Wo heute Weinreben, Felder und Kellergassen das Landschaftsbild prägen, erstreckte sich vor Millionen Jahren ein tropisches Meer. Die Spuren dieser maritimen Vergangenheit finden sich noch heute im Weinviertel – in Steinbrüchen, Fossilien und tief unter der Erde.
Wer durch das Weinviertel fährt, denkt wohl kaum daran, dass hier einst Haie, Seekühe und Krokodile lebten. Und doch erzählt die Landschaft eine Geschichte, die weit zurückreicht. Rund um Eggenburg, Retz und Korneuburg setzte vor rund 20 Millionen Jahren eine bedeutende marine Überflutung ein. Das Meer drang dabei weit nach Westen vor und Niederösterreich war von Küsten, seichten Meeresbuchten und Lagunen geprägt.

Eggenburg: Wo heute Wein wächst, war einst Meeresküste
Heute ist die niederösterreichische Stadt Eggenburg vor allem für ihre mittelalterliche Altstadt und ihre Weinkultur bekannt. Vor rund 20 Millionen Jahren lag sie jedoch am Rand einer Meeresbucht, wie zahlreiche Fossilien bezeugen. Das Krahuletz-Museum in Eggenburg bewahrt unter anderem die Überreste mehrerer Seekühe und das berühmte „Eggenburger- Krokodil“ auf. Beide Arten lebten vor etwa 20 Millionen Jahren gemeinsam mit Haien an den Flussmündungen am Rand des tropischen Eggenburger Meeres.

Ein Austernriff mitten im Weinviertel
In Stetten liegt ein weiteres Zeugnis des ehemaligen Meeres: das weltgrößte fossile Austernriff. Die Austern lebten dort vor rund 16,5 Millionen Jahren in einem tropischen, flachen Meeresbereich. Deshalb lassen sich dort heute noch zahlreiche Spuren dieser vergangenen Meereswelt entdecken. Nach Vorarbeiten in den 1970er Jahren wurden 2006, innerhalb mehrer Monate, auf einer Fläche von rund 400 Quadratmetern mehr als 15.000 fossile Riesenaustern freigelegt. Neugierige Besucherinnen und Besucher können das ausgegrabene Austernriff in der Fossilienwelt in Stetten bestaunen.

Wenn schon in der Fossilienwelt, dann kann man auch noch einen Abstecher zur größten fossilen Perle der Welt machen. Sie hat einen Durchmesser von 4,5 Zentimetern und ihr Alter wird auf 16,5 Millionen Jahre geschätzt.
Granitfelsen als Zeugen einer uralten Küste
Die Kogelsteine bei Grafenberg bestehen aus Granit und sind älter als das Meer, das sie vor 20 Millionen Jahren umspülte. Die Steine ragten als Inseln aus dem Meer hervor und marine Sedimente lagerten sich rund um diese alten Gesteinskörper ab. In Steinbrüchen rund um Zogelsdorf und Limberg lassen sich in den Kalk- und Kalksandsteinen zahlreiche Fossilien finden, die davon zeugen.

Heute schwimmen die Haie längst nicht mehr durch das Weinviertel. Seekühe gibt es hier schon seit Millionen Jahren nicht mehr und vom tropischen Klima ist nichts mehr zu spüren. Aber die Vergangenheit ist nicht wirklich verschwunden.
Sie steckt in den Fossilien von Eggenburg, in den Gesteinen rund um Zogelsdorf, in den Granitfelsen bei Grafenberg und im gewaltigen Austernriff von Stetten. Wer genauer hinsieht, kann in der heutigen Landschaft noch immer Spuren jener Zeit entdecken, als Niederösterreich ein völlig anderes Gesicht hatte.
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