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EVN-Vorstand soll 600.000 Euro erhalten – die Energiekrise zahlt die Bevölkerung

NÖ Aktuell Redaktion von NÖ Aktuell Redaktion
17. Juni 2025
in Politik
Lesezeit: 4 min zum Lesen
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EVN-Vorstand soll 600.000 Euro erhalten – die Energiekrise zahlt die Bevölkerung

Viele Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher können sich die extrem hohen Energiekosten nicht mehr leisten. Bild: Pexels

Im September 2024 wurde Alexandra Wittmann als drittes Vorstandsmitglied der EVN bestellt – Berichten zufolge erhält sie ein Jahresgehalt von 600.000 Euro. Während die Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher weiterhin mit hohen Energiekosten kämpfen, sorgt dieser Luxusposten für massive Kritik. Die SPÖ fordert deshalb einen Stopp derartiger Spitzengehälter und einen Kurswechsel bei der Energiepreisgestaltung.

Gewinne auf Kosten der Bevölkerung

Der Gewinn des Landesenergieversorgers EVN, der sich mehrheitlich in Landeshand befindet, stieg im ersten Halbjahr 2024/25 um ein Viertel auf über 250 Millionen Euro. Zeitgleich können sich viele Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher die extrem hohen Energiekosten nicht mehr leisten. 
„Diese Ungerechtigkeit muss beendet werden – es kann nicht sein, dass die EVN auf Kosten der Bevölkerung im Geld schwimmt!“, kritisiert SPÖ-Landtagsabgeordneter Rene Pfister in einer aktuellen Presseaussendung. Pfister fordert zum wiederholten Mal leistbare Energiepreise für die Bürgerinnen und Bürger. Damit bekräftigte er die Forderung von SPÖ-NÖ-Chef und Kontrolllandesrat Sven Hergovich an die EVN, die Energiepreise endlich zu senken.

Gehalt soll 600.000 Euro betragen: EVN-Vorstandsposten sorgt für politische Debatte

Während viele Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher nach wie vor auf sinkende Preise hoffen, setzt die EVN andere Prioritäten. Bereits 2023, als die Energiepreiserhöhungen die Geldbörsen der Haushalte stark belasteten, beschloss der größte Energieversorger Niederösterreichs, ein drittes Vorstandsmitglied ins Unternehmen zu holen. Trotz vieler kritischer Stimmen wurde Alexandra Wittmann im September 2024 als CFO zum Mitglied des Vorstands der EVN AG bestellt – mit einem Vorstandsgehalt von kolportierten 600.000 Euro im Jahr. Die SPÖ NÖ übte schon damals scharfe Kritik an dieser Entscheidung und warf dem Unternehmen vor, lediglich einen „Versorgungsposten“ zu schaffen.

Warum die Entscheidung des Unternehmens so umstritten ist, zeigt folgender Vergleich:
In Österreich liegt das Bruttojahreseinkommen durchschnittlich bei 32.834 Euro. Der neue, dritte EVN-Vorstand erhält somit das 18-fache Gehalt eines Durchschnittsösterreichers. Zum Vergleich: Für ein solches Jahresgehalt müssen Herr und Frau Österreicher rund 18 Jahre lang arbeiten.

Hohes Gehalt, hoher Strompreis?

Wie großzügig die EVN bei sich selbst wirtschaftet, zeigt ein Blick ins restliche Bundesgebiet: Bei der Energie Steiermark liegt das jährliche Vorstandsgehalt bei 244.000 Euro. Bei der Energie AG in Oberösterreich verdient man als Vorstand knapp unter 300.000 Euro, also weit weniger als das Vorstandsgehalt der EVN. Weniger verdienen auch die Vorstände der Burgenland Energie AG -„nur“ etwas über 200.000 Euro im Jahr. Auffällig ist, dass in diesen Bundesländern auch der Strompreis niedriger ist. Der aktuelle Strompreis liegt bei der Energie Steiermark bei 16,37 Cent pro kWh. Die Energie AG Oberösterreich senkte ab 1. April 2025 den Strompreis für Ökostrom Loyal. Der Energiepreis liegt bei 12,93 Cent/kWh brutto.

SPÖ Niederösterreich fordert Stopp der Luxusgehälter

SPÖ-Landeschef-Sven Hergovich verortete die Verantwortung für die Luxusgehälter des EVN-Vorstands bereits 2023 bei der Schwarz-Blauen Landesregierung: „Die EVN gehört mehrheitlich dem Land Niederösterreich. Schwarz-Blau regiert in Niederösterreich. Mikl-Leitner und Landbauer könnten diesen wahnwitzigen Luxusjob sofort abstellen.“
Hergovich bezeichnete das exorbitante EVN-Vorstandsgehalt als „unfassbare Ungerechtigkeit“. Während gleichzeitig die Kundinnen und Kunden der EVN Energierechnungen in oft doppelter oder dreifacher Höhe erhalten, fährt die EVN Rekordgewinne ein. Man solle viel eher die Luxusgagen der EVN-Vorstände halbieren und damit eine Entlastung der Strom- und Gas-Kundinnen und Kunden finanzieren. Das sei sinnvoller als die Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher für Luxusgagen zur Kasse zu bitten.

SPÖ-NÖ Maßnahmenpaket-für leistbare Energie

Bei einer Pressekonferenz im April präsentierten Parteivorsitzender Hergovich und Nationalrat Alois Schroll bereits ein Fünf-Punkte-Programm. Es stellt die teilstaatliche EVN ins Zentrum. Für SPÖ-Landtagsabgeordneten Rene Pfister sind diese Schritte unbedingt notwendig – vor allem weil die EVN erst unlängst damit konfrontiert worden ist, dass deren Preiserhöhungen im Jahr 2022 unrechtmäßig waren.
„Wir müssen die EVN zur Leistbarkeit verpflichten und gleichzeitig die horrenden Managementgehälter an die Leistbarkeit koppeln! Darüber hinaus braucht es einen Sozialtarif für einkommensschwache Haushalte und die Netztarife müssen gesenkt und gerecht verteilt werden! Und last but not least fordert die SPÖ die Leistbarkeit per Gesetz: Wir wollen das NÖ Elektrizitätswesen-Gesetz ergänzen, damit Leistbarkeit endlich ein gesetzlicher Auftrag für Energieunternehmen wird!“ fordert Pfister.
Es brauche jetzt einen politischen Kurswechsel und klare, verbindliche Regeln bei der Energiepreisgestaltung. 

SPÖ-Vorschläge für mehr Leistbarkeit im Energiebereich im Detail:

  • EVN zur Leistbarkeit verpflichten. Leistbarkeit in Satzung und Unternehmensführung als zentrales Ziel verankern.
  • Managementgehälter an Leistbarkeit koppeln. Die Gehälter der EVN-Vorstände auf das Gehalt der Landeshauptfrau deckeln und an die Leistbarkeit der Energiepreise für die Haushalte binden.
  • Sozialtarif für einkommensschwache Haushalte. Ein verpflichtender Sozialtarif nach Kärntner Vorbild als gezielte Entlastung für Haushalte mit geringem Einkommen – finanziert aus den Übergewinnen der EVN.
  • Netztarife senken und gerecht verteilen. Haushalte durch direkte Zuschüsse bei den Netzkosten entlasten. Großverbraucher sollen stärker zur Finanzierung beitragen.
  • Leistbarkeit ins Gesetz schreiben. Das NÖ Elektrizitätswesen-Gesetz ergänzen – Leistbarkeit als gesetzlicher Auftrag für Energieunternehmen

SPÖ-Pfister: „Preistreiberei ein Ende setzen!“

Dass Mikl-Leitner und Landbauer seit Jahren erste Reihe fußfrei zuschauen, wie die Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher „ausgesackelt” werden, will Pfister nicht länger akzeptieren. „Die EVN ist mehrheitlich in Landesbesitz und gehört somit auch allen Bürgerinnen und Bürgern! ÖVP und FPÖ dürfen dieses Spiel daher nicht länger mitspielen und müssen der Preistreiberei ein Ende setzen!“, betont Pfister abschließend.

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