Die niederösterreichische Gemeinde Trumau dient als Vorbild für die Umsetzung von Energiegemeinschaften und versorgt Trumauerinnen und Trumauer mit günstigem, erneuerbaren Strom. Nun will die SPÖ dieses Erfolgsmodell auf Landesebene ausweiten. Vor dem Hintergrund aktueller internationaler Krisen, die den europäischen Energiemarkt beeinflussen, gewinnt das Thema zusätzlich an Bedeutung.
800 Haushalte in Traumau sind Mitglieder der regionalen Energiegemeinschaft
In der niederösterreichischen Gemeinde Trumau wurde 2024 auf Initiative des Bürgermeisters Andreas Kolross eine Energiegemeinschaft gegründet, die über kurze Zeit zu einer der größten Österreichs heranwuchs. Mittlerweile sind rund ein Drittel der Trumauerinnen und Trumauer an der Energiegemeinschaft beteiligt. Neben Privathaushalten sind auch die Feuerwehr sowie lokale Unternehmen aktive Mitglieder. Egal ob Familien, Vereine oder Betriebe: alle profitieren von einer Strompreisgarantie, die für die kommenden 20 Jahre einen Fixpreis von 12 Cent pro kWh verspricht. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind also unabhängig von Schwankungen der Netzbetreiber. Die Mitgliedschaft an der Trumauer Energiegemeinschaft ist bewusst niederschwellig organisiert. Es fällt lediglich ein einmaliger Genossenschaftsanteil von 10 Euro an und der Vertrag ist jederzeit kündbar. Dieses System ermöglicht einen einfachen Einstieg und schließt finanzielle Risiken für Mitglieder aus.
Energiegemeinschaften ermöglichen die Nutzung von erneuerbarer Energie aus der Nachbarschaft. Teilnehmerinnen und Teilnehmer speisen mit Photovoltaik-Anlagen Strom in die Gemeinschaft ein und machen ihn für andere Mitglieder nutzbar. Der grüne Strom bleibt in der Region und stärkt die heimische Wirtschaft und Gemeinschaft. Mehr zu Energiegemeinschaften, zur Gründung und zur Beteiligung gibt es hier.
Das Erfolgsmodell Trumau als Blaupause für ganz Niederösterreich
„Was in Trumau funktioniert, kann im ganzen Land funktionieren“, erklärt SPÖ-NÖ-Landesparteivorsitzender und Kontroll-Landesrat Sven Hergovich bei einer Pressekonferenz. Das Land Niederösterreich hat zwar bereits 1.700 Energiegemeinschaften, viele davon sind allerdings sehr klein. Wirksame und große Modelle wie das Vorzeigeprojekt Trumau bleiben in Niederösterreich nach wie vor die Ausnahme. Genau da will die SPÖ ansetzen und zeigen: „Wo sozialdemokratische Politik gestaltet, entstehen konkrete Lösungen.“ Die SPÖ will also neue sowie bestehende Energiegemeinschaften fördern und die Gemeinden bei der Umsetzung unterstützen. Außerdem sollten Landesenergieversorger wie die EVN stärker in diesen Prozess eingebunden und politisch gesteuert werden.
„Das Modell Trumau zeigt eindrucksvoll, dass Gemeinden aktiv Energiepolitik gestalten können – mit direktem Nutzen für die Menschen“,
sagt der Trumauer Bürgermeister und GemeindevertreterInnenverband-Präsident Andreas Kollross. Ihm ist es ein Anliegen, den Erfolg auf Landesebene auszuweiten.

Energiegemeinschaften in Zeiten großer Krisen von besonderer Bedeutung
Gerade jetzt zeigt sich, wie wichtig der Ausbau von Energiegemeinschaften ist. Das europäische Energiesystem ist stark von internationalen Krisen abhängig. Durch den eskalierenden Iran-Konflikt sind die Gaspreise in Europa kurzfristig um 25 % gestiegen. Obwohl der Iran-Krieg geografisch weit entfernt liegt, kann er sich massiv auf die Energierechnung von niederösterreichischen Haushalten und Betrieben auswirken. Zurückzuführen ist diese Verbindung auf das Merit-Order-Prinzip, wonach der Strompreis in Europa berechnet wird. Das teuerste Kraftwerk, das in den Einsatz kommt, steuert demnach den Strompreis. Zurzeit sind das meist die Gaskraftwerke. Günstigere Energiequellen, wie Windkraft, werden im Merit-Order-Prinzip zuerst verwendet, aber mit steigendem Energiebedarf werden zunehmend auch teurere Formen der Stromproduktion eingesetzt.
Die SPÖ NÖ fordert daher die Abschaffung der Merit-Order sowie einen Preisdeckel für Strom, Gas und Treibstoff. Durch die Abkapselung vom europäischen System werden regionale und lokale Energiegemeinschaften zentraler. Sie ermöglichen eine unabhängige und stabile Stromversorgung für die Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher. Davon profitieren nicht nur die Mitglieder, sondern auch die Umwelt und die heimische Wirtschaft.
Im Burgenland sind Energiegemeinschaften auf Landesebene bereits Realität
Im Burgenland setzt die Landespolitik auf eine stärkere regionale Nutzung von Energie: „Von Strom, der im Burgenland produziert wird, müssen die Burgenländerinnen und Burgenländer profitieren“, so Landeshauptmann Hans Peter Doskozil. Die Landesregierung hat deshalb die Gründung der landesweiten Energiegemeinschaft „Fanclub Burgenland Energieunabhängig“ unterstützt. Diese neue Energiegemeinschaft hat große Ziele: bis 2030 soll das Burgenland zu einer der ersten klimaneutralen und energieunabhängigen Regionen der Welt werden. Ende 2025 seien bereits 40.000 Menschen, 200 Unternehmen und 40 Gemeinden Teil des Fanclubs gewesen sein – Tendenz steigend. Das Burgenland hat es also erfolgreich geschafft, Energiegemeinschaften auf Landesebene zu skalieren. Ein Ziel, das sich auch die SPÖ Niederösterreich gesetzt hat.
Energiegemeinschaften als Zukunft Niederösterreichs
SPÖ-NÖ-Landesparteivorsitzender Sven Hergovich betont:
„Energiepreise sind politisch gestaltbar – und sie müssen auch gestaltet werden“.
Diese politische Verantwortung muss vor allem jetzt wahrgenommen werden, wo sich eine erneute Energiekrise am Horizont abzeichnet und die Inflation die Wirtschaft ins Schwanken bringt. Abschließend meinten Hergovich und Kollross
„Energie ist Daseinsvorsorge. Es kann nicht sein, dass Preise von internationalen Krisen getrieben werden, während wir vor Ort längst funktionierende Lösungen haben.“
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