Lange Wartezeiten, Schwierigkeiten bei der Arztsuche oder Probleme in der Notfallversorgung: Über eine Kommunikations-Plattform können Patienten, Angehörige und Beschäftigte ihre Erfahrungen mit dem niederösterreichischen Gesundheitssystem schildern – auf Wunsch auch anonym. Die Rückmeldungen sollen sichtbar machen, wo Probleme wiederholt auftreten und welche Veränderungen notwendig sind.
Probleme im Gesundheitssystem sollen sichtbar werden
Die SPÖ Niederösterreich macht sich aktuell für den Erhalt der Notarztstützpunkte stark. Unter dem Motto „Wenn Gesundheit Sorgen macht“ will sie nun auch Erfahrungen aus anderen Bereichen des Gesundheitssystems sammeln. Die Rückmeldungen sollen zeigen, wo Probleme wiederholt auftreten und welche Anliegen in die politische Arbeit aufgenommen werden sollen.
Dabei sollen nicht nur einzelne Beschwerden erfasst werden. Vielmehr sollen die Erfahrungsberichte zeigen, welche Probleme wiederkehrend und in unterschiedlichen Regionen auftreten. Häufen sich ähnliche Erfahrungen, können sie auf strukturelle Probleme im Gesundheitssystem hinweisen. Die Plattform versteht sich deshalb als eine Art Frühwarnsystem: Die Rückmeldungen sollen zeigen, wo politischer Handlungsbedarf besteht.
SPÖ-Gesundheitstour: Lange Wartezeiten waren bereits 2024 Thema
Die Grundlage für die Plattform entstand bereits im Zuge der SPÖ-Gesundheitstour 2024. Damals wurde unter anderem von langen Wartezeiten auf Untersuchungen und Operationen berichtet. Besonders häufig ging es um HNO-Eingriffe bei Kindern. Inzwischen gibt es mit „HNÖ hilft“ ein zusätzliches tagesklinisches Angebot am Landesklinikum Klosterneuburg. Seit dem Start des Projekts im September 2025 bis Februar 2026 wurden dort bereits mehr als 80 Kinder im Rahmen des Programms operiert und Wartezeiten so reduziert.
„Das zeigt: Zuhören kann etwas verändern. Deshalb wollen wir den Menschen wieder eine Möglichkeit geben, uns ihre Erfahrungen mitzuteilen. Wo wir konkret helfen können, werden wir helfen. Und wo sich strukturelle Probleme zeigen, werden wir politischen Druck machen“, betont Kontroll-Landesrat und SPÖ-Landesparteivorsitzender Sven Hergovich in einer aktuellen Presseaussendung.
Lange Wartezeiten betreffen jedoch nicht nur einzelne Fachbereiche. Patienten würden teilweise auf Wahlärzte oder private Zusatzversicherungen ausweichen, um schneller einen Termin zu bekommen, kritisiert die SPÖ. Dadurch entstehen für die Betroffenen zusätzliche Kosten.
Notarzt-Schließungen: Widerstand aus den Gemeinden wächst
Wie sehr Fragen der medizinischen Versorgung die Menschen vor Ort beschäftigen, zeigt die aktuelle Diskussion um die geplanten Schließungen von Notarztstützpunkten. Ab April 2027 sollen in Niederösterreich statt derzeit 32 nur noch 21 Notarztstützpunkte bestehen. Gleichzeitig will das Land die Notfallversorgung neu organisieren. Dazu gehören unter anderem Rettungswagenstützpunkte mit Notfallsanitätern, First Responder, Acute Community Nurses und Telemedizin. Aus Sicht der SPÖ sind viele Ersatzmaßnahmen noch nicht in Angriff genommen worden bzw. ausreichend erprobt. Die schwarz-blaue Landesregierung in Niederösterreich hält dennoch an der Reform fest.
“Gerade die Diskussion um die Notarztstützpunkte zeigt, wie groß die Sorge in vielen Regionen ist. Unsere Haltung bleibt klar: Zuerst müssen die versprochenen Verbesserungen und Ersatzmaßnahmen funktionieren, erst danach kann über Strukturanpassungen gesprochen werden. Kein Risiko im Notfall“, verdeutlicht Hergovich.
Auch medizinisches Personal kann Probleme anonym melden
Die Plattform richtet sich ausdrücklich nicht nur an Patientinnen, Patienten und Angehörige. Auch Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte, Sanitäterinnen und Sanitäter sowie alle anderen Beschäftigten im Gesundheitswesen können dort vertraulich und auf Wunsch anonym schildern, welche Probleme sie im Arbeitsalltag erleben. Gerade die Beschäftigten haben einen unmittelbaren Einblick: Sie sehen, wo Personal fehlt, Abläufe nicht funktionieren oder Entscheidungen die Versorgung erschweren. Neben Problemen können sie deshalb auch mögliche Lösungen anstoßen. Häufen sich ähnliche Meldungen aus unterschiedlichen Einrichtungen oder Regionen, deutet das auf grundsätzlichen Handlungsbedarf hin.
„Ob Patientin, Angehöriger, Ärztin, Pfleger oder Sanitäterin – ob anonym oder mit Namen: Erzählen Sie uns Ihre Geschichte. Ein besseres Gesundheitssystem entsteht nicht am Reißbrett, sondern indem man den Menschen zuhört, die es jeden Tag erleben“, ermutigt Nationalrat und SPÖ-Gesundheitssprecher Rudi Silvan.







