Bis 2027 sollen in Niederösterreich elf Notarztstützpunkte geschlossen oder in Rettungswagenstützpunkte mit Notfall-Equipment umgewandelt werden. Viele der angekündigten Ersatzsysteme fehlen jedoch noch. Vor allem in ländlichen Regionen wächst deshalb die Sorge, dass sich die notärztliche Versorgung verschlechtern könnte.
Gesundheitsplan 2040+: Umbau der Notarztversorgung ohne Ersatzsysteme
Nach dem Gesundheitsplan 2040+ soll die Zahl der Notarztstützpunkte bis 2027 von derzeit 32 auf künftig 21 RTW-C-Standorte reduziert werden. Dabei handelt es sich um speziell ausgestattete Rettungswagen-Standorte, an denen vor allem Rettungs- und Notfallsanitäter die Einsätze übernehmen. Notärztinnen und Notärzte sind dort nicht dauerhaft stationiert, sondern werden bei Bedarf etwa per Tele-Notarzt-System oder zusätzlich alarmiert. Zusätzlich setzt die Landesregierung künftig stärker auf Tele-Notärztinnen und Ärzte, First-Responder-Systeme, Acute-Community-Nursing-Standorte sowie mobile Notfall- und Pflegeeinsatzteams. Auch die Flugrettung soll in Zukunft weitere Aufgaben übernehmen.
Viele dieser neuen Systeme befinden sich allerdings noch im Aufbau. Der Ausbau mobiler Pflege- und Notfallteams startet laut Gesundheitsplan erst 2028, obwohl bereits 2027 erste Standorte geschlossen werden sollen. Gleichzeitig fehlen weiterhin flächendeckende Akutversorgungen in Kliniken sowie umfassende Evaluierungen zu längeren Transportwegen.
Sven Herovich, Kontroll-Landesrat der SPÖ NÖ, stellt erneut klar, dass die vorgesehenen Standort-Schließungen ohne gleichwertigen Ersatz einen Bruch des Gesundheitspakts darstellen:„Wer heute Notarzt-Standorte schließen will, obwohl diese Voraussetzungen nicht erfüllt sind, der spielt mit der Versorgungssicherheit und bricht den Gesundheitspakt“, betont Hergovich bei einer Pressekonferenz.
Mostviertel besonders stark von Schließungen betroffen
Im Mostviertel treffen die geplanten Änderungen gleich mehrere Standorte. Mit Ybbs-Persenbeug, Pöggstall und Waidhofen an der Ybbs stehen drei Notarztstützpunkte vor dem Aus. Gerade im ländlichen Raum könnten dadurch längere Anfahrtswege entstehen. Zusätzlich stößt die stärkere Abhängigkeit von Flugrettung und Tele-Notarzt auf Skepsis. Hubschrauber sind bei Nebel oder schlechtem Wetter oft nicht einsatzfähig und auch digitale Systeme gelten für viele Expertinnen und Experten nur als Ergänzung statt als vollständiger Ersatz für einen Notarzt vor Ort.
„Gerade Regionen wie das südliche Waldviertel oder das Ybbstal brauchen verlässliche Strukturen. Veränderungen können sinnvoll sein – aber nur dann, wenn sie in der Praxis nachweislich funktionieren und die Versorgung mindestens gleichwertig bleibt“, weiß Notarzt Tarik Farahat aus der Praxis.
Ampelsystem zur Überprüfung der Versorgungssicherheit
Als mögliche Lösung schlägt die SPÖ NÖ erneut ein Ampelsystem vor. Dieses System soll sichtbar machen, ob die Voraussetzungen für Schließungen überhaupt erfüllt sind. Eine rote Ampel zeigt, dass wichtige Grundlagen wie Personal, organisatorische Absicherung oder funktionierende Ersatzsysteme fehlen. Eine gelbe Ampel symbolisiert eine Übergangsphase mit Pilotprojekten und dem Ausbau neuer Maßnahmen. Erst wenn die Ampel ein grünes Licht zeigt, also wenn die neuen Systeme in der Praxis tatsächlich funktionieren, sollen weitere Schritte möglich sein. Niederösterreichs aktuelle Versorgungslage wird mit Rot eingestuft, Schließungen würden die Versorgungslage demnach gefährden.
„Sicherheit vor Geschwindigkeit. Versorgung und Hilfe vor Sparen am falschen Platz. Daher können derzeit keine Notarztstandorte geschlossen werden“, fordern Hergovich und Nationalratsabgeordneter Alois Schroll.
Liebe Leserinnen, liebe Leser!
Wenn Sie relevante Informationen zum Artikel beitragen können, schicken Sie uns doch eine Mail!








