Eine mittelalterliche Falknerei, eine wiederentdeckte Folterkammer, Österreichs älteste Brauerei und ein Keramik-Kulturkeller – diese Attraktionen verstecken sich hinter den Mauern von vier niederösterreichischen Schlössern, die noch wenig Bekanntheit erlangt haben. Sie zeigen, dass es neben den bekannten Touristenrouten auch verborgene Schätze liegen. Schlösser, die mit ihren Besonderheiten überraschen und durch ihre faszinierenden Geschichten überzeugen.
Schloss Rosenburg: Wo Greifvögel die Lüfte beherrschen
Auf Schloss Rosenburg pflegen Falknerinnen und Falkner die historische Falknerei, die seit 2012 zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe zählt. Bei regelmäßigen Greifvogelvorführungen erleben Besucherinnen und Besucher Adler, Falken und Bussarde aus nächster Nähe. Besonders beeindruckend ist die Sondervorführung „Falknerei zu Pferd„: In historischen Kostümen zeigen die Mitarbeitenden der Falknerei das traditionsreiche Zusammenspiel von Greifvögeln, Pferden und Jagdhunden und geben dabei zugleich Einblick in Geschichte, Artenvielfalt und Lebensräume dieser majestätischen Tiere.

Das Schloss Rosenburg wurde im 12. Jahrhundert als Burg im romanischen Stil erbaut und liegt in der Gemeinde Rosenburg-Mold. Seit 1681 befindet es sich im Besitz der Familie Hoyos, die das Gemäuer in den 1980er-Jahren aufwendig sanierte und es seitdem als kulturelles Denkmal erhält. Neben der historischen Falknerei beherbergt das Gelände auch ein Burgmuseum und eine Schlossgaststätte.
Schloss Pöggstall: Ein Ort des Rechts und des Grauens

Zwischen den Orten Melk und Ybbs liegt Pöggstall und mit ihm ein Schloss, das eine ungewöhnliche Geschichte der Rechtsprechung dokumentiert. Im 13. Jahrhundert wurde das Schloss als Wasserburg erbaut und im 15. und 16. Jahrhundert zu einem Renaissanceschloss umgestaltet. Heute befindet es sich im Besitz der Gemeinde und beherbergt auf rund 200 Quadratmetern Fläche das Museum für Rechtsgeschichte.
Den außergewöhnlichsten Teil des Museums bildet eine Folterkammer, die im Rahmen einer Kulturvermittlung besichtigt werden kann. Die Folterkammer war vermutlich bis 1776 in Betrieb, bevor Kaiser Joseph II. die Folter als Mittel der Wahrheitsfindung abschaffte. Der Raum wurde daraufhin zugemauert und geriet in Vergessenheit, bis er um 1900 bei Renovierungsarbeiten zufällig wieder ans Licht kam. Die erhaltenen Werkzeuge und Überreste aus der Zeit vor 1848 geben gemeinsam mit dem Museum für Rechtsgeschichte einen nüchternen und eindrücklichen Einblick in die Justiz der vergangenen Jahrhunderte.
Schloss Weitra: Bierkultur seit dem Mittelalter

Die Besonderheit des Schloss Weitra versteckt sich im jahrhundertealten Keller: das Brauereimuseum der „Weitra Bräu“. Die zugehörige Brauerei wurde bereits 1321 gegründet und gilt als die älteste noch in Betrieb befindliche Brauerei Österreichs. Unter dem Motto „Was Sie schon immer über Bier wissen wollten“ vermittelt das Museum Wissenswertes über die Geschichte des Bierbrauens, die Vielfalt der Biersorten und die regionale Brautradition.
Das Schloss Weitra ist im Bezirk Gmünd zu finden und wurde im 13. Jahrhundert erbaut. Den entscheidenden Wandel erlebte die Anlage im Jahr 1581: Kaiser Rudolf II. übertrug Stadt und Herrschaft Weitra an Freiherrn Wolf Rumpf von Wielroß, der die mittelalterliche Burg durch den kaiserlichen Baumeister Pietro Ferrabosco zu einem ansehnlichen Schloss umgestalten ließ. Nach dem Tod Wolf Rumpfs ging das Anwesen an die Grafen von Fürstenberg über, in deren Besitz es bis heute verblieben ist.
Schloss Dobersberg: Vom Wehrbau zum Kulturkeller

Das aus dem Mittelalter stammende Schloss Dobersberg gilt heute als ein Zentrum für Keramik-Kunst: Der Kulturkeller veranstaltet regelmäßig Ausstellungen und Veranstaltungen rund um das Thema Keramik in Verbindung mit Musik. Besucherinnen und Besucher können zweimal pro Jahr Kunstwerke aus Keramik von österreichischen und tschechischen Kunstschaffenden bewundern. Zusätzlich gibt es Workshops für Kinder und auch Kabarett Aufführungen, die das Jahrhunderte alte Gemäuer bis heute beleben.
Im Bezirk Waidhofen an der Thaya gelegen, geht das Schloss Dobersberg auf einen mittelalterlichen Wehrbau zurück. Seine heutige viereckige Gestalt erhielt es 1570 unter Sigmund Freiherr von Puchhaim. Um 1800 ergänzte Graf von Grünne die Anlage um einen Schlossgarten, von dem noch heute Teile erhalten sind. Im Jahr 1948 erwarb schließlich die Marktgemeinde Dobersberg das Anwesen und ließ es renovieren. Die Räumlichkeiten dienen seither dem Gemeindeamt, einem Naturkundemuseum und dem erwähnten Kulturkeller.
Die vier Schlösser zeigen, dass historische Anlagen heute weit mehr sein können als Denkmäler vergangener Zeiten. Sie bewahren Traditionen, machen Geschichte greifbar und schaffen Raum für Kultur. Gerade ihre ungewöhnlichen Besonderheiten machen sie zu lohnenden Ausflugszielen abseits der bekanntesten Touristenrouten.
Liebe Leserinnen, liebe Leser!
Wenn Sie relevante Informationen zum Artikel beitragen können, schicken Sie uns doch eine Mail!







