41 Grad in Wien-Stammersdorf, rote Warnstufe fürs halbe Land. Auch Niederösterreich steckt mitten in einer Hitzewelle historischen Ausmaßes. Wer der Hitze nicht nur im schattigen Zimmer entkommen will, braucht einen Plan, am besten einen mit Wasser. Wir zeigen, wo es sich im Land gerade am schönsten baden lässt und welche Seen man aktuell besser meidet – mit allen wichtigen Fakten zur Wasserqualität.
Für die schnelle Abkühlung: Bergseen mit echten 15 Grad
Wer nach stundenlanger Hitze wirklich frieren will, fährt in die Berge. Der Lunzer See in den Ybbstaler Alpen ist Niederösterreichs einziger natürlich entstandener Badesee auf 608 Metern Seehöhe, bis zu 34 Meter tief, mit Wasser, das durch den durchfließenden Seebach ständig ausgetauscht wird – aktuell führt der See aufgrund der anhaltenden Höchsttemperaturen allerdings fast zwei Meter weniger Wasser als im langjährigen Schnitt.
Drei Badeplätze verteilen sich rund um den See. Das kostenpflichtige Seebad befindet sich am Westufer mit Sprungturm und Buffet, das gratis zugängliche Seebachbad mit Kinderrutsche am hinteren Ende.
Ähnlich frisch geht es am Erlaufsee bei Mariazell zu, wo 15 bis 18 Grad Wassertemperatur garantiert sind. Der See gilt als geologisch junger Bergsee mit wenig Nährstoffeintrag, entsprechend klar ist auch das Wasser.
Perfekt für den Familienausflug: Badeseen mit Infrastruktur
Nicht jeder will bei der Hitze frieren, manche möchten einfach einen Tag am Wasser verbringen – mit Spielplatz, Gastronomie und kurzen Wegen. Der Ratzersdorfer See in St. Pölten ist dafür ein Klassiker. Beachvolleyball, Basketball, Minigolf, ein Skatepark und eine Freerun-Anlage sorgen für Programm neben dem Schwimmen, mehrere Spielplätze halten Kinder bei Laune. Von Mai bis September gilt allerdings ein striktes Hundeverbot am gesamten Areal. Und wer textilfrei baden möchte, findet auch dafür eine eigene ausgewiesene Zone.
Kompakter und ruhiger geht es am Ebersdorfer See im Pielachtal zu. Kinderwagentauglicher Rundweg, Badesteg, sanitäre Anlagen und ein nahegelegener Kletterwald mit Flying-Fox über den See. Den Sommertag kann man dann direkt am See mit einem Getränk beim Sonnenuntergang ausklingen lassen.
Für den ganzen Tag: Der Ottensteiner Stausee im Waldviertel
Für alle, die über mehr Zeit verfügen, lohnt sich eine Fahrt ins Waldviertel. Der Ottensteiner Stausee, der größte der drei Kamptal-Stauseen, bietet mit seinen verzweigten, fjordartigen Buchten Platz für windgeschützte Liegewiesen abseits des Trubels. Anglerinnen und Angler kommen dank Hecht, Karpfen und Barsch auf ihre Kosten. Beim Seerestaurant Ottenstein können außerdem Boote unterschiedlichster Art ausgeliehen werden. Wer sich lieber fahren lässt, kann dort aber auch eine Rundfahrt buchen. Im aktuellen EU-Badegewässerbericht erhielt der See die Bestnote „ausgezeichnet“. Kein Zufall, wie der nächste Punkt zeigt.
Sicher ist sicher: Wasserqualität selbst checken
Bei tagelanger Rekordhitze fragt man sich zurecht, ob ein See nach so langer Sonneneinstrahlung noch bedenkenlos zum Baden einlädt. Insgesamt steht Niederösterreich gut da. Im aktuellen EU-Bericht wurden 28 Badegewässer im Land untersucht, 20 davon als „ausgezeichnet“ und 8 als „gut“ eingestuft. Trotzdem lohnt sich der Blick auf die konkrete Badestelle, bevor man losfährt:
- Der Wasser-Check des STANDARD zeigt auf einer Karte die nächstgelegenen geprüften Badestellen samt aktueller Bewertung.
- Die Badegewässer-App der AGES liefert offizielle, laufend aktualisierte Werte zu Wasserqualität, Sichttiefe und Temperatur für alle Badestellen Österreichs.
Lieber meiden: Das Höllental ist aktuell überlastet
Ein Tipp zum Schluss: Das Höllental zwischen Reichenau und Schwarzau im Gebirge zählt bei Hitze traditionell zu den beliebtesten Ausflugszielen im Land, aktuell aber auf eine Art, die weder Anrainern noch Besuchern guttut. Zugeparkte Straßen, Autos im Fahrbahnbereich und liegengelassener Müll entlang der Schwarza sorgen seit Wochen für Ärger, Gemeinden und Bezirkshauptmannschaft verhandeln bereits über eine mögliche Parkraumbewirtschaftung. Etliche Einheimische meiden das Tal an Hitzetagen mittlerweile selbst. Wer trotzdem hin möchte, hat unter der Woche und abseits der Mittagsstunden bessere Karten. Alle anderen besuchen am besten einen der oben genannten Seen.
Anhaltende Hitze: Blaualgen-Warnungen im Bezirk Gmünd und Pyhra
Nicht jeder See hält den hohen Temperaturen gleich gut stand. Zwar ist die Wasserqualität grundsätzlich gut (siehe oben), doch kleinere Badeseen und Teiche reagieren auf die anhaltende Hitze empfindlich. Im Bezirk Gmünd wurden zuletzt gleich an zwei Stellen erhöhte Blaualgen-Werte gemessen – im Moorbad Schrems und im Herrenteich Litschau. Gebadet werden darf dort zwar weiterhin, Vorsicht ist aber angebracht: Cyanobakterien können vor allem Hunden gefährlich werden, nach dem Schwimmen duschen wird empfohlen. Konsequenter reagiert wurde beim Geißbachteich nahe Amaliendorf und beim Naturbadeteich in Pyhra – beide sind derzeit gesperrt.







