Eine menschenverachtende Aussage eines Primararztes des Landesklinikum Horn hat nun weitreichende Konsequenzen: Laut mehreren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich an ein Lokalmedium wandten, soll der Arzt in einer Besprechung über eine übergewichtige Patientin gesagt haben: „Nur mehr Auschwitz würde hier helfen“. Während der Skandal auch außerhalb von Horn für Schlagzeilen sorgt, erschüttern neue Vorwürfe das Landesklinikum.
Entlassung bestätigt – Anzeige offen
Nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe wurde der Primar bereits am 5.Dezember vom Dienst suspendiert und am darauffolgenden Dienstag entlassen. Die Niederösterreichische Landesgesundheitsagentur bestätigte den Schritt und erklärte, dass derartige Äußerungen „im direkten Widerspruch zu den Grundwerten“ der Agentur stehen. Gleichzeitig betonte die LGA, dass für ein solches Verhalten im Landesklinikum kein Platz sei und der Vorfall entsprechende Konsequenzen nach sich ziehe. Die Entscheidung über eine Anzeige des Primars steht noch aus.
Bei der Arbeiterkammer Horn und der Landespolizeidirektion Niederösterreich liegen Berichten zufolge derzeit keine Anzeigen gegen den Arzt vor. Erst wenn eine Anzeige eingebracht wird, kann geprüft werden, ob strafrechtliche Folgen möglich sind. Im Landesklinikum Horn sorgt der Vorfall jedenfalls weiterhin für Unruhe.
“Klima der Angst”: Vorwürfe über vergiftetes Arbeitsklima
In einem anonymen Schreiben der Belegschaft, der den Fall ins Rollen brachte, schildern die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht nur die umstrittene Aussage des Primars, sondern berichteten auch über ein insgesamt problematisches und belastendes Arbeitsumfeld. Demnach soll der Führungsstil des Abteilungsleiters über längere Zeit hinweg von Wutausbrüchen und massivem Druck geprägt gewesen sein. Einige Pflegekräfte hätten Visiten nur noch widerwillig begleitet oder sich ihnen ganz entzogen, weil sie das Verhalten nicht mehr aushielten. Im Brief ist von einem „Klima der Angst“ die Rede, das die tägliche Arbeit erheblich erschwert habe.
Klinikum erhielt 2020 Bestnoten in Patientenbefragung
Noch vor wenigen Jahren galt das Landesklinikum Horn als Vorzeigehaus. In der großen Patientenbefragung 2020 erhielt das Klinikum gleich mehrere Auszeichnungen: Insgesamt wurde es als eines der drei bestbewerteten Häuser über 300 Betten geführt. Besonders die Gynäkologie, die Neurologie und die Augenheilkunde wurden von Patientinnen und Patienten hervorragend beurteilt. Die damalige Urkundenverleihung hob vor allem den engagierten Einsatz der mehr als 1.000 Beschäftigten hervor. Die für ihre hohe Versorgungsqualität gelobt wurden. Gerade vor diesem Hintergrund wirken die aktuellen Vorwürfe rund um die Unfallchirurgie besonders drastisch und werfen die Frage auf, wie es binnen weniger Jahre izu einem derart belastenden Arbeitsklima kommen konnte.
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