Die militärische Eskalation rund um den Iran und die anhaltenden Konflikte im Nahen Osten führen weltweit zu steigenden Energiepreisen. Auch in Österreich blicken viele Menschen mit Sorge auf mögliche Auswirkungen auf Heizöl, Treibstoff und Strompreise. Obwohl Energieunternehmen wie Verbund und EVN an ihren angekündigten Strompreissenkungen festhalten, warnen Expertinnen und Experten vor einer neuen Teuerungswelle. Sie fordern rasche Maßnahmen gegen steigende Strom-, Gas- und Benzinpreise.
Energiepreise weltweit unter Druck
Die militärische Eskalation rund um den Iran-Konflikt sorgt auf den internationalen Energiemärkten für neue Unsicherheit. Die Finanzmärkte reagieren sensibel auf die geopolitischen Spannungen in der rohstoffreichen Region, die als eines der wichtigsten Fördergebiete für Erdöl gilt. Schon wenige Tage nach den ersten militärischen Angriffen Israels und der USA sind die Preise für Öl und Gas deutlich gestiegen. Auch Strompreise auf den Großhandelsmärkten reagierten zuletzt mit einem Plus von rund 15 Prozent.
Straße von Hormus als Schlüsselroute
Besonders im Fokus steht die Straße von Hormus. Die Meerenge zwischen dem Iran und Oman gehört zu den wichtigsten Transportwegen für Energie weltweit. Rund 20 Prozent des global gehandelten Rohöls werden über diese Route verschifft.
Blockaden und militärische Spannungen in der Straße von Hormus lösten in der Vergangenheit stets rasche Reaktionen auf den Energiemärkten aus. Händler rechnen mit möglichen Lieferengpässen – und die Preise steigen.

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EVN hält an Strompreissenkung fest
Trotz der angespannten Lage auf den internationalen Energiemärkten bleibt die EVN vorerst bei ihrer geplanten Strompreissenkung. Der neue Tarif soll ab April starten. Durchschnittlich soll der Strompreis dann bei rund 10 Cent pro Kilowattstunde netto liegen. Auch der Energiekonzern Verbund hat seinen Strompreis bereits seit März auf rund 9,5 Cent pro Kilowattstunde gesenkt. Die Unternehmen betonen jedoch, dass diese Preise nur für das jeweilige Vertragsjahr gelten. Wie sich die Energiemärkte danach entwickeln, lässt sich derzeit schwer vorhersagen.
Erneuerbare Energie würden unabhängiger machen
Die Krise legt eine Schwäche des europäischen Energiesystems offen: Sie zeigt, wie stark die Energiemärkte noch immer von internationalen Konflikten abhängen. Steigen die Preise für Öl oder Gas, wirkt sich das schnell auch auf heimischen Strompreise aus. Fachleute sehen deshalb den Ausbau erneuerbarer Energien als wichtigen Schritt, um unabhängiger zu werden. Strom aus Windkraft oder Wasserkraft wird in Österreich produziert und ist nicht von internationalen Rohstofflieferungen abhängig. Je mehr Strom aus erneuerbaren Quellen kommt, desto weniger wirken sich geopolitische Krisen auf die Energiepreise aus. Expertinnen und Experten betonen daher die langfristige Bedeutung des Ausbaus erneuerbarer Energien, um Preisschwankungen auf den internationalen Märkten abzufedern.
SPÖ fordert Eingriff in Strompreis-System
Auch die SPÖ Niederösterreich sieht angesichts der aktuellen Entwicklung politischen Handlungsbedarf. Landesparteichef Sven Hergovich fordert von der Bundesregierung, das sogenannte Merit-Order-Prinzip auszusetzen. Dieses System bestimmt den Strompreis in Europa. Der Preis richtet sich dabei nach dem teuersten Kraftwerk, das gerade zur Stromproduktion benötigt wird – meist ein Gaskraftwerk. Das hat zur Folge, dass auch günstiger Strom aus Wasserkraft oder erneuerbaren Energien teurer wird, sobald Gaspreise steigen.
Merit Order: Die Merit Order ist das zentrale Prinzip der Strompreisbildung am Strommarkt. Kraftwerke werden nach ihren Grenzkosten – also den variablen Kosten pro Megawattstunde – in eine Einsatzreihenfolge gebracht. Zuerst werden die günstigsten Anlagen (vor allem erneuerbare) voll ausgelastet, teurere Anlagen folgen, bis die Nachfrage gedeckt ist. Der Preis des teuersten genutzten Kraftwerks bestimmt den Marktpreis für alle gelieferten Strommengen.
Zusätzlich zu den Vereinbarungen im Regierungsprogramm fordert die SPÖ nun, den vorgesehenen Energiepreis-Krisenmechanismus zu aktivieren. Dieser würde es ermöglichen, Strompreise vorübergehend bei maximal zehn Cent pro Kilowattstunde zu deckeln. Der Preisdeckel soll laut SPÖ dabei nicht von den Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern finanziert werden, sondern von den Energieunternehmen selbst.
Steigende Benzinpreise: Strengere Aufsicht erforderlich
SPÖ-Landesrat Sven Hergovich fordert außerdem eine stärkere Kontrolle der Benzinpreisentwicklung. Er fordert mehr Solidarität in der aktuellen Energiekrise:
“Dass Benzin mancherorts schon teurer wird, obwohl das jetzt vertankte Öl lange vor der Krise eingekauft wurde, zeigt die unverschämte Gier mancher.”
Die Politik müsse verhindern, dass Unternehmen internationale Krisen zu Profitzwecken ausschlachten. Eine Verschärfung des Kartellrechts nach deutschem Vorbild könnte für mehr Kontrolle sorgen und damit auch an den Zapfsäulen spürbare Entlastung bringen. Auch in anderen Bereichen, etwa im Lebensmittelhandel, fordert die SPÖ mehr Regulierung und Durchgriffsrechte.
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