Im Vergleich zum Vorjahr ist die Arbeitslosigkeit in Niederösterreich um fünf Prozent gestiegen. Insgesamt sind 58.690 Personen ohne Job oder in Schulungen beim AMS gemeldet. Mit einer steigenden Arbeitslosigkeit von 9,5 Prozent sind Frauen besonders stark betroffen. Gründe dafür sind vor allem die schwächere Entwicklung einzelner Branchen, in denen viele Frauen arbeiten, sowie das steigende Pensionsalter.
Arbeitslosigkeit in NÖ steigt um 5 Prozent – stärkster Zuwachs bundesweit
Ende März waren in Niederösterreich 58.690 Personen arbeitslos oder in Schulungen beim AMS gemeldet. Das entspricht einem Anstieg von fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr, der höchste Zuwachs im Bundesländervergleich. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 6,9 Prozent und damit um 0,4 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. Österreichweit beträgt die Quote derzeit 7,5 Prozent.
Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung bei Frauen: Während die Arbeitslosigkeit bei Männern um 2,5 Prozent zunahm, lag der Anstieg bei Frauen bei 9,5 Prozent. Damit sind Frauen überproportional von der aktuellen Entwicklung betroffen. Auch bei Jugendlichen ist die Arbeitslosigkeit um 4,7 Prozent gestiegen. Zusätzlich suchen 17,3 Prozent mehr Personen als im Vorjahr eine Lehrstelle.
Gesundheits- und Sozialwesen mit plus 13,9 Prozent: Frauen besonders betroffen
Ein wesentlicher Grund für die höhere Arbeitslosigkeit liegt in den starken Unterschieden zwischen einzelnen Wirtschaftsbereichen. In mehreren Bereichen mit hohem Frauenanteil steigt die Arbeitslosigkeit überproportional. Besonders deutlich zeigt sich das im Gesundheits- und Sozialwesen mit einem Plus von 13,9 Prozent. Auch in der Warenherstellung mit 9 Prozent sowie in der öffentlichen Verwaltung mit 7,9 Prozent gab es deutliche Anstiege. Im Bauwesen hingegen ist die Arbeitslosigkeit zuletzt zurückgegangen.
Vor allem im Gesundheits- und Sozialwesen ist der Frauenanteil besonders hoch. Gleichzeitig sind die Einkommen oft niedrig, die Arbeitsbelastung hoch und Beschäftigungsverhältnisse teilweise unsicher. Branchen, in denen überwiegend Frauen beschäftigt sind, stehen damit zunehmend unter Druck. Angestellte in der Pflege berichten zudem von schwierigen Arbeitsbedingungen, wie hohem Zeitdruck oder körperlicher Belastung.
Steigendes Pensionsalter als Risiko für Arbeitslosigkeit im Alter
Außerdem erhöht das steigende Pensionsalter das Risiko für Arbeitslosigkeit bei Frauen. Viele bleiben dadurch länger im Berufsleben und verlieren kurz vor dem erwarteten Pensionsantritt den Arbeitsplatz. In dieser Lebensphase ist es oft schwer, eine neue Stelle zu finden, zumal die Chancen auf dem Arbeitsmarkt bei älteren Bewerberinnen sinken. Dadurch haben ältere Arbeitnehmerinnen ein erhöhtes Risiko, in Langzeitarbeitslosigkeit zu geraten, wodurch auch die Gefahr von Altersarmut steigt. Besonders deutlich wird diese Entwicklung bei den 60- bis 65-Jährigen: Hier waren im Februar um 56,8 Prozent mehr Frauen arbeitslos als noch vor zwölf Monaten.
Hohe Gemeindeschulden und fehlende Kinderbetreuung
Auch die finanzielle Situation vieler Gemeinden wirkt sich indirekt auf den Arbeitsmarkt aus. 2025 lag die Pro-Kopf-Verschuldung in niederösterreichischen Gemeinden bei durchschnittlich 3.383 Euro. Als wesentliche Kostentreiber gelten unter anderem Ausgaben für Kinderbetreuung und Pflege. Gleichzeitig wird gerade in den Bereichen Kinderbetreuung und Pflege bei Investitionen gespart.
Wird bei Betreuungseinrichtungen oder Pflegeangeboten gespart, verschlechtert sich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Viele Frauen reduzieren in der Folge ihre Arbeitszeit. Zusätzlich erschweren fehlende Angebote die Situation: 2025 steht pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohnern nur etwa ein Kindergartenplatz zur Verfügung, für Kinder unter zwei Jahren gibt es nur in jeder zweiten Gemeinde entsprechende Betreuungsmöglichkeiten. Da der Großteil der Betreuungsarbeit weiterhin von Frauen übernommen wird, sind sie besonders stark von Arbeitslosigkeit und Teilzeit-Reduktion betroffen.
Jobgarantie, Ausbildungszentren und kostenlose Kinderbetreuung: SPÖ NÖ legt Maßnahmen gegen steigende Arbeitslosigkeit vor
Die SPÖ Niederösterreich zeigt sich empört über die Untätigkeit der schwarz-blauen Landesregierung und fordert konkrete Maßnahmen und Impulse für den Arbeitsmarkt: Eine Jobgarantie für Langzeitarbeitslose, eine Lehre für Erwachsene, Ausbildungszentren für Gesundheitsberufe sowie den Ausbau mobiler Pflege inklusive der Anstellung pflegender Angehöriger. Zusätzlich soll eine kostenlose Kinderbetreuung stärker der tatsächlichen Arbeitsrealität entsprechen.
“Wie auch in den vergangenen Monaten tut die schwarz-blaue Landeskoalition von Mikl-Leitner und Landbauer absolut nichts, um den 58.690 Niederösterreicherinnen und Niederösterreichern und ihren Angehörigen eine Perspektive zu bieten. Das von uns seit Beginn der steigenden Arbeitslosigkeit vorgeschlagene Konjunkturpaket fehlt immer noch”, kritisiert SPÖ-NÖ Vorsitzender Sven Hergovich.
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