Mit einem Online-„Teuerungszähler“ will die SPÖ Niederösterreich sichtbar machen, welche Mehrkosten durch die verzögerte Strompreissenkung der EVN entstehen. Die Partei spricht von einer vermeidbaren Belastung für Haushalte und Betriebe und richtet scharfe Kritik an Energieversorger und Landesregierung.
Verzögerte Strompreissenkung: Kritik an EVN wächst
Die Frage nach leistbarer Energie ist in Niederösterreich beschäftigt Haushalte und Wirtschaft ebenso wie die Politik. Bei einer Pressekonferenz in St. Pölten präsentierte SPÖ-Landesvorsitzender und Kontroll-Landesrat Sven Hergovich den sogenannten „EVN-Teuerungszähler“. Das digitale Tool soll in Echtzeit veranschaulichen, welche zusätzlichen Kosten entstehen, weil die angekündigte Strompreissenkung des Landesenergieversorgers erst im April wirksam wird.
Hergovich sprach von einer „unnötigen Verzögerung zulasten der Bevölkerung“ und betonte, dass Strom „ein Grundbedarf und keine Luxusware“ sei. Gerade in den Wintermonaten, wenn der Energieverbrauch vieler Haushalte am höchsten sei, bleibe eine Entlastung aus – ein Umstand, den die SPÖ als sozialpolitisch problematisch einstuft.
Teuerungszähler zeigt: Millionenbelastung durch spätere Preissenkung
Nach den bei der Präsentation vorgestellten Berechnungen summieren sich die Mehrkosten für niederösterreichische Kundinnen und Kunden bis Anfang April auf rund 40 Millionen Euro. Der Zähler soll laut SPÖ nicht nur symbolisch wirken, sondern verdeutlichen, wie sich kleine Beträge über Wochen hinweg zu erheblichen Summen entwickeln können.
Die Partei argumentiert, dass die EVN über ausreichenden wirtschaftlichen Spielraum verfüge, um Preisanpassungen früher weiterzugeben. Stattdessen würden Gewinne und Dividenden im Vordergrund stehen, während viele Haushalte weiterhin hohe Rechnungen tragen müssten.
Wachsende Kritik an EVN und schwarz-blauer Landesregierung
Besonders scharf fällt die Kritik der Sozialdemokratie an der Eigentümerstruktur aus. Das Land Niederösterreich ist Mehrheitseigentümer der EVN. Aus Sicht der SPÖ gehe damit auch politische Verantwortung einher.
„Das ist kein Naturgesetz und kein technisches Problem, sondern politisches Wegschauen“, erklärte Hergovich.
Die Partei wirft der Landesregierung vor, vorhandene Steuerungsmöglichkeiten nicht zu nutzen und damit eine frühere Entlastung der Bevölkerung zu versäumen. Während Vertreter der Regierungsparteien auf vertragliche Fristen und marktübliche Tarifzyklen verweisen, sieht die SPÖ darin vor allem eine Frage des politischen Willens. Die Energiepreise seien längst nicht mehr nur ein wirtschaftliches Thema, sondern berührten direkt die soziale Realität vieler Menschen.
Beispielrechnungen aus dem Haushaltsalltag
Um die Auswirkungen greifbarer zu machen, präsentierte die SPÖ auch konkrete Modellrechnungen. Ein Pensionisten-Paar mit durchschnittlichem Stromverbrauch könnte demnach in den ersten drei Monaten des Jahres rund 50 Euro sparen, würde die Preissenkung früher greifen. Bei einer vierköpfigen Familie mit Wärmepumpe läge das mögliche Entlastungspotenzial laut diesen Annahmen sogar bei rund 180 Euro.
„Ein Landesunternehmen muss zuerst an leistbare Energie für die Menschen denken – nicht an hohe Dividenden für Aktionäre“, so Hergovich.
Gerade für Familien, Pensionistinnen und Pensionisten sowie kleinere Betriebe seien die Stromkosten mittlerweile ein spürbarer Budgetfaktor geworden.
Energiepolitik entscheidet über soziale Gerechtigkeit
Die SPÖ verbindet ihre Kritik mit einer klaren energiepolitischen Forderung nach rascher Entlastung und mehr Transparenz. Preissenkungen müssten ebenso schnell weitergegeben werden wie Preiserhöhungen, zudem brauche es eine nachvollziehbare Preisbildung und die Rückgabe sogenannter Übergewinne an die Kundinnen und Kunden.
Aus Sicht der Sozialdemokratie gehe es nicht um parteipolitische Symbolik, sondern um konkrete Auswirkungen auf den Alltag vieler Menschen. Mit dem „Teuerungszähler“ wolle man sichtbar machen, wie stark selbst kleine Verzögerungen die Budgets belasten können. Die SPÖ kündigt an, den Druck auf Landesregierung und Energieversorger weiter zu erhöhen, bis Entlastungen tatsächlich bei der Bevölkerung ankommen. Ziel sei eine Energiepolitik, die nicht Gewinne für die Aktionäre, sondern die finanzielle Realität der Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher in den Vordergrund stellt.
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