Die Babenberger prägten die Entwicklung Niederösterreichs über Jahrhunderte entscheidend. Mit dem Privilegium Minus von 1156, einer kaiserlichen Urkunde zur Erhebung der Ostmark zum Herzogtum, wurde die politische Grundlage des Landes nachhaltig verändert. Die Dynastie legte damit auch das Fundament für die spätere Herrschaft der Habsburger.
Ostarrichi und der Beginn der Babenberger-Ära
Nach dem Abzug der Römer 488 n. Chr. war das Gebiet um die Donau dünn besiedelt. Die Geschehnisse der darauf folgenden 300 Jahre wurden kaum dokumentiert. Verschiedene Siedler und Gruppen regierten abwechselnd für kurze Zeit, doch eine historisch gesicherte, langfristige Herrschaft blieb aus. Gegen Ende des 10. Jahrhunderts änderte sich das und eine neue Familie trat ans Licht: Die Babenberger. Verantwortlich dafür war Kaiser Otto II., der 976 den ersten Babenberger namens Leopold I. als Markgraf im heutigen Niederösterreich einsetzte.
Das besagte Gebiet wurde im Jahre 996 erstmals urkundlich unter dem Namen “Ostarrichi” erwähnt. Ostarrichi wurde geografisch durch den Wienerwald im Osten und der Enns im Westen abgegrenzt. Damals bestand Niederösterreich vorwiegend aus Waldgebieten. Um daraus ein legitimes Herrschaftsgebiet machen zu können, musste der Wald gerodet und Platz für die Bevölkerung geschaffen werden. Burgen, wie die Burg Gars, wurden als Befestigungsanlage erbaut. Klöster wiederum dienten dazu den eigenen Wirkungskreis auszuweiten und die Verbindung zu den Geistlichen zu stärken. Ein Beispiel dafür ist das Stift Melk: ursprünglich als Burg erbaut, wurde es später als Kloster umfunktioniert und diente den Babenbergern zeitweise als Resistenz.
Leopold III.: Heiliger und Landesfürst
Der wahrscheinlich berühmteste Babenberger war Leopold III. Er herrschte von 1095 bis 1136 und trug den Beinamen „Der Heilige“. Grund dafür war, dass er zahlreiche Klöster gegründet haben soll. Besonders erwähnenswert ist dabei Klosterneuburg. Einer Legende aus dem 14. Jahrhundert zufolge, standen Leopold III. und seine Frau Agnes an ihrem Hochzeitstag auf dem heutigen Leopoldplatz, als plötzlich eine starke Windböe aufkam und den Schleier der Braut in die Luft wirbelte und verwehte. Leopold schwor sich daraufhin: An der Stelle, wo er Agnes‘ Schleier finden sollte, wird er ein Kloster erbauen. Es sollte noch neun Jahre dauern, bis es dazu kam, dass Leopold den weißen, unversehrten Schleier während eines Jagdausfluges fand. Der Legende nach gilt dieser Moment als Geburtsstunde des Stifts Klosterneuburg.

Selbst nach seinem Tod prägte Leopold III. Niederösterreich nachhaltig. Sein Bild im Babenberger-Stammbaum inspirierte das niederösterreichische Wappen. 1485, drei Jahrhunderte nach seinem Tod, wurde er heiliggesprochen. Heute ehrt Niederösterreich seinen Landespatron am 15. November.
Von der Mark zum Herzogtum
Die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts war besonders ereignisreich für die Babenberger. 1156 erhob der römisch-deutsche König Friedrich Barbarossa Österreich von einer Mark zu einem Herzogtum. Eine Mark (lat. marchia) war im Mittelalter ein Grenzgebiet eines Reiches und eine strategisch wichtige Zone zur Verteidigung gegen äußere Feinde.
Diese Vereinbarung wurde im sogenannten „Privilegium Minus“, einer kaiserlichen Urkunde, festgeschrieben. Weitere wichtige Vereinbarungen darin waren, dass das Herzogtum nun auch an die Töchter der Babenberger vererbt werden konnte. Außerdem: Falls das herrschende Ehepaar keine Nachkommen hatte, stand es ihnen jetzt frei, einen neuen Nachfolger zu selbst zu bestimmen. Diese Errungenschaften stärkten die Herrschaft der Babenberger und prägten auch die nachfolgende Dynastie der Habsburger. In Fachkreisen wird das Privilegium Minus auch die „Geburtsurkunde der Selbständigkeit Österreichs“ genannt.
Nicht weniger relevant als das „Privilegium Minus“, war der Erbvertrag namens „Georgenberger Handfeste“. Abgeschlossen wurde er zwischen dem österreichischen Herzog Leopold V. und dem steirischen Herzog Otakar IV. – der 1192 kinderlos verstarb. Damit fiel die Steiermark an die Babenberger und das Herrschaftsgebiet verdoppelte sich beinahe. Leopold V. konnte in seiner Regentschaft noch weitere Erfolge erzielen: Durch die Gefangennahme und Auslieferung des Kreuzfahrers Richard Löwenherz erhielt Leopold eine hohe Summe an Lösegeld. Weil Geld in einem aufstrebenden Herrschaftsgebiet häufig knapp war, kam Leopold die Finanzspritze sehr gelegen. Er nutzte sie, um damit die Wiener Ringmauer zu erbauen und Wiener Neustadt zu gründen.

Friedrich der Streitbare und das Ende der Babenberger
Bis zum Ende des 12. Jahrhundert war es den Babenbergern gelungen, das Herrschaftsgebiet kontinuierlich auszudehnen und ihre Position innerhalb des Heiligen Römischen Reiches zu stärken. Mit dem Tod des kinderlosen Friedrich II. endete die Babenberger-Dynastie schließlich.
Friedrich II. hat seinem Beinamen „der Streitbare“ alle Ehre gemacht: Er führte Krieg gegen Bayern, Ungarn und Böhmen. Zusätzlich stritt er mit Friedrich II., dem mächtigen römisch-deutschen Kaiser, persönlich und war uneins mit dem Adel und den Geistlichen. Durch seine vielseitigen Feindschaften war es nur eine Frage der Zeit, bis ihn sein Schicksal einholen sollte. Im Jahr 1246 starb Friedrich II. kinderlos in der Schlacht an der Leitha, im heutigen Burgenland. Die Herrschaft der Babenberger ging somit nach 270 Jahren zu Ende.
Übrig blieb Margarethe, die Schwester von Friedrich II.. Sie wurde verheiratet mit Ottokar II. aus Böhmen, der in die Fußstapfen von Friedrich II. trat. Aber wie auch sein Vorgänger, konnte Ottokar II. sich nicht mit den Großen des Landes einigen und verfiel in Ungunst. 1276 schaffte es Rudolf I. von Habsburg, sich gegen Ottokar durchzusetzen – der Beginn einer neuen Ära für Österreich.
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