Das Jugendzentrum Don Bosco in Amstetten steht vor dem Aus, nachdem das Land Niederösterreich die Förderung gestrichen hat. FPÖ-Landesrat Martin Antauer begründet das auch mit Kritik an LGBTIQ+-Workshops. Der Fall wirft eine größere Frage auf: Warum nimmt die Ablehnung von geschlechtergerechter Sprache und identitätspolitischen Initiativen einen derart zentralen Stellenwert in der politischen Agenda der FPÖ ein?
Jugendzentrum Don Bosco steht auf dem Spiel
Seit rund 60 Jahren gibt es das Jugendzentrum Don Bosco in Amstetten. Es bietet Jugendlichen Freizeitangebote und Unterstützung im Alltag. Es ist außerdem ein wichtiger Faktor bei der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. Das Jugendzentrum richtet sich vor allem an junge Menschen, die sonst nur wenig Angebote haben. Neben Freizeitmöglichkeiten bietet das Jugendzentrum Don Bosco auch Unterstützung bei privaten Problemen, während der Ausbildung oder im Alltag. Gerade für Jugendliche mit Migrationshintergrund ist das Haus daher oft eine wichtige Anlaufstelle.
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Viele besuchen das Jugendheim regelmäßig, weil sie dort Betreuung, ein offenes Ohr und Sicherheit finden. Fällt dieses Angebot weg, fehlt in der Region ein wichtiger Teil der offenen Jugendarbeit. Bisher wurde die Einrichtung mit rund 50.000 Euro jährlich vom Land Niederösterreich gefördert. Da diese Förderung nun gestrichen wurde und die finanziellen Ressourcen nur noch bis Herbst reichen, ist die Zukunft des Jugendzentrums ungewiss.
FPÖ entzieht Förderung, widerspricht sich bei der Begründung
Die Begründung für den plötzlichen Förderstopp wirkt widersprüchlich. Zunächst hieß es aus dem Büro des zuständigen FPÖ-Landesrats Martin Antauer, dass die Entscheidung vor allem mit dem aktuellen Sparkurs der Gemeinde zusammenhängt. Gleichzeitig wurde die Arbeit des Jugendzentrums ausdrücklich gelobt.
Antauer hob zunächst die Bedeutung der Angebote hervor: Beratung für Jugendliche, Freizeitaktivitäten, Ausflüge oder spezielle Angebote wie ein Mädchencafé seien wertvoll und würden Werte wie Zusammenhalt und Orientierung vermitteln.
Kurz darauf änderte sich der Ton aber deutlich. Antauer begründete den Förderstopp in einer Presseaussendung auf einmal anders. Er kritisierte einzelne Veranstaltungen im Jugendzentrum, etwa einen LGBTIQ+-Workshop oder ein „Pride-Flaggen-Quiz“. Er bezeichnete die Angebote als „links-woken Wahnsinn“. Die Linie der FPÖ ist damit schwer nachvollziehbar: Zuerst wird die Arbeit des Jugendheims als wertvoll beschrieben, kurz darauf wird sie als Beispiel für „links-woke“ Politik verteufelt.
Pride-Parade für Landesrat Antauer eine „Provokation”
Besonders interessant ist dabei die Rolle von Martin Antauer selbst. Innerhalb der schwarz-blauen Landeskoalition in Niederösterreich verantwortet er als Landesrat die Bereiche Asyl und Integration. Dass nun einer Einrichtung die Finanzierung entzogen wird, die jahrelang wichtige Integrationsarbeit leistet, ist kein Zufall. Denn Antauer positioniert sich deutlich gegen Genderthemen und LGBTQ-Initiativen, die er als „ideologisch geprägt“ ablehnt. Die Pride-Parade in St. Pölten bezeichnete er beispielsweise öffentlich als „Zeichen der Dekadenz“ und „reine Provokation“.
FPÖ besessen vom „Gender-Gaga”
Der Konflikt passt in ein größeres Muster und ist nicht nur auf Niederösterreich beschränkt. Die FPÖ greift seit Jahren immer wieder Themen rund um geschlechtergerechte Sprache oder Identitätspolitik auf.
Auch im Parlament fallen entsprechende Schwerpunkte auf: Überraschend oft drehen sich die Reden und Anträge der FPÖ-Abgeordneten um Themen wie Gender, „Frühsexualisierung“ oder Kritik an LGBTIQ-Angeboten. Mit über 50 % der Anträge im Parlament, ist die FPÖ damit die Partei, die mit großem Abstand am meisten über das Gendern redet. Und auch über den Begriff “Wokeness” spricht niemand so viel davon, wie die Freiheitlichen. 61 von 72 Anfragen kamen hier von der FPÖ. Beobachter sehen darin eine bewusste Strategie. Themen wie Gender oder „Wokeness“ lösen starke Emotionen aus und dominieren schnell die Debatte, auch wenn es eigentlich um andere politische Fragen gehen könnte.
FPÖ vergleicht drittes Reich mit Pride Parade
Dass die Debatte rund um LGBTIQ+ in der FPÖ manchmal über das Ziel hinaus schießt, zeigt auch ein Fall aus Niederösterreich aus dem Jahr 2024.
Ein FPÖ-Funktionär aus dem Mostviertel teilte damals in seinem WhatsApp-Status eine Collage: Zu sehen waren Bilder einer Pride-Parade und der Hitlerjugend, dazu der Satz „Indoktriniere sie, solange sie jung sind“. Konsequenzen innerhalb der Partei gab es laut Medienberichten nicht. Ein Parteivertreter bezeichnete den Funktionär als „besorgten Familienvater“, das Posting sei „überspitzt formuliert“ gewesen.
Wie es jetzt weitergeht
Für das Jugendzentrum Don Bosco geht es jetzt ums Überleben. Ohne die Förderung fehlen der Einrichtung rund 50.000 Euro im Jahr.
Noch laufen Gespräche mit der Stadt Amstetten. Ob das reicht, um den Betrieb zu sichern, ist unklar. Für die Jugendlichen vor Ort ist die Lage aber schon jetzt konkret: Wenn das Jugendzentrum schließen muss, fällt ein Treffpunkt weg, den viele regelmäßig nutzen.







