Das geplante Ende des Ardo-Werks in Groß-Enzersdorf betrifft 187 Beschäftigte, dazu kommen rund 50 Leiharbeitskräfte und zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe. Gleichzeitig verschärft sich die Lage am niederösterreichischen Arbeitsmarkt: Im September waren um 7,7 Prozent mehr Menschen arbeitslos gemeldet als noch ein Jahr zuvor. Neben den Arbeitsplätzen steht mit der Schließung auch ein wichtiger Teil der Tiefkühlgemüseproduktion im Marchfeld vor einer ungewissen Zukunft.
187 Jobs vor dem Aus: Ardo schließt Werk in Groß-Enzersdorf
Am 24. September kündigte der Tiefkühlgemüseproduzent Ardo Austria Frost GmbH an, sein Werk in Groß-Enzersdorf im Bezirk Gänserndorf schrittweise zu schließen. Bis Dezember 2026 soll die Gemüseproduktion noch weiterlaufen. Danach will das Unternehmen die Produktionslinien nach und nach stilllegen und das Gebäude entkernen. Die Anlagen sollen an andere Ardo-Standorte in Europa übersiedeln. Dadurch schließt das Unternehmen auch eine Weiterführung des Werks durch einen neuen Eigentümer aus.
Von der Entscheidung sind vor allem die Beschäftigten betroffen. Derzeit arbeiten 194 Menschen am Standort. 187 von ihnen sollen ihren Arbeitsplatz verlieren. Sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Vertrieb und Vertriebsinnendienst sollen für Ardo weiterarbeiten. Dazu kommen rund 50 saisonale Leiharbeitskräfte, deren Jobs ebenfalls betroffen sind.
Ardo nennt wirtschaftliche Gründe für Schließung
Der Standort besteht seit 1965 und gehört seit 2008 zu Ardo. Als Grund für das Aus nennt das Unternehmen vor allem den hohen Modernisierungsbedarf. Mehr als 100 Millionen Euro wären laut Ardo notwendig, um das Werk zu erneuern. Hinzu kommen nach Angaben des Unternehmens wirtschaftliche Nachteile durch die Entfernung zu wichtigen Absatzmärkten in Westeuropa und die Konkurrenz durch günstigere Produktionsstandorte in Mittel- und Osteuropa. Für den vergleichsweise kleinen österreichischen Markt rechne sich eine Investition in dieser Größenordnung nicht.
Zuwachs um 7,7 Prozent: Arbeitslosigkeit in Niederösterreich steigt deutlich
Die Ardo-Schließung fällt in eine Phase, in der sich die Situation am niederösterreichischen Arbeitsmarkt ohnehin weiter verschärft. Ende September waren 46.163 Menschen beim AMS Niederösterreich arbeitslos gemeldet. Gegenüber September 2025 entspricht das einem Anstieg um 3.289 Personen beziehungsweise 7,7 Prozent. Österreichweit nahm die Arbeitslosigkeit im selben Zeitraum um 2,5 Prozent zu.
Rechnet man Personen in Schulungen hinzu, waren in Niederösterreich zuletzt 56.613 Menschen auf Jobsuche. Auch hier zeigt die Entwicklung nach oben: Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl um 6,8 Prozent. Die Arbeitslosenquote lag Ende September bei 6,5 Prozent.
Gleichzeitig gibt es weniger offene Stellen. Ende September waren beim AMS Niederösterreich 12.666 freie Arbeitsplätze gemeldet, um 3,4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Auch die Zahl der offenen Lehrstellen sank um 2,3 Prozent. Damit müssen sich die von der Ardo-Schließung betroffenen Beschäftigten auf einem Arbeitsmarkt neu orientieren, auf dem derzeit mehr Menschen einen Job suchen und weniger freie Stellen gemeldet sind.
Rund 500 landwirtschaftliche Betriebe betroffen
Das Ende des Werks betrifft nicht nur dessen Belegschaft. Ardo verarbeitet in Groß-Enzersdorf einen erheblichen Teil des Tiefkühlgemüses aus dem Marchfeld. Rund 500 Betriebe gehören der Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG) an, die Ardo als Hauptkunden beliefert. Auf etwa 3.300 Hektar bauen die Landwirte unter anderem Erbsen, Spinat, Karotten, Gemüsesoja, Bohnen, Kürbis und Kräuter für die Verarbeitung an.
Auch die Liefermengen zeigen die wirtschaftliche Bedeutung des Werks. 2025 gingen rund 40.000 Tonnen Rohware mit einem Warenwert von etwa 18,5 Millionen Euro an Ardo. Das Unternehmen selbst gibt an, im vergangenen Jahr Ware von rund 270 landwirtschaftlichen Betrieben verarbeitet zu haben. Die ETG zählt insgesamt rund 500 Mitgliedsbetriebe.
Für die Gemüsebauern stellt sich deshalb die Frage, wo ihre Ernte künftig verarbeitet werden kann. Besonders bei empfindlichen Produkten sind weite Transportwege mit zusätzlichen Kosten und logistischen Schwierigkeiten verbunden. Die Landwirtschaftskammer warnt daher davor, dass die Schließung langfristig auch den Anbau von Tiefkühlgemüse im Marchfeld zurückdrängen könnte.
Krisengipfel bringt vorerst keine Lösung
Am 30. September kamen Vertreter von Bund, Land, Landwirtschaft und Ardo im Landwirtschaftsministerium zusammen. An dem Gespräch nahmen Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig, Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf, Landwirtschaftskammer-Vizepräsident Lorenz Mayr sowie Vertreter der Ardo-Konzernführung teil. Eine konkrete Lösung brachte das Treffen vorerst nicht. Bund und Land boten Unterstützung an, um den Standort zu erhalten. Über mögliche Modelle oder weitere Schritte machten die Beteiligten jedoch keine Angaben. Auch Ardo veröffentlichte keine Details und verwies auf vereinbartes Stillschweigen über den Inhalt des Gesprächs.
Sozialplan und Arbeitsstiftung gefordert
Während die Zukunft des Standorts offen bleibt, laufen Gespräche über die Unterstützung der Beschäftigten. Ardo hat einen Sozialplan angekündigt. Die Gewerkschaft PRO-GE fordert zusätzlich eine Arbeitsstiftung, um Betroffene beim Wechsel in neue Beschäftigungsverhältnisse zu unterstützen.
Auch die SPÖ Niederösterreich drängt auf rasche Maßnahmen für die Beschäftigten. SPÖ-Klubobmann und Bezirksvorsteher Rene Zonschits sowie SPÖ-Landesparteivorsitzender und Kontroll-Landesrat Sven Hergovich sehen dabei vor allem das Land in der Pflicht. Gemeinsam mit dem AMS und Sozialpartnern sollen frühzeitig Angebote für Qualifizierung, Vermittlung und weitere Unterstützung vorbereitet werden. Zudem fordern die beiden, bei Bedarf eine Arbeitsstiftung oder vergleichbare Maßnahmen zu prüfen.







