Die EVN senkt die Strompreise ab April und spricht von einer Entlastung für die Haushalte. Doch ein genauer Blick zeigt: Der neue Tarif hat mehrere Einschränkungen und kommt ausgerechnet in einer Phase, in der die Energiepreise wieder steigen könnten. Andere Modelle – etwa ein Fixtarif – würden Haushalten nicht nur stärkere, sondern vor allem berechenbare Entlastung ermöglichen.
Preisversprechen mit Einschränkungen
Die EVN betont, dass sie mit dem neuen Angebot ihr Versprechen halte, die Preise zu senken. Tatsächlich wird Strom etwas günstiger als bisher. Der Nettopreis für Strom soll ab April 10,5 Cent netto pro Kilowattstunde kosten. Größere Einsparungen soll ein zusätzliches “Sonnenfenster” ermöglichen. Der Haken: Dieser günstigere Tarif (6,9 Cent netto pro kWh) gilt nur von April bis September. Und auch dann nur zwischen 10 und 16 Uhr, also, wenn berufstätige Menschen nicht zuhause sind. Damit fällt die tatsächliche Ersparnis für viele deutlich geringer aus als angekündigt. Außerdem basiert der Tarif auf dem aktuellen Marktpreis. Steigen die Großhandelspreise wieder, kann auch der Strompreis erneut steigen. Und: Das Angebot ist auf ein Jahr befristet. Interessentinnen und Interessenten müssen den Tarifwechsel zudem selbst veranlassen.
Grundgebühr steigt dauerhaft
Während die EVN mit günstigeren Strompreisen pro Kilowattstunde wirbt, wird ein weiteres Detail erst beim Blick in die Tarifdetails sichtbar. Zwar wird der Strompreis mit dem neuen Tarif pro Kilowattstunde günstiger, doch dafür steigt die Grundgebühr von 72,00 auf 86,40 Euro – also um 14,40 Euro. Diese Erhöhung bleibt dauerhaft bestehen und mindert die Entlastung beim Arbeitspreis erheblich.
Unsichere Märkte: Iran-Konflikt treibt die Preise an
Die Lage am Energiemarkt ist derzeit alles andere als stabil. Hintergrund ist die anhaltende Eskalation rund um den Iran, vor allem die Blockade in der Straße von Hormus, einer der weltweit wichtigsten Transportwege für Öl und Gas. Ein erheblicher Teil der globalen Energieversorgung wird durch diese Meerenge zwischen Iran und Oman transportiert. Kommt es dort zu Konflikten , Blockaden oder Einschränkungen, hat das unmittelbare Auswirkungen auf die internationalen Märkte.
Genau das ist derzeit zu beobachten: Bereits die Unsicherheit über mögliche Störungen reicht aus, um die Preise ansteigen zu lassen. In Europa haben die Gaspreise zuletzt deutlich angezogen, weil Händler befürchten, dass weniger Energie verfügbar sein könnte. Da Gaskraftwerke in vielen Ländern zur Stromerzeugung beitragen, wirkt sich das auch direkt auf die Strompreise aus. Die Ökonomin Isabella Weber bringt in diesem Zusammenhang einen weiteren Aspekt ins Spiel und weist darauf hin, dass internationale Krisen regelmäßig dazu führen, dass Energieunternehmen höhere Gewinne erzielen, während Haushalte die steigenden Kosten tragen. Zwar sind diese Gewinne in Europa stärker reguliert als etwa in den USA, dennoch profitieren auch hier Konzerne von steigenden Preisen.
Für den neuen EVN-Tarif fällt diese Entwicklung genau in eine Phase, in der sich die Rahmenbedingungen gerade wieder verschieben. Während der Tarif als Entlastung vermarktet wird, ziehen die Preise auf den internationalen Energiemärkten bereits wieder an. Das Problem dabei: Der Tarif orientiert sich am aktuellen Marktpreisniveau. Wenn sich die Situation weiter zuspitzt, könnte sich das also relativ schnell auch im Strompreis niederschlagen. Die Entlastung steht damit von Anfang an unter Vorbehalt.
Mehr Sicherheit durch fixe Preise?
Als Alternative wird daher ein einfacheres Modell diskutiert: ein Fixtarif mit stabilen Preisen für alle Haushalte. Die Idee dahinter ist, Strom zu einem klaren, dauerhaft gültigen Preis anzubieten, ohne Abhängigkeit von kurzfristigen Marktschwankungen. Ein solcher Ansatz würde es Kundinnen und Kunden ermöglichen, ihre Energiekosten besser zu planen, ohne sich danach richten zu müssen, wann Strom gerade günstiger ist. Beim neuen EVN-Tarif fehlt genau diese Verlässlichkeit. Ein stabiler Tarif ist auch deshalb von Vorteil, weil er nicht nur den Stromverbrauch tagsüber begünstigt – also wenn viele Menschen nicht zuhause sind. Statt zeitlich begrenzter Vergünstigungen und komplizierter Bedingungen würde ein Fixtarif allen Haushalten gleichermaßen zugutekommen, unabhängig davon, wann sie Strom verbrauchen.
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