Die Donau spielt seit jeher eine zentrale Rolle für die Menschen, die sich an ihren Ufern angesiedelt haben. Das galt auch für die Römer. Unter Kaiser Augustus gelangte das Gebiet des heutigen Niederösterreichs unter römische Herrschaft. Die Donau wurde zur nördlichen Grenze des Römischen Reiches, dem sogenannten Donaulimes. Erst kürzlich wurde in St. Pantaleon-Erla eine bislang unbekannte Römerstadt entdeckt. Wir nehmen diesen archäologische Fund zum Anlass, um dem niederösterreichischen Donaulimes einen zweiteiligen Streifzug zu widmen.

Der Donaulimes, die römischen Militärgrenze entlang der Donau, trennte die Römer einst geografisch von germanischen Gruppierungen, die sich im Norden angesiedelt hatten – wie die Markomannen. Im Sinne der Grenzsicherung entstand entlang der Donau ein dichtes Netz aus Kastellen, Legionslagern, Wachtürmen und Straßen. Gleichzeitig war die Donau ein wichtiger Verkehrsweg für Menschen, Waren und Soldaten – davon zeugt der niederösterreichische Abschnitt des Donaulimes bis heute eindrücklich.
Neue Entdeckung am Donaulimes: 1.800 Jahre alte Römerstadt in Amstetten
Nahe der oberösterreichischen Grenze, genauer gesagt in St. Pantaleon-Erla im Bezirk Amstetten, wurde nun eine archäologische Entdeckung gemacht. Forschende haben mithilfe geophysikalischer Messungen, also ohne großflächige Ausgrabungen, die Strukturen einer bislang unbekannten römischen Siedlung sichtbar gemacht. Gemunkelt wird, dass es sich dabei um den Ort Claudivium handeln könnte. Zu erkennen sind unter anderem ein regelmäßiges Straßenraster und ein Amphitheater. Nach ersten Schätzungen könnte letzteres rund 8.000 Zuschauerinnen und Zuschauern Platz geboten haben.
Pöchlarn als Stützpunkt der römischen Donauflotte
Weiter flussabwärts liegt Pöchlarn, das in römischer Zeit Arelape genannt wurde. Vom 1. bis ins 5. Jahrhundert befand sich hier ein römischer Militärstützpunkt. Je nach Phase waren dort schätzungsweise 500 bis 1.000 Soldaten stationiert. Zudem spielte Arelape eine wichtige Rolle für die römische Donauflotte.
Die Lage am Fluss bot günstige Bedingungen für die Schifffahrt und das Anlegen von Schiffen. Die Donau war damals noch nicht reguliert und das wurde dem Kastell in späteren Jahrhunderten zum Verhängnis: Hochwässer rissen in nachrömischer Zeit rund zwei Drittel des ehemaligen Lagers mit sich. Die noch erhaltenen Überreste, sowie außergewöhnliche Artefakte wie eine intakte Öllampe sind im Römer Museum Pöchlarn zu bestaunen.

Prachtvolle Wachtürme in der Wachau
Heute ist die Wachau vor allem für ihre Weinberge, historischen Orte und malerische Landschaft bekannt. Auch den Römern schien es hier gefallen zu haben: mehrere Wachtürme zeugen von ihrer Präsenz in der Umgebung. Viele davon sind nur mehr zu Teilen erhalten. Etwa in St. Lorenz oder St. Johann in Mauerthale wo die römischen Mauerreste im Laufe der Jahrhunderte in spätere Gebäude integriert wurden. Nicht so aber die Ruine des Wachturms in Bacharnsdorf. Sie gilt als der höchst noch erhaltene spätantike Wachturm am gesamten Donaulimes.

Mautern: Zwischen Fuhrwerken und Kastelltürmen
Nächster Stopp der Donaulimes (Zeit-)Reise: Mautern oder wie es die Römer nannten: Favianis. Heute ist die römische Kastelle, die hier vor knapp zweitausend Jahren erbaut wurde, nur mehr erahnbar. Über den Großteil der Überresten ruht nämlich mittlerweile die Mauterner Altstadt. Dabei gilt das sogenannte Castellum Favianis als eine der ersten Kastelle an der Donau.
Über die Jahrzehnte hinweg wurde die Festung, die im ersten Jahrhundert aus Holz gefertigt wurde, stetig erweitert. Etwa 120 nach Christus, als die Römer die Holzkastelle durch Steinbauten ersetzten und Platz für eine Reitereinheit von 1.000 Mann geschaffen haben. Später erweiterten die Römer die Kastelle mit vier Fächertürmen. Reste dieser Türme und der Kastellmauern stehen noch heute in Mautern. Weil das Römermuseum in der Stadt zurzeit neu gestaltet wird, ist im Rathaus die Übergangsausstellung „Favianis – das römische Mautern“ zu sehen, die das zivile Leben am Donaulimes thematisiert. Ein wichtiger Aspekt davon ist die Eugippius’ Lebensbeschreibung des Heiligen Severin, der Mitte des 5. Jahrhunderts hier wirkte.

Einige Kilometer südwestlich von Mautern liegt Mauternbach. Dort lohnt es sich, den Blick auf den Boden zu richten. Auf der heute noch nachvollziehbaren Römerstraße sind Spurrillen zu erkennen, die den Fuhrwerken bei der Fahrt über den steilen Abschnitt zusätzlichen Halt gaben. Die Spurweite beträgt einheitlich 1,10 Meter und lässt vermuten, dass schon die Römer ihre Straßen und Transportmittel genormt haben.
Mit Mautern ist etwa die Mitte des niederösterreichischen Donaulimes erreicht. Östlich der Flussrichtung befinden sich Traismauer, Tulln, Zeiselmauer, Klosterneuburg und die bekannte Militärstadt Carnuntum. Was diese Orte mit den Römern verbindet, beleuchten im zweiten Artikel dieser Serie.
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