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Kirschlorbeer, Staudenknöterich & Co.: Invasive Pflanzen breiten sich in NÖ aus

NÖ Aktuell Redaktion von NÖ Aktuell Redaktion
2. Juni 2026
in Regionales
Lesezeit: 4 min zum Lesen
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Eine Kirschlorbeerhecke bahnt sich ihren Weg durch einen Holzzaun.

Der als invasiv klassifizierte Kirschlorbeer wird in NÖ häufig als Sichtschutzhecke gepflanzt. Naturschützerinnen und Naturschützer warnen jedoch vor seiner Ausbreitung auch außerhalb heimischer Gärten.

Invasive Pflanzenarten breiten sich in Niederösterreich zunehmend aus. Sie sind in heimischen Gärten, an Straßenrändern oder auf Brachflächen zu finden und bereiten Naturschützerinnen und Naturschützern zunehmend Sorgen. Denn die robusten Arten verdrängen heimische Pflanzen und verändern ganze Lebensräume.

Invasive Pflanzen verdrängen heimische Arten

Laut Naturland Niederösterreich sind in Österreich rund 2.000 eingewanderte Arten bekannt. Rund 40 davon gelten als invasiv, also gebietsfremd und verursachen ökologische Schäden. In vielen Fällen werden diese Arten unbeabsichtigt durch den Menschen verbreitet. Inzwischen treten sie nicht nur in Gärten, sondern auch in natürlichen Lebensräumen auf. 

Viele dieser Pflanzen wachsen schnell, bilden dichte Bestände und verdrängen heimische Arten durch starke Konkurrenz um Licht, Wasser und Nährstoffe. Dadurch geraten heimische Pflanzen unter starken Konkurrenzdruck, sodass ihre Bestände zurückgehen oder lokal verdrängt werden können. Damit verbunden sind Folgen für ganze Ökosysteme, denn viele Insekten, Vögel und andere Tiere sind auf heimische Pflanzen als Nahrungsquelle oder Lebensraum angewiesen.

Der Klimawandel begünstigt die Ausbreitung vieler invasiver Arten zusätzlich, da höhere Temperaturen und veränderte Wetterbedingungen neue Lebensräume für Pflanzen aus wärmeren Regionen wie Ostasien, Südeuropa oder Australien schaffen, die früher in Österreich kaum überleben konnten.

Kirschlorbeer: Die beliebte Hecke wird zum Naturschutzproblem

Eine dieser invasiven Arten ist der Kirschlorbeer, der sich als immergrüne Heckenpflanze in unzähligen Gärten in Niederösterreich  findet. Aufgrund seines schnellen Wachstums und der dichten Blätter ist er eine der Pflanzen, die in Österreich besonders häufig als Sichtschutz verwendet wird.

Naturschutzorganisationen kritisieren jedoch, dass sich die Pflanze zunehmend außerhalb von Gärten ausbreitet. Vögel verbreiten die Samen, sodass der Kirschlorbeer zunehmend auch in Wäldern auftaucht und sich dort etabliert. Dort kann er heimische Pflanzen verdrängen und dazu beitragen, die Artenvielfalt zu verringern. Der bloße Bodenkontakt ist oft ausreichend, damit Zweige neue Wurzeln bilden und neue Triebe direkt neben der Mutterpflanze austreiben. Sogar durchschnittene Pflanzenteile können wieder anwachsen.

Der Naturschutzbund Österreich hat den Kirschlorbeer deshalb sogar zum „Alien des Jahres 2026“ gewählt. In der Schweiz sind Verkauf und Weitergabe der Pflanze bereits verboten. Auch in Österreich wird immer wieder über Einschränkungen diskutiert, ein Verbot gibt es derzeit jedoch nicht.

Die beliebte Kirschlorbeer Hecke richtet mehr Schaden für die Umwelt an, als gedacht.

Japanischer Staudenknöterich überwuchert ganze Flächen

Zwei Jahre zuvor wurde der Japanische Staudenknöterich zum “Alien des Jahres 2024” gewählt. Die ursprünglich aus Ostasien stammende und in Japan, Korea sowie Teilen Chinas heimische Pflanze bildet äußerst dichte Bestände. Außerdem kann sie andere Pflanzen nahezu vollständig verdrängen.

Mittlerweile ist der invasive Staudenknöterich bis nach Niederösterreich vorgedrungen und sorgt auch hier zunehmend für Probleme. In Sieghartskirchen breitet sich der Japanische Staudenknöterich derzeit massiv aus. Die zuständige Naturschutz-Landesrätin Susanne Rosenkranz (FPÖ) ist informiert, setzt aber auf eher zahnlose Maßnahmen, um die invasiven Arten einzudämmen. Dazu zählen Spaziergänge mit Bürgerinnen und Bürgern, die selbst Hand anlegen sollen, um den Japanischen Staudenknöterich auszureißen und schließlich zum Vertrocknen liegen zu lassen. Gleichzeitig betont Rosenkranz, das Problem „im Blick“ zu behalten. Info-Veranstaltungen rücken invasive Pflanzenarten zwar in den Fokus und zeigen Möglichkeiten zu ihrer Eindämmung auf, gleichzeitig schreitet aber auch die Ausbreitung der robusten Arten weiter voran. 

Kritikerinnen und Kritiker bezweifeln deshalb, dass diese Maßnahmen ausreichen. Da invasive Pflanzen bereits zur globalen Herausforderung werden, ist es fraglich, ob Spaziergänge und Freiwilligkeit das Problem langfristig lösen.

Der oft in Flussnähe wachsende Staudenknöterich kann ganze Böschungen übernehmen.

Eindämmen statt beseitigen: So geht Niederösterreich gegen invasive Arten vor

Zwar ist die Bekämpfung invasiver Pflanzen in Niederösterreich Teil des Naturschutzmanagements, allerdings bleibt die Strategie, wie bereits erwähnt, weitgehend freiwillig. Das Land dokumentiert die Ausbreitung problematischer Arten, beobachtet wachsende Mengen invasiver Neophyten und setzt vor allem auf Informationskampagnen und Beratung. Bei bereits weit verbreiteten invasiven Arten scheinen die Maßnahmen ausgeschöpft. Denn die vollständige Beseitigung ist ausdrücklich nicht als Ziel festgelegt. Stattdessen will das Land vor allem die weitere Ausbreitung verhindern. Gleichzeitig ist das Ausbringen invasiver Pflanzenarten in die freie Natur laut NÖ Naturschutzgesetz verboten.

Geldstrafen bis zu 14.500 Euro möglich

Wer invasive, gebietsfremde Pflanzenarten in der freien Natur einsetzt oder sich bewusst an ihrer Ausbreitung beteiligt, macht sich in Niederösterreich strafbar. Wer gegen das NÖ Naturschutzgesetz verstößt, muss mit Geldstrafen von bis zu 14.500 Euro rechnen.

Alle invasiven Pflanzen im Überblick

Pflanze Herkunft
Weidenblatt-Akazie Australien
Götterbaum China
Alligatorkraut Südamerika
Blaustängelige Besensegge Kanada/Usa
Gewöhnliche Seidenpflanze Kanada/Usa
Ballonrebe Afrika/Südamerika
Baumwürger Asien
Purpur-Pampasgras Südamerika
Wasserhyazinthe Brasilien
Riesen-Bärenklau Kaukasus
Japanischer Hopfen Ostasien
Großer Wassernabel Amerika
Drüsiges Springkraut Himalaya
Himalaya-Knöterich Himalaya
Japanischer Kletterfarn Ostasien
Gelbe Scheinkalla Nordamerika
Japanisches Stelzgras Ostasien
Karottenkraut Mexiko
Wassersalat Südamerika
Kudzu China und Japan
Chinesischer Talgbaum China
Kreuzstrauch-Karolina-Haarnixe Nordamerika
Purpur-Veldtgras Südafrika
Schmalblättrige Wasserpest Südamerika
Mammutblatt Brasilien
Falscher Wasserfreund Südamerika
Seidiger Nadelbusch Australien
Persischer Bärenklau Kaukasus / Westasien
Sosnowsky-Bärenklau Kaukasus
Wechselblatt-Wasserpest Nordamerika
Seidenhaar-Buschklee Ostasien
Großblättriges Heusenkraut Nordamerika
Flutendes Heusenkraut Nordamerika
Brasilianisches Tausendblatt Südamerika
Verschiedenblättriges Tausendblatt Nordamerika
Rotes Lampenputzergras Nordafrika / Naher Osten
Durchwachsener Knöterich Ostasien
Mesquitebaum Nord- und Mittelamerika
Okamura-Braunalge Japan und Korea
Büschelfarn Ostasien

Invasive Pflanzen verändern heimische Ökosysteme

Insgesamt zeigt sich, dass invasive Pflanzenarten auch außerhalb heimischer Ökosysteme zunehmend zum Problem werden. Einerseits verändern sie die Zusammensetzung der Vegetation vielerorts, andererseits sorgen sie für starken Konkurrenzdruck unter heimische Arten, sodass sich ihre Bestände reduzieren. In der Folge wirkt sich diese Entwicklung nicht nur auf die Pflanzenwelt aus, sondern auch auf Tiere, die auf diese Lebensräume angewiesen sind. Denn viele Insekten, Vögel und andere Arten sind eng an heimische Pflanzen gebunden, weshalb Veränderungen in der Vegetation weitreichende Konsequenzen haben können. Vor diesem Hintergrund gewinnen Maßnahmen zur Eindämmung immer mehr an Bedeutung, da eine frühzeitige Kontrolle die weitere Ausbreitung zumindest verlangsamen kann. Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass eine vollständige Zurückdrängung in vielen Fällen kaum noch möglich ist. Zudem verbreiten sich viele dieser Arten unbemerkt weiter, bevor Gegenmaßnahmen greifen.

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Schlagworte: Heckenplanzen invasiv NÖInvasive Arten NÖInvasive Pflanzen NiederösterreichKirschlorbeer invasivNiederösterreich
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