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Home Geschichte

Klostersturm: Joseph II. ließ 61 Klöster in NÖ verschwinden

NÖ Aktuell Redaktion von NÖ Aktuell Redaktion
13. August 2026
in Geschichte
Lesezeit: 5 min zum Lesen
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2
Portrait Joseph II.

Kaiser Joseph II. ließ ab 1782 zahlreiche Klöster aufheben und deren Vermögen einziehen. In Niederösterreich waren 61 Klöster und Konvente betroffen. Quelle: Wikimedia

Kaiser Joseph II. wollte Staat und Gesellschaft grundlegend reformieren. Dabei nahm er auch die katholische Kirche ins Visier. Joseph II. sah Klöster als Relikte einer überholten Zeit: fromme, aber nutzlose Rückzugsorte, die dem Staat nichts einbrachten. Diese Haltung stellte er offen zur Schau – und ließ ab 1782 zahlreiche Klöster aufheben und deren Vermögen einziehen. Niederösterreich traf die Reform besonders hart: Innerhalb weniger Jahre verschwanden 61 Klöster und Konvente aus dem Land – Institutionen, die teils seit dem Mittelalter bestanden.

Joseph II. und die Ideen der Aufklärung

Joseph II. war der älteste Sohn von Maria Theresia und Kaiser Franz I. Stephan. Schon seine Erziehung war stark von den Ideen der Aufklärung geprägt – der Überzeugung, dass Vernunft und Nützlichkeit wichtiger sein sollten als Tradition und kirchliche Autorität. Nach dem Tod seiner Mutter 1780 versuchte Joseph II., den Staat nach genau diesem Prinzip neu zu ordnen: Jede Einrichtung, ob Behörde oder Kloster, sollte sich daran messen lassen, welchen konkreten Nutzen sie für die Allgemeinheit brachte. Dieses von der Aufklärung geprägte Reformprogramm ist als „Josephinismus“ in die Geschichte eingegangen.

Krönung des Erzherzogs Joseph zum römisch-deutschen König im Kaiserdom St. Bartholomäus in Frankfurt.
Quelle: Wikimedia

Kirche, Bauern und Adel: Joseph II. ordnet den Staat neu

Auch die Kirche sollte nach möglichst einheitlichen und effizienten Regeln funktionieren. Gleichzeitig wollte Joseph II. den Einfluss des Staates auf kirchliche Institutionen deutlich ausbauen. Doch die Kirche war nur ein Schauplatz unter vielen: Joseph II. wandte dieselbe Nützlichkeitslogik auf nahezu alle Lebensbereiche an. Während seiner Regentschaft schaffte er die Leibeigenschaft der Bauern ab, führte mit dem Toleranzpatent erstmals eine eingeschränkte Religionsfreiheit für Protestanten und Orthodoxe ein, schaffte die Folter ab und ließ auch den Adel erstmals Steuern zahlen.

Diese Kontrolle reichte bis in den religiösen Alltag der Menschen. Feiertage, Wallfahrten und Prozessionen wurden eingeschränkt, Bruderschaften aufgehoben und selbst Details kirchlicher Zeremonien geregelt. Besonders weitreichend waren jedoch seine Reformen der Klöster und Pfarren.

Gesellschaftlicher Nutzen statt streng religiöser Praktiken

Klöster, deren Mitglieder Schulen betrieben, Kranke versorgten, predigten oder in der Pfarrseelsorge tätig waren, hatten bessere Chancen weiterzubestehen. Anders sah es bei Orden aus, deren Mitglieder sich hauptsächlich dem Gebet und dem Leben innerhalb des Klosters widmeten. Am 12. Jänner 1782 erließ Joseph II. ein erstes großes Dekret zur Aufhebung solcher „beschaulicher Klöster“. Betroffen waren zunächst vor allem Orden, die besonders zurückgezogen lebten. Dazu gehörten etwa die Kartäuser: Ihre Mönche verbrachten einen Großteil ihres Lebens in einzelnen Zellen, die sie nur selten verließen, und lebten weitgehend im Schweigen. Auch verschiedene Eremitenorden sowie mehrere Frauenklöster, deren Alltag vor allem von Gebet und klösterlicher Abgeschiedenheit geprägt war, gerieten früh ins Visier der Reformen. 

Hunderte Klöster innerhalb weniger Jahre aufgehoben

1783 begann eine zweite und noch größere Phase der Klosteraufhebungen, die später auch als „Klostersturm“ bezeichnet wurde. Das Tempo war beispiellos: Innerhalb von nur fünf Jahren verschwanden mehrere hundert Klöster aus der Habsburgermonarchie. Besonders betroffen waren Einrichtungen, die sich rein auf kirchliche Zwecke beschränkt hatten.

Staatliche Kommissionen wurden eingesetzt, um die Klöster aufzulösen und ihren Besitz zu erfassen. Gebäude, Grundstücke und anderes Vermögen gingen anschließend in staatlich kontrollierte Verwaltung über oder wurden verkauft. Joseph II. baute mit dem Geld der aufgelösten Klöster gezielt jene kirchlichen Strukturen, die er für gesellschaftlich wertvoll und „nützlich“ hielt.

Die Gebäude verschwanden dabei nicht. Ehemalige Klosteranlagen wurden teilweise für andere Zwecke verwendet, etwa als Spitäler, Armenhäuser, Kasernen oder Fabriken.

50 Männerklöster und elf Frauenkonvente in Niederösterreich betroffen

Besonders deutlich hinterließ die Reform ihre Spuren in Niederösterreich. Hier wurden insgesamt 50 Männerklöster und elf Frauenkonvente dauerhaft aufgehoben.

Darunter befanden sich teilweise bedeutende und jahrhundertealte Einrichtungen. Aufgehoben wurden unter anderem die Kartausen Aggsbach, Gaming und Mauerbach, das Benediktinerstift Klein-Mariazell, die Augustiner-Chorherrenstifte St. Pölten, Dürnstein und St. Andrä an der Traisen, die Propstei Ardagger, die Dominikaner in Krems sowie das Zisterzienserstift Säusenstein.

Das Vermögen der Klöster finanzierte neue Pfarren

Joseph II. ließ gleichzeitig das Pfarrwesen ausbauen. Am 28. Februar 1782 wurde dafür der sogenannte Religionsfonds geschaffen. In diesen floss das Vermögen der aufgehobenen Klöster. Mit dem Geld wurden unter anderem die Gehälter von Pfarrern und Kaplänen sowie neue Pfarren finanziert.

Das Ziel war ein dichteres Netz an Seelsorgestellen. Auch auf dem Land sollte nach den Vorstellungen Josephs II. niemand länger als ungefähr eine Stunde zu Fuß bis zur zuständigen Pfarrkirche benötigen. In Niederösterreich ging die Klosterreform deshalb mit einer umfassenden Neuordnung der kirchlichen Strukturen einher. Die Pfarren wurden neu organisiert und auch die kirchliche Landkarte selbst veränderte sich. Niederösterreich unterstand bis dahin größtenteils dem Bistum Passau in Bayern. Joseph II. beendete diese jahrhundertealte Zuständigkeit und gründete 1785 ein eigenes Bistum in St. Pölten. Der neue Bischof zog dabei in ein Gebäude ein, das bis kurz zuvor selbst ein Kloster gewesen war: das Augustiner-Chorherrenstift St. Pölten, dessen klösterliche Gemeinschaft Joseph II. aufgelöst hatte.

Joseph II. schaffte also auf der einen Seite zahlreiche Klöster ab und investierte auf der anderen Seite in neue Pfarren. Die Kirche sollte nach seinen Vorstellungen stärker dem Staat untergeordnet sein und eine konkrete Aufgabe für die Bevölkerung erfüllen.

Widerstand gegen Joseph II. wächst

Mit seiner Kirchenpolitik machte sich Joseph II. allerdings nicht nur Freunde. Besonders seine Eingriffe in religiöse Traditionen und das kirchliche Leben stießen sowohl innerhalb der Kirche als auch in Teilen der Bevölkerung auf massiven Widerstand. Denn was Joseph II. hier tat, war keine bloße Verwaltungsreform. Es war ein offener Angriff auf die katholische Kirche als eine der mächtigsten Institutionen Europas, die im 18. Jahrhundert über enormen politischen und wirtschaftlichen Einfluss verfügte. Klöster waren seit Jahrhunderten unangetastete Machtzentren. Dass Joseph II. sich anmaßte, über ihre Existenz zu entscheiden, war ein Bruch mit der bestehenden Ordnung.

Papst Pius VI. reiste nach Österreich

Wie ernst der Papst die Lage nahm, zeigt ein einmaliges Ereignis: Erstmals in der zweitausendjährigen Geschichte des Papsttums reiste 1782 ein Papst nach Österreich. Er blieb einen ganzen Monat in Wien, um Joseph II. persönlich zum Einlenken zu bewegen, doch es half nichts: Trotz des päpstlichen Besuchs hielt Joseph II. an seiner Kirchenpolitik fest.

Das Stift Lilienfeld ist eine Abtei in Niederösterreich
Quelle: Wikimedia, Stefan Bauer, http://www.ferras.at – Eigenes Werk

Im Winter 1789/90, todkrank und mit dem drohenden Zerfall der Monarchie konfrontiert, ließ sich Joseph II. von seinen Beratern noch kurz vor seinem Tod dazu bewegen, einige Reformen zurückzunehmen – bestehen blieben am Ende nur das Toleranzpatent, das erstmals auch Protestanten und Orthodoxen eine eingeschränkte, aber offizielle Religionsausübung erlaubte sowie die zentralen kirchlichen Reformen und die Aufhebung der Leibeigenschaft.

Ehemalige Klöster als beliebte Ausflugsziele

In Niederösterreich sind die Folgen seiner Kirchenpolitik bis heute sichtbar. Ehemalige Klöster wie die Kartause Gaming, die Kartause Aggsbach oder das Stift Dürnstein sind heute beliebte Ausflugsziele und erinnern an die Klosteraufhebungen unter Joseph II.

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Kommentare 2

  1. Dr. Roman Lahodynsky, Geologe, Uni-Assistent i.R. (Institut für Sicherheits-& Risikowissenschaften der BOKU) says:
    1 Monat her

    Das Kloster Neuberg an der Mürz konnte sich, zumindest teilweise, dem Vermögenseinzug entziehen. Abt Benedikt Schulz, in Kenntnis der geplanten Klosteraufhebungen, verkaufte 1781 die Reichenauer Eisenwerke an die Innerberger Hauptgewerkschaft, Vorläufer der Österreichisch-Alpinen Montangesellschaft. Sie war das größte Industrieunternehmen Österreichs, zu dem nicht nur der Bergbau in Eisenerz, sondern viele Hochöfen, Hammerwerke, Holzflößung und Holzkohlenerzeugung gehörten. In klösterlichem Besitz befand sich auch das Eisenbergwerk Grillenberg in Payerbach samt großen Waldflächen. Besonders an diesem Holzreichtum war das Eisenproduktions- und Vermarktungsunternehmen interessiert, welches vom Kammergrafenamt in Innerberg / Eisenerz verwaltet wurde und 1783 ins Eigentum der Stadt Steyr überging. Das Eisenbergwerk Grillenberg ist ein leider kaum bekanntes Schaubergwerk in Niederösterreich, das 1991/92 von der Geoschule Payerbach wiedergewältigt wurde. https://schaubergwerk.com. Die Marktgemeinde Payerbach bietet interessante, besonders an heißen Tagen empfehlenswerte Bergwerksführungen an. https://payerbach.at/tourismus-und-freizeit/sehenswuerdigkeiten/schaubergwerk-payerbach

    Antworten
  2. Friedbacher Brunhilde says:
    4 Wochen her

    Geschichtlich großes Interesse!

    Antworten

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