Der Japanische Staudenknöterich ist eine der hartnäckigsten invasiven Pflanzen in Niederösterreich. Er wächst schnell, bildet dichte Bestände und verdrängt heimische Arten. Für Gemeinden, Gartenbesitzer:innen und den Naturschutz ist er deshalb ein echtes Problem. Doch die Pflanze hat auch eine überraschende, kulinarische Seite: Die jungen Triebe sind essbar. Sie sehen grünem Spargel zum Verwechseln ähnlich, schmecken säuerlich und ähnlich wie Rhabarber. Deshalb wird der Japanische Staudenknöterich auch als „wilder Rhabarber“ oder „Waldspargel“ bezeichnet. Wir zeigen, wie die invasive Art in die Küche kommt, was es bei der Zubereitung zu beachten gilt und wo die Grenzen der „Bekämpfungsmethode“ liegen.
Aus Ostasien: Der Staudenknöterich breitet sich unaufhaltsam in Niederösterreich aus
Der Japanische Staudenknöterich stammt ursprünglich aus Ostasien. Speziell aus Japan, China und Korea. Nach Europa kam er als Zierpflanze. Heute wächst er vielerorts an Bachufern, Straßenrändern, Böschungen, Waldwegen oder auf Brachflächen. Auf den ersten Blick erinnert er mit seinen hohlen Stängeln ein wenig an Bambus.
Die Pflanze kann mehrere Meter hoch werden. Besonders problematisch sind aber nicht nur die sichtbaren Triebe, sondern vor allem die unterirdischen Rhizome. Das sind Sprossausläufer im Boden. Aus ihnen kann die Pflanze immer wieder neu austreiben. Wird Erde mit Wurzelstücken bewegt, kann sich der Staudenknöterich an neuen Orten ansiedeln.

Quelle: Wikimedia / Jaap Tamminga
Staudenknöterich verdrängt heimische Pflanzen
Der Japanische Staudenknöterich wächst sehr dicht. Wo er sich ausbreitet, bekommen andere Pflanzen kaum noch Licht und Platz. Dadurch können heimische Arten verdrängt werden. Das hat Folgen für Insekten und andere Tiere, die auf heimische Pflanzen angewiesen sind.
Besonders heikel ist die Pflanze an Gewässern. Dort kann sie Uferbereiche verändern und andere Pflanzen verdrängen, die den Boden stabilisieren. Gleichzeitig erschwert sie die Pflege von Böschungen und Uferflächen. Auch bei Bauarbeiten kann sie zum Problem werden, wenn Erde mit Pflanzenteilen weitertransportiert wird. Besonders betroffen ist aktuell die Gemeinde Sieghartskirchen im Bezirk Tulln. Rund um die Böschungen der Großen und Kleinen Tulln, zwei Nebenflüsse der Donau, breitet sich der Staudenknöterich unaufhaltsam aus.

Quelle: Unsplash
Essbare Jungtriebe im Frühjahr
Trotz all dieser Probleme hat der Japanische Staudenknöterich eine unerwartete Eigenschaft: Die jungen Triebe sind essbar. Am besten eignen sich frische, junge Stängel im Frühjahr, bevor sie zu groß und faserig werden. Die Triebe sollten aber geschält werden. Da sie sonst ähnlich wie Spargel holzig werden. Sie schmecken, säuerlich und erinnern an Rhabarber.
Wie Rotwein enthält der Japanische Staudenknöterich das antioxidativ wirkende Resveratrol. Es schützt Herz und Blutgefäße und stärkt das Immunsystem. Wichtig ist aber: Nur sammeln, wenn die Pflanze sicher bestimmt wurde. Außerdem sollte man nur die jungen Triebe abschneiden und keinesfalls im Boden graben. Sonst kann man die Pflanze unabsichtlich weiterverbreiten.
Aufgrund der im Staudenknöterich enthaltenen Oxalsäure sollte die Pflanze nicht in großen Mengen gegessen werden. Als unkonventionelle Zutat im Kompott ist sie aber völlig unbedenklich. Wer allerdings Probleme mit Nierensteinen, Gicht oder anderen rheumatischen Erkrankungen hat, sollte lieber vorsichtig sein und auf den Verzehr verzichten.
Rezept: Staudenknöterich-Apfel-Kompott
Für ein einfaches Kompott braucht man:
- 300 Gramm junge Staudenknöterich-Triebe
- 1 bis 2 Äpfel
- 2 bis 3 Esslöffel Zucker oder Honig
- etwas Vanillezucker oder Zimt
- einen kleinen Schuss Wasser oder Apfelsaft
Die jungen Triebe waschen, die Blätter entfernen und die Stängel in kleine Stücke schneiden. Die Äpfel ebenfalls klein schneiden. Alles gemeinsam mit Zucker, Gewürzen und einem Schuss Wasser oder Apfelsaft in einen Topf geben. Dann etwa 10 Minuten köcheln lassen, bis die Stücke weich sind.
Das Kompott passt zu Joghurt, Palatschinken, Kaiserschmarrn oder als Füllung für einen einfachen Crumble. Reste der Pflanze sollten nicht auf den Kompost, sondern sicher entsorgt werden.
Aufessen allein reicht nicht
Der Japanische Staudenknöterich kann mit der Gabel allein nicht völlig besiegt werden. Dafür ist die Pflanze zu hartnäckig, bereits zu weit verbreitet und zu gut angepasst. Aber jede Ernte, jedes Kompott und jeder Kuchen aus den jungen Trieben ist ein kleiner Beitrag zur Eindämmung der invasiven Arten in Niederösterreich.
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