Rekordtemperaturen und extreme Trockenheit machen auch Wildtieren zu schaffen. Mit Wasserstellen, Rückzugsorten und heimischen Pflanzen können Gartenbesitzerinnen und -besitzer ganz einfach dazu beitragen, Insekten, Vögeln und anderen Tieren im eigenen Garten Schutz und Nahrung zu bieten.
Vielfalt im Garten schafft Lebensräume
Der heurige Sommer bringt extreme Hitzewellen und anhaltende Trockenheit. Die Gemeinde Bad Deutsch-Altenburg in Niederösterreich knackte mit 41,2 Grad sogar den österreichischen Rekord für die höchste jemals aufgezeichnete Temperatur. Ausgetrocknete Böden, fehlende Wasserstellen und immer weniger geschützte Rückzugsorte belasten nicht nur Menschen, sondern erschweren auch Tieren und Insekten das Überleben. Ein vielfältiger, nachhaltiger Garten kann jedoch kleine Rettungsinseln schaffen und Wildtieren direkt vor der Haustüre helfen.
„Davon profitieren auch Gartenbesitzer, denn Wildbienen, Schmetterlinge und andere Bestäuber fördern das Gedeihen von Obst, Gemüse und Blumen. Igel halten Schnecken, Larven und Käfer ganz ohne Chemie in Schach. Das trägt zum natürlichen Gleichgewicht im Garten bei“, erklärt der Österreichische Tierschutzverein.
Schottergärten vermeiden: Blumen und Pflanzen statt Kies
Schotterflächen versprechen weniger Mähen und Jäten, sind ökologisch aber problematisch. Kahle Kiesflächen bieten kaum Nahrung oder Verstecke und heizen sich im Sommer stark auf. Als sogenannte Hitzeinseln speichern sie Wärme und geben sie wieder ab. Gleichzeitig fehlt ohne Bepflanzung Lebensraum für Tiere.
Zur Umgestaltung eignen sich Steingartenpflanzen wie Fetthennen und Hauswurzen, die sich zwischen den Steinen etablieren und mit wenig Wasser und Nährstoffen sowie hoher Sonneneinstrahlung auskommen. Auch Sträucher, Büsche, Stauden und Ziergräser können gepflanzt werden. Wer den Schottergarten komplett zurückbaut, kann einen Teil der Steine zu einem Steinhaufen stapeln und damit in den Ritzen Platz für Eidechsen schaffen. Wer Glück hat, kann die in Niederösterreich heimische Zauneidechse, die wärmeliebende Smaragdeidechse (oft in der Wachau oder den Hainburger Bergen), die flinke Mauereidechse oder die anpassungsfähige Waldeidechse (Bergeidechse) im eigenen Garten beobachten.
Heimische Pflanzen statt exotischer, invasiver Arten
In Österreich gibt es rund 2.000 eingewanderte Pflanzen, rund 40 davon gelten als invasiv und verursachen ökologische Schäden. Sie wachsen schnell, bilden dichte Bestände und verdrängen heimische Arten. Dazu zählen etwa Kirschlorbeer, Japanischer Staudenknöterich und Weidenblatt-Akazie. Besser sind heimische Wildpflanzen. Sie liefern Nektar und Pollen und sind für Raupen und andere Tiere wichtig. Heimische, an das Klima angepasste Pflanzen brauchen zudem weniger Wasser, Dünger und Pflege.
Vielfältige Hecken schaffen Lebensraum für Tiere
Abgesehen von Unterschlupf bietet die beliebte Thujenhecke der heimischen Tierwelt kaum Vorteile. Außerdem ist sie sehr anfällig für Trockenheit. Ökologisch wertvollere Alternativen sind Eibe oder Stechpalme, deren Wildformen sogar heimisch sind. Eine Wildstrauchhecke mit Dirndlstrauch, Haselnuss, Prunus-Arten wie Schlehe und Kriecherl oder Holunder bietet Bienen ausreichend Nahrung. Auch Vögel finden dort bessere Nist- und Rückzugsmöglichkeiten. Dafür reicht es bereits, einzelne heimische Sträucher nach und nach zu ergänzen.
Rasen weniger mähen: Mähroboter als Gefahr für Igel
Der englische Rasen ist für viele Gartenbesitzerinnen und Gartenbesitzer das Symbol eines gepflegten Gartens. Für die Artenvielfalt ist ein kurz gemähter, einheitlicher Rasen allerdings deutlich weniger interessant als eine Wiese mit verschiedenen Pflanzen. Selteneres Mähen, eine höhere Schnitthöhe und einzelne wild wachsende Bereiche schaffen Nahrung und Verstecke. Dafür muss nicht der gesamte Rasen zur Blumenwiese werden. Schon ein Streifen entlang des Zauns, eine kleine Wieseninsel oder ein Bereich unter einem Baum kann stehen bleiben. Wichtig ist außerdem, nicht überall gleichzeitig radikal zurückzuschneiden.
Auch auf Mähroboter sollte besser verzichtet werden, da sie gerade für Igel zur Gefahr werden können. Die Tiere erkennen die Geräte oft nicht rechtzeitig und können sich bei einer Kollision schwer verletzen. Wer nicht auf die technische Hilfe verzichten möchte, sollte genau darauf achten, wann und wo das Gerät eingesetzt wird. Am besten ist es, weniger und bewusster zu mähen.
„Viele Rasen werden viel zu oft und zu kurz gemäht. Dadurch fehlen Blütenpflanzen, Verstecke und Nahrungsquellen für zahlreiche Insekten und Kleintiere“, bestätigt der Österreichische Tierschutzverein.
Wasserstellen im Garten helfen Tieren bei Trockenheit
2026 ist das bisher trockenste Jahr seit Messbeginn im Jahr 1850. Von Jänner bis Mitte August gab es auf 72 Prozent der österreichischen Landesfläche mehr trockene Tage als in jedem der vergangenen 65 Jahre. Wasserstellen sind deshalb besonders wichtig. Schon eine flache Schale bietet Vögeln, Insekten und kleinen Säugetieren eine willkommene Trinkmöglichkeit. Damit Insekten nicht ertrinken, sollten Steine, Holzstücke oder andere Ausstiegsmöglichkeiten vorhanden sein. Das Wasser sollte dabei regelmäßig gewechselt und nachgefüllt werden. Wer mehr Platz hat, kann auch einen kleinen Teich oder eine andere naturnahe Wasserstelle anlegen.
Laub, Äste und Totholz bieten Unterschlupf
Was für Menschen nach Gartenabfall aussieht, ist für Tiere wichtiger Lebensraum. Laub-, Reisig- und Totholzhaufen müssen deshalb nicht automatisch auf den Kompost oder zur Entsorgung. Sie bieten Igeln, Amphibien, Eidechsen und zahlreichen Insekten Verstecke. Auch Totholz erfüllt verschiedene Funktionen: Käferlarven, Wildbienen und andere Organismen finden darin Lebensraum, während das Holz langfristig wieder zu Humus wird. Es geht dabei nicht darum, den ganzen Garten sich selbst zu überlassen. Schon eine kleine, bewusst angelegte Ecke, in der Laub, Äste oder Totholz liegen bleiben dürfen, kann für Tiere den entscheidenden Unterschied machen.
Pflanzenschutz ohne Chemie: Nützlinge im Garten fördern
Blattläuse, Schnecken oder andere Tiere sind im Garten nicht automatisch Feinde. In einem funktionierenden Ökosystem stehen sie wiederum auf dem Speiseplan anderer Tiere. Marienkäfer, Schwebfliegen, Florfliegen, Schlupfwespen, Vögel und Igel können dabei helfen, ein natürliches Gleichgewicht herzustellen. Deshalb sollte man Nützlinge fördern und auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel verzichten. Für besonders hartnäckige Schädlinge wie Trauermücken und Blattläuse ist Neemöl eine bewährte, pflanzliche Option.
Nachhaltiger Garten: Schon kleine Veränderungen helfen der Artenvielfalt
Wichtig ist: Ein Garten muss nicht überall ordentlich und aufgeräumt aussehen. Brennnesseln, verblühte Pflanzen, Laub unter einem Strauch oder ein Asthaufen sind kein Zeichen für einen schlecht gepflegten Garten, sondern zeigen, dass dort Leben stattfindet. Je mehr unterschiedliche Strukturen vorhanden sind, desto mehr Lebewesen finden dort einen Platz. Bäume und Sträucher, Wildstauden, Blumenwiesen, Ast- und Laubhaufen, Steine, Feuchtbereiche und wilde Ecken bilden gemeinsam ein Mosaik verschiedener Lebensräume.
Auch wer seinen Garten gerne gepflegt und ordentlich mag, muss auf diese Vielfalt nicht verzichten: Schon kleine, bewusst naturnah gestaltete Bereiche lassen sich ganz einfach integrieren.







