Lange Wartezeiten auf MRT-Termine sorgen in Niederösterreich seit Jahren für Frust bei Patientinnen und Patienten. Nun entfacht ein Bericht über private MRT-Untersuchungen an der Universitätsklinik Krems erneut eine Diskussion über Fairness im Gesundheitssystem. Während der Vorwurf einer möglichen Bevorzugung zahlungskräftiger Patientinnen und Patienten im Raum steht, verteidigen Radiologie und Landesgesundheitsagentur das bestehende Modell.
Bericht über private MRT-Termine an der Uniklinik
Auslöser der aktuellen Debatte ist ein Bericht der „Kronen Zeitung“. Darin wird berichtet, dass an der Universitätsklinik Krems MRT-Untersuchungen für Privatpatienten angeboten werden. Konkret soll ein Radiologe mit privater Ordination Räumlichkeiten und Geräte der Klinik nutzen, um Patientinnen und Patienten außerhalb des regulären Klinikbetriebs zu untersuchen.
Die Kritik entzündet sich vor allem an der Tatsache, dass dafür öffentlich finanzierte Infrastruktur verwendet wird. Während viele Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher wochen- oder monatelang auf einen MRT-Termin warten müssten, könnten Privatpatientinnen und Privatpatienten gegen Bezahlung offenbar schneller untersucht werden.
„Mehr-Klassen-System“ auf dem Prüfstand
Besonders deutlich äußerte sich SPÖ NÖ-Landesparteivorsitzender Sven Hergovich. In einem Facebook-Posting sprach er von einem „Mehr-Klassen-System“ im niederösterreichischen Gesundheitswesen. Öffentlich finanzierte Geräte dürften aus seiner Sicht nicht dafür genutzt werden, zahlungskräftigen Patientinnen und Patienten Vorteile zu verschaffen.
„Gesundheit darf keine Frage des Geldes sein“, schreibt Hergovich. Gleichzeitig fordert er mehr Kassenkapazitäten und kürzere Wartezeiten für alle Patientinnen und Patienten. Ziel müsse eine Gesundheitsversorgung sein, in der Menschen unabhängig von Einkommen oder Zusatzversicherung gleich behandelt würden.
Auch innerhalb der Bevölkerung trifft das Thema einen sensiblen Punkt. Viele Menschen berichten seit Jahren über Schwierigkeiten, zeitnahe Termine für MRT-Untersuchungen oder Facharztbesuche zu bekommen. Gerade deshalb sorgen Berichte über schnellere Privattermine regelmäßig für Kritik.
Radiologe weist Vorwürfe zurück
Der betroffene Radiologe weist die Vorwürfe laut „Krone“ zurück. Demnach handle es sich lediglich um einige wenige Nachmittage pro Monat. Die Untersuchungen würden außerdem außerhalb der regulären Betriebszeiten stattfinden. Akutpatientinnen und -patienten oder reguläre Kliniktermine seien dadurch nicht beeinträchtigt.
Laut Bericht bestehe zudem ein offizieller Kooperationsvertrag mit der Landesgesundheitsagentur. Privatpatientinnen und Privatpatienten müssten die Untersuchungen vollständig selbst bezahlen. Die Nutzung der Geräte erfolge also nicht kostenlos.
Auch die Landesgesundheitsagentur verteidigt das Modell. Kooperationen dieser Art seien grundsätzlich gesetzlich möglich, sofern ausreichende Kapazitäten vorhanden seien und der reguläre Klinikbetrieb nicht eingeschränkt werde.
Diskussion über Rolle privater Angebote
Die aktuelle Debatte zeigt erneut den schwierigen Balanceakt zwischen öffentlicher Gesundheitsversorgung und privaten Zusatzangeboten. Befürworter solcher Modelle argumentieren häufig, dass zusätzliche Privatleistungen Geld ins System bringen und vorhandene Infrastruktur besser genutzt werden könne, etwa außerhalb regulärer Betriebszeiten.
Kritiker sehen darin hingegen eine schleichende Entwicklung hin zu einer Zwei-Klassen-Medizin. Sie warnen davor, dass sich Unterschiede zwischen Kassen- und Privatpatienten weiter verstärken könnten, wenn zahlungskräftige Menschen schneller Zugang zu Untersuchungen erhalten.
Gerade in Niederösterreich ist das Thema Wartezeiten seit Jahren politisch präsent. Immer wieder wird über Engpässe bei Facharztterminen, Untersuchungen oder Operationen diskutiert. Besonders in ländlichen Regionen berichten Patientinnen und Patienten häufig von langen Wartezeiten oder weiten Anfahrtswegen.
Wartezeiten beschäftigen Patientinnen und Patienten
Die Gründe für lange MRT-Wartezeiten sind vielfältig. Experten verweisen regelmäßig auf steigende Patientenzahlen, Personalmangel im Gesundheitsbereich und begrenzte Kapazitäten bei Geräten und Fachpersonal. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach bildgebenden Untersuchungen kontinuierlich an.
Hinzu kommt, dass MRT-Untersuchungen vergleichsweise teuer sind und die Zahl der verfügbaren Termine daher begrenzt bleibt. In vielen Fällen versuchen Patientinnen und Patienten deshalb, über Wahlärztinnen oder Wahlärzte oder private Anbieter schneller einen Termin zu bekommen – sofern sie sich die Kosten leisten können.
Genau an diesem Punkt entzündet sich jedoch die politische Diskussion: Soll der Zugang zu schnellen Untersuchungen vom Einkommen abhängen oder muss das öffentliche System ausreichend Kapazitäten für alle bereitstellen?







