum Jahr 2040 werden rund 13.700 zusätzliche Pflegekräfte benötigt, um den steigenden Bedarf zu decken. Gleichzeitig wird die Arbeit für Pflegekräfte zunehmend anspruchsvoller.
Eine Erhebung der Arbeiterkammer aus dem Jahr 2025 zeigt, dass viele Beschäftigte unter starkem Druck stehen. Über ein Drittel der Pflegekräfte berichtet von hohem Arbeitsstress, während 28 % über enormen Zeitdruck klagen. Viele Pflegekräfte fühlen sich durch die Menge und Komplexität der Aufgaben überfordert. Mehr als die Hälfte der Beschäftigten glaubt nicht, dass sie ihren Beruf bis zur Pension ausüben kann. Angesichts der alternden Bevölkerung wird sich der Personalmangel in den kommenden Jahren weiter verschärfen. Die bisherige Lösung der Landesregierung: Pflegekräfte aus Vietnam. Was ausbleibt, sind strukturelle Entlastung und eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen.
Die SPÖ-NÖ sieht daher dringenden Handlungsbedarf. „Pflege ist eine der größten sozialen Herausforderungen unserer Zeit. Die Menschen werden immer älter – gleichzeitig fehlen immer mehr Pflegekräfte. Deshalb braucht es jetzt klare politische Maßnahmen, um Pflegeberufe zu stärken und das System langfristig abzusichern“, so Kontroll-Landesrat und SPÖ NÖ-Landesparteivorsitzender Sven Hergovich.
“Stopp den Pflegeraub!”: Volksbegehren fordert sichere Zukunft für Pflegekräfte
Vor diesem Hintergrund startete im Februar 2026 das österreichweite Volksbegehren „Stopp den Pflegeraub!“. Initiiert wurde die Kampagne von der Arbeiterkammer Salzburg als Reaktion auf die geplante Streichung des Pflegebonus durch die Salzburger Landesregierung. Denn statt Pflegekräften Lohnbestandteile zu entziehen, brauche es vielmehr Maßnahmen zur langfristigen Absicherung und Verbesserung der Arbeitsbedingungen.
Kontroll-Landesrat und SPÖ NÖ-Landesparteivorsitzender Sven Hergovich und der designierte SPÖ-Landesparteivorsitzende in Salzburg sowie AK-Präsident Peter Eder betonen bei einer gemeinsamen Pressekonferenz die zentrale Bedeutung einer starken Pflege für die Zukunft des Sozialstaates. Eder unterstreicht die Bedeutung des Volksbegehrens:
„Pflegekräfte halten unser Gesundheitssystem am Laufen. Ihnen Lohnbestandteile zu entziehen oder ihre Arbeit finanziell abzuwerten, ist nicht nur unfair – es ist respektlos gegenüber einem Beruf, der für unsere Gesellschaft unverzichtbar ist.“
Volksbegehren will Pflegebonus sichern und faire Arbeitsbedingungen durchsetzen
Im Zentrum des Volksbegehrens steht die langfristige Absicherung des Pflegebonus. Dieser soll über das in Salzburg derzeit geplante Ende im Juli 2026 hinaus verlängert und auf alle Berufsgruppen in der Pflege ausgeweitet werden.
„Zehntausende Menschen haben bereits ihre Unterstützung gezeigt. Pflege ist keine Verhandlungsmasse – Pflege ist systemrelevant. Wenn wir den Personalmangel bekämpfen und die Versorgung langfristig sichern wollen, dann müssen wir den Menschen in der Pflege zeigen, dass ihre Arbeit geschätzt wird“, betont Eder.
Die Initiative will außerdem den umfassenden Reformbedarf im gesamten Pflegesystem sichtbar machen. Neben finanzieller Anerkennung fordert das Volksbegehren außerdem strukturelle Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Dazu zählen etwa der Ausbau mobiler Pflegedienste, vermehrte Angebote für Tages- und Kurzzeitpflege sowie stärkere Unterstützung pflegender Angehöriger durch einen Rechtsanspruch auf Pflegekarenz oder Pflegeteilzeit.
Ein weiteres zentrales Anliegen richtet sich an die Personalpolitik: Faire Rahmenbedingungen sollen dazu beitragen, mehr Menschen für den Pflegeberuf zu gewinnen und Fachkräfte langfristig im System zu halten. Konkret heißt das: klare Kompetenzverteilung, bessere Weiterbildungsmöglichkeiten und attraktive Karrierewege.
Zustimmung der SPÖ NÖ und Pflegekonzept im „NÖ-Plan“
Die SPÖ Niederösterreich unterstützt das Volksbegehren, ruft zur breiten Unterstützung auf und verweist gleichzeitig auf konkrete Maßnahmen im „NÖ-Plan“, dem sozialdemokratischen Zukunftsprogramm für Niederösterreich. Über hundert Expertinnen und Experten haben darin ein umfassendes Konzept für die Zukunft der Pflege vorgelegt.
Eine zentrale Forderung des NÖ-Plans lautet, gemeinnützige Pflegeeinrichtungen stärker zu fördern. Pflege dürfe kein gewinnorientiertes Geschäft sein, sondern müsse sich am Wohl der Menschen orientieren.
„Unser Ziel ist klar: Pflege muss für jene leistbar sein, die sie brauchen – und ein attraktiver Beruf für jene, die sie leisten. Dazu gehören bessere Arbeitsbedingungen, mehr Ausbildungsplätze und ein stärkerer Ausbau mobiler Pflegeangebote“, erklärt Hergovich.
Zusätzlich plant die SPÖ, den Ausbau mobiler Pflegeangebote vorantreiben, um mehr Betreuungsangebote im eigenen Zuhause zu schaffen. Community Nurses sollen dabei als wohnortnahe Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner eine wichtige Rolle übernehmen.
Burgenland als Vorbild für Entlastung pflegender Angehöriger
Besonderen Fokus liegt die SPÖ NÖ auf die herausfordernde Lebensrealität pflegender Angehöriger. In Österreich werden rund acht von zehn pflegebedürftigen Menschen zu Hause betreut – meist von Familienmitgliedern. Viele Angehörige reduzieren dafür ihre Arbeitszeit oder geben ihren Beruf auf. Ein Anstellungsmodell für pflegende Angehörige nach dem Vorbild Burgenlands soll soziale Absicherung sowie Pensions- und Krankenversicherung gewährleisten.
„Pflege darf aber keine Armutsfalle werden. Deshalb wollen wir ein Anstellungsmodell für pflegende Angehörige, das soziale Absicherung und faire Bezahlung garantiert“, betont Hergovich.
Unterstützung des Volksbegehrens als Zeichen für Wertschätzung
Die SPÖ Niederösterreich bekräftigte im Rahmen einer Pressekonferenz ihre Unterstützung für das Volksbegehren. Ziel sei es, ein klares politisches Signal zu setzen, die Arbeitsrealität in der Pflege zu verbessern, Wertschätzung spürbar zu machen und das System dauerhaft abzusichern.
„Setzen wir gemeinsam ein klares Zeichen für die Pflege. Unterstützen Sie das Volksbegehren ‚Stopp den Pflegeraub!‘ – für mehr Wertschätzung, bessere Arbeitsbedingungen und eine sichere Zukunft der Pflege in Österreich“, so Hergovich und Eder.
Unterstützungserklärungen für das Volksbegehren “Stopp den Pflegeraub!” können online oder bei jedem Gemeindeamt abgegeben werden.
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