Expertinnen und Experten rechnen damit, dass Strom- und Gaspreise auch 2026 weiter steigen. Niederösterreich nimmt dabei aufgrund seiner Größe eine besondere Stellung ein und ist im Vergleich mit anderen Bundesländern überdurchschnittlich von den Energiepreisanstiegen betroffen.
Strom und Gas in Niederösterreich empfindlich teurer als in Tirol
Österreichweit erhöhen sich die Stromnetzentgelte laut E-Control 2026 um durchschnittlich 1,1 Prozent, das entspricht rund vier Euro pro Jahr. In Niederösterreich fällt der Anstieg jedoch deutlich höher aus: Die Gebühren steigen um 6,9 Prozent– Kundinnen und Kunden zahlen künftig 10,72 Cent pro Kilowattstunde. Damit steigt die Stromrechnung eines Haushalts durchschnittlich um rund 30 Euro pro Jahr. Aus Sicht der Opposition ein untragbarer Zustand:
„Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher steigen bei der Energieversorgung im Bundesländer-Vergleich schlechter aus. Der Preismonitor belegt: Niederösterreich ist deutlich teurer als etwa Tirol – sowohl bei Strom als auch bei Gas. Das ist eine abermalige klare Aufforderung an die EVN und die schwarz-blaue Landeskoalition, endlich zu handeln“, fordert Kontroll-Landesrat und SPÖ NÖ-Landesparteivorsitzender Sven Hergovich.
Der Strompreisvergleich der lokalen Anbieter (jeweils inkl. Netzentgelte sowie Steuern & Abgaben, Beispielhaushalt 3.500 kWh/Jahr) zeigt deutliche Unterschiede: Beim niederösterreichische Landesenergieversorger EVN liegt der Strompreis bei jährlich 1.169,30 Euro. In Tirol liegt die TIWAG bei 890,91 Euro pro Jahr – eine Ersparnis von rund 278 Euro pro Jahr.
Netzkosten für Gas verursachen 100 Euro Mehrkosten
Bei den Kosten für Gas sieht die Rechnung ähnlich aus. Laut E-Control steigen die Gasnetzentgelte österreichweit um 18,2 Prozent, was im Schnitt Mehrkosten von rund 64 Euro pro Jahr bedeutet. In Niederösterreich fällt der Anstieg jedoch erneut besonders stark aus: Gaskundinnen und -kunden müssen mit einem Kostenanstieg von 30,6 Prozent rechnen. Das entspricht 2,38 Cent mehr pro Kilowattstunde. Für einen durchschnittlichen Haushalt ergeben sich dadurch Mehrkosten von etwa 100 Euro jährlich. Diese Entwicklung ist für Kontroll-Landesrat und SPÖ NÖ-Landesparteivorsitzenden Sven Hergovich nicht hinnehmbar:
“Gerade beim Heizen ist das für viele Menschen existenziell. Wer mit der Teuerung und der hohen Inflation kämpft, braucht faire Tarife – keine Bundesländer-Strafsteuer über die Energierechnung“, betont Hergovich.
Tiroler Modell als Vorbild
Dabei liegen Vorschläge dazu, wie die Strompreise gesenkt werden könnten, längst auf dem Tisch. Laut Hergovich könne der Strompreis in Niederösterreich durch eine einfache Maßnahme sogar halbiert werden: Investiert man von den 1,5 Milliarden Euro Übergewinnen der EVN nur eine Milliarde in die Senkung der Preise. Die SPÖ NÖ wird entsprechende Anträge im Landtag einbringen und hofft auf einen gemeinsamen Beschluss mit der schwarz-blauen Landesregierung.
„In Tirol hat die Landesregierung den Landesenergieversorger dazu verpflichtet, für leistbare Preise zu sorgen. Das wollen wir von der nö. Landesregierung – die Mehrheitseigentümerin der EVN ist – auch“, sagt Hergovich im Interview mit „Heute“.
SPÖ fordert Rückzahlung der EVN-Milliardengewinne
SPÖ-Landeschef Hergovich pocht weiterhin auf eine Rückzahlung der EVN-Übergewinne an die Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher. Er fordert, dass zwei Drittel dieser Gewinne – rund eine Milliarde Euro – in Form günstigerer Strom- und Gastarife an die Menschen zurückfließen sollen. Ein durchschnittlicher Zwei-Personen-Haushalt könnte so rund 270 Euro. Für ein Einfamilienhaus-Haushalt ergeben sich so rund 400 Euro und für Kleinbetriebe zwischen 2.600 und 8.700 Euro pro Jahr.
Trotz hoher Strompreise: 784.000 Euro Jahresgage für EVN-Vorstand
Während die Kundinnen und Kunden immer mehr für die Leistungen der EVN bezahlen müssen, werden die Vorstände des Unternehmens fürstlich entlohnt. Wie im Dezember bekannt wurde, erhielt EVN-Vorstandsdirektor Stefan Szyszkowitz im Geschäftsjahr 2023/2024 ein Gehalt von rund 780.000 Euro. Das ist weit mehr, als bislang angenommen Schätzungen. Laut Vergütungsbericht setzt sich das Einkommen aus knapp 595.000 Euro fixer und rund 189.000 Euro variabler Vergütung zusammen – das sind deutlich mehr als die zuletzt kolportierten 600.000 Euro Gehalt.
„Ich muss mich selber korrigieren, vor einigen Monaten habe ich behauptet, dass EVN-Manager unglaubliche 600.000 Euro Jahresgage beziehen.Tatsächlich ist es noch viel mehr Geld. Manche EVN-Manager beziehen über 700.000 Euro Jahresgage. Das wollen wir ändern. Ich fordere: Geben wir die EVN-Übergewinne endlich der eigenen Bevölkerung zurück“, fordert SPÖ-Landeschef Hergovich in einem Videostatement.
Der SPÖ-Landeschef erneuert die Forderung nach einem klaren Kurswechsel in Niederösterreichs Energiepolitik: “Energie ist Grundversorgung. Wer Verantwortung trägt, muss dafür sorgen, dass Niederösterreich nicht dauerhaft zu den teuersten Regionen gehört. Unser Anspruch ist klar: Leistbare Energiepreise – sofort!“









