Zugausfälle und Verspätungen sorgen auf der Nordwestbahn zwischen Retz, Hollabrunn und Wien weiterhin für große Probleme im Pendleralltag. Besonders in den Nachmittagsstunden fallen häufig mehrere Verbindungen aus, während die verbleibenden Züge stark überfüllt sind. „Die Zustände sind nicht mehr tragbar“, schildert ein Fahrgast. Andere wiederum ärgern sich über „täglichen Wahnsinn“, während gleichzeitig die Ticketpreise steigen.
Besonders frustrierend ist die Situation für viele Pendlerinnen und Pendler entlang der Strecke zwischen Wien-Floridsdorf und Hollabrunn: Wer in Floridsdorf bereits mit zehn Minuten Verspätung abfährt, weiß oft, dass sich die Verzögerung weiter fortsetzt. In Göllersdorf kommt es regelmäßig zu weiteren Aufenthalten, sodass sich die Verspätung bis Hollabrunn nicht selten auf bis zu 30 Minuten summiert. Gerade diese Kettenreaktionen machen die Strecke für Berufspendler besonders mühsam.
Wetter und Fahrzeugmangel als Ursachen
Die ÖBB führen die aktuellen Schwierigkeiten vor allem auf extreme Wetterbedingungen der vergangenen Wochen zurück. Diese hätten in der Ostregion zu erheblichen Störungen geführt. Mehrere Elektrotriebwagen und Doppelstockzüge mussten außer Betrieb genommen und in Werkstätten gebracht werden. Gleichzeitig erschwerten winterliche Bedingungen die Zuführung der Fahrzeuge in die Werkstätten. Auch technische Störungen an Anlagen wie Weichen oder Stellwerken hätten den Betrieb zusätzlich belastet.
ÖBB-Sprecher Christopher Seif betont, dass die Auswirkungen teilweise noch immer spürbar seien. Zusätzlich hätten verspätete Lieferungen neuer Fahrzeuge die Situation verschärft.
„All diese Umstände erschweren die Betriebsführung erheblich“, so Seif in einem Pressestatement.
Besonders anfällig ist die Wiener Stammstrecke mit Zügen im Minutenabstand. Kommt es dort zu Ausfällen oder Verspätungen, entsteht rasch eine Kettenreaktion mit weiteren Verzögerungen. An einem durchschnittlichen Werktag sind in der Ostregion rund 2.700 Personenzüge unterwegs. Die Pünktlichkeit auf der Nordwestbahn lag zuletzt laut ÖBB bei rund 89 Prozent und entspricht damit nicht dem eigenen Qualitätsanspruch.
Zweigleisiger Ausbau als langfristige Lösung
Gerade auf stark belasteten Abschnitten zeigt sich, wie empfindlich das System reagiert. Der vielfach geforderte zweigleisige Ausbau weiterer Streckenabschnitte gilt daher als entscheidender Schritt, um Verspätungsketten zu vermeiden und den Betrieb zu stabilisieren. Mehr Infrastruktur würde mehr Flexibilität im Fahrplan bedeuten – und weniger Stillstand bei Störungen.
Zusätzliche Fahrzeuge sollen Entlastung bringen
Die ÖBB haben Maßnahmen angekündigt, um die Situation zu verbessern. Seit Februar werden zusätzliche Fahrzeuge in der Ostregion eingesetzt. Dazu zählen auch Intercity-Doppelstockzüge, die bisher im Fernverkehr eingesetzt wurden und nun im Nahverkehr zusätzliche Kapazitäten schaffen sollen. Eine Reduktion des Fahrplans ist laut ÖBB nicht vorgesehen. Eine spürbare Verbesserung wird jedoch erst schrittweise erwartet.
Ab dem Sommer sollen außerdem mehr als 40 neue Cityjet-Doppelstockzüge des Herstellers Stadler in der Ostregion eingesetzt werden. Sie sollen vor allem auf den stark genutzten Strecken rund um Wien zusätzliche Kapazitäten schaffen.
SPÖ NÖ fordert höhere Entschädigungen und bessere Wartung
Die SPÖ NÖ spricht von einer großen Belastung für Pendlerinnen und Pendler im Bezirk Hollabrunn. Bezirksvorsitzender Stefan Hinterberger betont, dass die zahlreichen Zugausfälle und Verspätungen für viele Menschen eine erhebliche Einschränkung im Alltag darstellen.
Neben zusätzlichen Fahrzeugen fordert die SPÖ jedoch auch strukturelle Konsequenzen. Konkret müsse bei den Entschädigungsregelungen deutlich nachgeschärft werden. Die finanziellen Ansprüche der Fahrgäste müssten künftig höher ausfallen. „Wenn ein Unternehmen regelmäßig Verspätungen verursacht, dann müssen die Entschädigungen auch entsprechend spürbar sein“, so Hinterberger. Nur höhere Ausgleichszahlungen würden den Druck erhöhen, die Betriebsqualität nachhaltig zu verbessern.
Die zusätzlichen Fahrzeuge seien ein wichtiger Schritt zur Stabilisierung der Situation. Langfristig müsse vor allem die Fahrzeugverfügbarkeit verbessert werden, damit ein verlässlicher Betrieb gewährleistet werden könne. Die SPÖ fordert rasche und spürbare Verbesserungen. Gleichzeitig sollen bestehende Entschädigungsansprüche der Fahrgäste konsequent genutzt werden können.
Zudem wird eine intensivere Wartung der Garnituren und infrastrukturellen Verbesserungen eingefordert. Ziel müsse es sein, Ausfälle durch technische Probleme möglichst zu vermeiden. Kritisch gesehen wird, dass längere Wartungsintervalle kurzfristig zwar Kosten und Personal einsparen könnten, langfristig jedoch zu höheren Störanfälligkeiten führen. Verlässlichkeit dürfe nicht dem Sparstift zum Opfer fallen.
Entspannung der Lage erst langfristig erwartet
Auch geplante Instandhaltungsarbeiten auf der Nordwestbahn werden zusätzliche Belastungen mit sich bringen. Regelmäßige Sperren einzelner Streckenabschnitte sollen zwar langfristig zu einem stabilen Betrieb beitragen, bedeuten kurzfristig jedoch zusätzlichen Aufwand für Pendlerinnen und Pendler.
Die SPÖ betont die Bedeutung verlässlicher Bahnverbindungen für tausende Menschen im Bezirk. Viele sind täglich auf die Verbindung nach Wien angewiesen. Eine spürbare Entspannung der Lage wird erst mit dem schrittweisen Einsatz neuer Garnituren erwartet. Bis dahin bleibt die Situation angespannt.








