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Home Geschichte

Joseph Haydn: Ein Dorfkind aus Niederösterreich wird zum Klassik-Superstar

Lisa Schauer von Lisa Schauer
24. September 2026
in Geschichte
Lesezeit: 6 min zum Lesen
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Portrait von Joseph Haydn

Der weltberühmte Komponist Joseph Haydn verbrachte seine Kindheit in Niederösterreich. Bild: Thomas Hardy / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 3.0 https://commons.wikimedia.org/w/index.php?search=josef+haydn&title=Special%3AMediaSearch&type=image

Rohrau, Hainburg, Mannersdorf: Niederösterreich war für Joseph Haydn mehr als sein Geburtsort. Hier verbrachte der spätere Komponist seine frühe Kindheit, erhielt seine erste musikalische Ausbildung und machte wichtige Schritte auf seinem Weg zu einem der bekanntesten Musiker Europas. Später führte ihn sein Weg nach Wien, an den Esterházy-Hof und schließlich bis nach London. In Niederösterreich lebt die Erinnerung an Haydn in der nach ihm benannten Haydnregion weiter. Konzerte und eine Dauerausstellung in seinem Geburtshaus halten sein Werk bis heute lebendig.

Rohrau: Kindheit in einfachen Verhältnissen

Am 31. März 1732 wurde Franz Joseph Haydn in Rohrau geboren. Das kleine Dorf liegt heute im Bezirk Bruck an der Leitha, nahe der Grenze zum Burgenland. Dort wuchs er in einem schlichten Handwerkerhaus auf. Sein Vater Mathias arbeitete als Wagnermeister und später Marktrichter, seine Mutter als Köchin bei der gräflichen Familie Harrach. Von zwölf Geschwistern erreichten nur sechs das Erwachsenenalter.

Die Familie war keine klassische Musikerfamilie. Sein Vater spielte zwar Harfe, vor allem aber wurde im familiären Umfeld viel gesungen. Schon früh fiel dabei Haydns musikalische Begabung auf. Für seinen weiteren Weg sollte schließlich ein Verwandter entscheidend werden.

Abbild von Haydns Geburtshaus in Rohrau
Joseph Haydns Geburtshaus in Rohrau. Bildquelle: Wikimedia Commons / CC-BY-SA 3.0 https://commons.wikimedia.org/w/index.php?search=Haydn+Geburtshaus&title=Special%3AMediaSearch&type=image

Hainburg: Erste musikalische Schritte und Förderung durch Johann Mathias Franck

Mit etwa sechs Jahren, um 1737, kam Haydn nach Hainburg, ebenfalls im heutigen Bezirk Bruck an der Leitha. Sein Verwandter Johann Mathias Franck, Lehrer und Chorleiter, nahm ihn bei sich auf und förderte seine Ausbildung. In der Schule erhielt er seinen ersten systematischen Musikunterricht. Er lernte zu singen, Noten zu lesen und verschiedene Instrumente zu spielen.

Sein Leben während der Ausbildung hatte allerdings wenig mit einer behüteten Kindheit zu tun. Von seinen Eltern getrennt, lebte der junge Haydn unter schwierigen Bedingungen. Er litt unter Hunger sowie schlechter Kleidung und war einer harten Behandlung bis hin zu körperlicher Züchtigung ausgesetzt.

Gleichzeitig öffnete sich in Hainburg eine entscheidende Tür. Um 1739/1740 suchte der Wiener Domkapellmeister Georg Reutter geeignete Sängerknaben für den Stephansdom. Haydn fiel durch seine Ausbildung bei Franck als guter Sänger auf. Reutter holte ihn im Alter von acht Jahren nach Wien.

Haydn wird Sängerknabe in Wien

Im Sommer 1740 übersiedelte Haydn nach Wien und wurde in das Kapellhaus am Stephansdom aufgenommen. Dort lebte und sang er gemeinsam mit anderen Chorknaben und erhielt neben dem täglichen Kirchendienst weiteren Musikunterricht. Ein umfassender Kompositionsunterricht stand allerdings nicht auf dem Lehrplan. Vieles eignete er sich später selbst an, unter anderem durch das Studium der Partituren anderer Künstler.

1749 veränderte sich Haydns Stimme durch den Stimmbruch so sehr, dass er schließlich nicht mehr für den Knabengesang geeignet war. Über seine veränderte Stimme soll Maria Theresia spöttisch bemerkt haben: Der Junge singe nicht mehr, er „krähe“. Haydn musste das Sängerknabeninstitut verlassen und stand plötzlich ohne feste Anstellung und ohne gesichertes Einkommen da. Er schlug sich zunächst als freier Musiker durch, spielte bei Auftritten und perfektionierte seine musikalische Ausbildung weitgehend selbstständig weiter.

Rückkehr nach Niederösterreich: Ein musikalischer Sommer mit Nicola Porpora in Mannersdorf

In dieser Zeit arbeitete Haydn bei Nicola Porpora, einem italienischen Komponisten und Gesangslehrer, als Begleiter und Diener und kam dadurch mit dem Unterricht des erfahrenen Musikers in Kontakt. 1753 kehrte er nach Niederösterreich zurück und verbrachte gemeinsam mit Porpora einen Sommer in Mannersdorf an der Leitha. Dort traf Haydn auf adeliges und musikalisches Publikum und konnte sich als Musiker zunehmend einen Namen machen.

Kapellmeister bei Familie Esterházy

Der entscheidende Karriereschritt folgte 1761: Haydn trat in den Dienst der Familie Esterházy. Unter Gregor Joseph Werner wurde er zum Vizekapellmeister ernannt. Damit begann seine jahrzehntelange Verbindung mit einem der bedeutendsten Adelshäuser der Habsburgermonarchie. Am Esterházy-Hof in Eisenstadt erhielt Haydn eine feste Anstellung, ein eigenes Orchester und regelmäßige Aufträge. Er komponierte Sinfonien, Kammermusik, Opern und geistliche Werke und leitete musikalische Aufführungen. Als Angestellter des Hofes hatte Haydn allerdings viele Pflichten und nur begrenzte Freiheit. Gleichzeitig bot ihm die abgeschirmte Umgebung die Möglichkeit, sich intensiv seiner Musik zu widmen und seinen eigenen Stil weiterzuentwickeln. Im Orchester konnte er neue Ideen unmittelbar ausprobieren und mit den Musikern einstudieren.

Seinen Humor behielt er trotz der eingeschränkten Freiheit bei. So wehrte er sich etwa mit der „Abschiedssinfonie“ gegen eine Anweisung des Fürsten. Nachdem dieser den Musikern das Nachhausegehen verweigert haben soll, ließ Haydn während des letzten Satzes einen Musiker nach dem anderen seine Sachen packen, die Kerze löschen und die Bühne verlassen. Schließlich blieben nur noch zwei Geiger des Orchesters zurück. Die Botschaft zeigte offenbar Wirkung, die Musiker durften nach Hause.

Nach Werners Tod 1766 wurde Haydn erster Kapellmeister und stand damit an der Spitze der Hofmusik. Gleichzeitig blieb er Teil der höfischen Hierarchie und durfte seine Werke nicht nach Belieben veröffentlichen.

Haydns Reisen und Erfolge in London

Haydns Ruf verbreitete sich schließlich weit über den Esterházy-Hof hinaus. Nach dem Tod des Fürsten Nikolaus Esterházy 1790 wurde er von seinen bisherigen Hofpflichten weitgehend entbunden. Er blieb zwar im Dienst der Familie, erhielt aber deutlich mehr Freiheiten. Ende 1790 reiste Haydn gemeinsam mit dem Geiger Johann Peter Salomon nach London. Dort wurde seine Musik vor großem öffentlichen Publikum gespielt und seine Konzerte waren gut besucht. Der inzwischen berühmte Komponist wurde auch als Persönlichkeit wahrgenommen. Von seinen Pockennarben gezeichnet, war Haydn selbst überrascht, dass er in London die Aufmerksamkeit von Frauen auf sich zog. 1792 kehrte er nach Wien zurück, bevor er 1794 erneut nach London reiste. Dort entstanden berühmte Werke wie die „Londoner Sinfonien“ und die Sinfonie Nr. 94 mit dem „Paukenschlag“.

Kaiserhymne „Gott erhalte Franz den Kaiser“

Haydn war nicht nur Komponist, sondern bewegte sich in einer Welt, in der Musik eng mit Politik und gesellschaftlicher Macht verbunden war. So kam es, dass die Melodie für eine der bekanntesten österreichischen Hymnen von einem Komponisten geschaffen wurde, dessen musikalischer Weg in Niederösterreich begonnen hatte. 1797 komponierte Haydn die Melodie zu „Gott erhalte Franz den Kaiser“, der österreichischen Kaiserhymne. Der Text stammte von Lorenz Leopold Haschka und war Kaiser Franz II. gewidmet. Österreich befand sich zu dieser Zeit im Krieg mit dem revolutionären Frankreich. In Wien sollte die Hymne ein Zeichen für Zusammenhalt und Verbundenheit mit dem Kaiser setzen. Auf dieselbe Melodie schrieb August Heinrich Hoffmann von Fallersleben 1841 das „Deutschlandlied“. 1922 erklärte Reichspräsident Friedrich Ebert das Lied zur deutschen Nationalhymne der Weimarer Republik.

Joseph Haydns letzte Jahre in Wien

Nach seinen großen Erfolgen in London kehrte Haydn endgültig nach Wien zurück und verbrachte dort seine letzten Jahre weitgehend zurückgezogen. Noch einmal entstanden bedeutende Werke wie „Die Schöpfung“ und später „Die Jahreszeiten“. Schließlich war er körperlich so geschwächt, dass er nicht mehr arbeiten konnte. Haydn starb am 31. Mai 1809 im Alter von 77 Jahren in Wien. Im Totenprotokoll der Pfarre Gumpendorf wurde „Entkräftung“ vermerkt, in der damaligen Wiener Zeitung war von „Altersschwäche“ die Rede. Spätere Mediziner versuchten deshalb überlieferte Beschwerden nachträglich bestimmten Krankheiten zuzuordnen. Diese Diagnosen beruhen jedoch auf historischen Beschreibungen. Welche konkrete Erkrankung letztlich zu Haydns Tod führte, bleibt daher unklar.

Haydns Leichnam wurde zunächst in Wien beigesetzt. Nur wenige Tage später wurde sein Schädel heimlich aus dem Grab gestohlen. Dahinter standen Anhänger der damals verbreiteten Phrenologie, die glaubten, aus der Form des Schädels Rückschlüsse auf geistige Fähigkeiten und Genialität ziehen zu können. 1820 ließ Fürst Esterházy Haydns sterbliche Überreste nach Eisenstadt überführen. Bei der Öffnung des Grabes stellte sich heraus, dass der Schädel fehlte. Erst 1954, 145 Jahre nach Haydns Tod, wurde der Schädel schließlich nach Eisenstadt gebracht und mit den übrigen sterblichen Überresten vereint.

Haydnregion Niederösterreich: Geburtshaus in Rohrau bis heute erhalten

In Niederösterreich erinnert noch heute Haydns erhaltenes Geburtshaus in Rohrau an den Komponisten. Eine Dauerausstellung widmet sich seiner Kindheit und seinen frühen Jahren. Das ehemalige Elternhaus ist heute Teil der Haydnregion Niederösterreich und dient als Veranstaltungsort mit eigenem Konzertsaal. Auch Hainburg trägt mit der Haydn-Bibliothek im ehemaligen Schulhaus, dem Haydn-Brunnen, der Haydn-Orgel der Stadtpfarrkirche und einem weiteren Haydn-Wohnhaus zur Erinnerung an den Komponisten bei. Mit diesen Konzerten, Gesprächen und weiteren Veranstaltungen wird seine Geschichte in der Region lebendig gehalten. Am 18. Oktober 2026 steht etwa eine „Haydn-Serenade“ auf dem Programm.

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Lisa Schauer

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