Niederösterreichs Haushalte verbrauchen bundesweit am meisten Energie. Während viele Haushalte unter hohen Stromrechnungen leiden, profitiert der Landesenergieversorger EVN gleich doppelt von der Energiekrise: durch steigende Strompreise und hohe Dividenden aus der Beteiligung am staatlichen Stromkonzern Verbund. Damit zählt die EVN zu den großen Gewinnern der Krise.
Verbund: EVN profitiert von Rekordgewinnen
Der Verbund ist Österreichs größter Energieproduzent und betreibt vor allem große Wasserkraftwerke. Die Produktionskosten von Strom aus Wasserkraft sind im Gegensatz zu Gas- oder Kohlekraftwerken aber kaum gestiegen. Während sich die Marktpreise für Strom vervielfacht haben, blieben die Erzeugungskosten niedrig. Der Verbund wurde damit zu einem der größten Krisengewinner der Energiekrise.
Der Verbund gehört mehrheitlich der öffentlichen Hand: Der Bund hält 51 Prozent der Anteile, Wien Energie und die EVN jeweils rund 12,6 Prozent. Der Tiroler Landesenergieversorger TIWAG hält etwa 5 Prozent, der Rest ist Streubesitz. Die EVN profitiert über ihre Beteiligung somit direkt von den Rekordgewinnen des Verbunds.
Denn in den Jahren 2024 und 2025 schüttete der Verbund neben der regulären Dividende zusätzlich Sonderdividenden aus. Dadurch vervielfachten sich die Einnahmen der EVN. Vor der Energiekrise lag die jährliche Dividende im Durchschnitt bei rund 26,5 Millionen Euro. In den drei Jahren danach war sie teilweise bis zu sechsmal so hoch.
EVN: Übergewinne statt Entlastung
Inzwischen macht die Verbund-Dividende bis zu ein Viertel des gesamten Gewinns der EVN aus. Parallel dazu erzielte der niederösterreichische Landesenergieversorger massive Übergewinne durch die europaweit gestiegenen Energiepreise. Anstatt als mehrheitlich staatliches Unternehmen für stabile und leistbare Energiepreise zu sorgen, passte die EVN ihre Tarife an das hohe Marktniveau an. Dadurch profitierte das Unternehmen von enormen Preissteigerungen. Aktuell bietet der Landesenergieversorger (Stand Jänner 2026) mit 1.169 € pro Jahr bei durchschnittlichem Stromverbrauch den viertschlechtesten Stromtarif an.
Die Übergewinne der EVN hätten auch dazu genutzt werden können, die Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher zu entlasten: etwa durch Rückzahlungen, Tarifsenkungen oder dauerhafte Preisdeckel. Stattdessen werden die Gewinne überwiegend an staatliche und private Aktionäre ausgeschüttet oder in den Netzausbau investiert.
Zwar sind Investitionen in die Netzinfrastruktur grundsätzlich sinnvoll, doch die Realität zeigt: Die Netzbetreiber holen sich diese Ausgaben über steigende Netzkosten wieder zurück. Der Netzausbau wird also nicht „gratis“ finanziert, sondern letztlich von den Kunden bezahlt.
Übergewinne auf Kosten der Bevölkerung
Als Niederösterreichs zentraler Energieversorger ist die EVN zu 51 Prozent im Eigentum des Landes. Rund ein Viertel gehört der Stadt Wien, das restliche Viertel ist Streubesitz, also auf viele private Aktionäre verteilt.
Als mehrheitlich landeseigenes Unternehmen sollte die EVN vorrangig leistbare Energiepreise für die Bevölkerung sichern. Stattdessen orientiert sie sich am hohen Marktniveau, erhebt teure Tarife und erzielt millionenschwere Dividendenzahlungen aus kostengünstiger Wasserkraft.
Kontroll-Landesrat Sven Hergovich findet dazu klare Worte:
„Landeshauptfrau Mikl-Leitner hat die hohen Energiepreise im Land drei Jahre lang ignoriert. Mehr als eine Milliarde Euro an Übergewinnen sind von den EVN-Kunden so bezahlt worden. Das hat die Haushalte sehr viel Geld gekostet, die Inflation angetrieben und dem Wirtschaftsstandort massiv geschadet und tut es jeden Tag weiter. In all den drei Jahren wurde das von Mikl-Leitner und Landbauer völlig ignoriert. Man hat die Preise explodieren, die Inflation steigen und die EVN kräftigst verdienen lassen.”
Die SPÖ NÖ hatte zuvor bereits einen entsprechenden Maßnahmenkatalog vorgelegt und eine Satzungsänderung im “Niederösterreich-Plan” gefordert, um die EVN zum Gemeinwohl zu verpflichten. Tatsächlich wurde diese Forderung von der Bundesregierung umgesetzt. Besonders zynisch findet Hergovich Mikl-Leitners plötzliche Forderung nach EVN-Preissenkungen: „Gerade so, als hätte sie nichts damit zu tun und wäre nicht als Eigentümervertreterin verantwortlich für die hohen Preise“.
„Genau das ist jene Forderung, die wir als SPÖ NÖ seit Beginn der Teuerungskrise konsequent erhoben haben – und die die schwarz-blauen Mehrheitseigentümer Mikl-Leitner und Landbauer seit ebenso langer Zeit umsetzen und so Haushalte und Betriebe entlasten hätten können“, betont der SPÖ-Landeschef. Die schwarz-blaue Landeskoalition in Niederösterreich habe jederzeit die Möglichkeit, über Eigentümerstrategie, Beteiligungspolitik und Zielvorgaben aktiv einzugreifen und die Leistbarkeit für die Menschen in den Mittelpunkt zu stellen.
„Die Beteiligungen des Landes und deren Möglichkeiten müssen wir endlich nützen. Ziel muss sein, das Leben der Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher wieder spürbar leistbarer zu machen – nicht nur in Sonntagsreden, sondern durch konkrete Eigentümerentscheidungen“, so Hergovich.
Nun wurde der politische Druck offenbar zu groß: Die EVN kündigte Preissenkungen ab April 2026 an. Für die SPÖ kommt das zu spät: „Die vielen Haushalte, die mit Strom heizen, werden nun also noch die ganze Heizperiode grotesk hohe Preise bezahlen müssen.“








