Die Initiative „#NotarztRetzMussBleiben“ will die Schließung des Stützpunktes in Retz weiterhin nicht hinnehmen. Sie sucht nach Verbündeten, auch über Parteigrenzen hinweg. Denn es gehe um die Menschen und den Notfall. „Wir geben jetzt Gas“, sagt Gemeinderat Rudolf Preyer (Wir für Retz), dem eine Vereinsgründung vorschwebt.
Elf Stützpunkte vor dem Aus
Zur Erinnerung: Die Rotkreuz-Bezirksstelle in Retz soll ab dem Frühjahr 2027 kein Notarzt-Stützpunkt mehr sein. Betroffen sind neben Retz zehn weitere Standorte in Niederösterreich. Insgesamt sollen im Zuge der Reform elf Notarztstützpunkte im Bundesland geschlossen werden. Die Umstellung ist Teil des von der Landesregierung vorangetriebenen Gesundheitsplans 2040+, mit dem das Rettungswesen neu organisiert werden soll. Kritiker der Reform befürchten, dass in den betroffenen Regionen ohne gesichertes Ersatzmodell im Notfall längere Anfahrtszeiten drohen.
Gespräche mit der Landespolitik
Auf der Suche nach Verbündeten führte die Initiative zuletzt ein Gespräch mit SPÖ-Landesparteichef Sven Hergovich. Auch der Chef der SPÖ Niederösterreich setzt sich für die Erhaltung der Notarztstandorte ein und kündigte zuletzt eine rechtliche Prüfung der Schließungsbeschlüsse an. Auch die für die Umsetzung des neuen Notarztsystems zuständige Gesundheitslandesrätin Eva Prischl nahm an diesem Gespräch teil. Das Zusammentreffen sei konstruktiv verlaufen, schildert Preyer:
„Im Austausch wurde klar: Der Notarzt in Retz ist unverzichtbar.“
Hergovich habe die notfallmedizinische, infrastrukturelle und regionale Bedeutung des Standorts anerkannt und zugesichert. Er werde die Bemühungen zur Sicherung des Notarztsystems in Retz unterstützen. Die SPÖ lädt zudem am 30. September zu einer Veranstaltung nach Zellerndorf ein. Dort soll ein Notarzt über die Zukunft des Rettungssystems sprechen.
Bürgerdiskussion geplant
Die Retzer Initiative plant für Oktober eine eigene Veranstaltung. Dazu sollen alle in Retz vertretenen Parteien aufs Podium eingeladen werden. Außerdem werden alle Bürgerinnen und Bürger zur Diskussion eingeladen.
„Wir geben jetzt Gas, weil der April 2027 bald da ist – und vorbei ist vorbei“,
sagt Preyer. Die Schließung will er definitiv nicht hinnehmen, zumal derzeit keine brauchbare Ersatzlösung in Sicht sei. „Das wird heavy“, sieht er das Notfallsystem in Gefahr.
Die Wurzeln der Arbeitsgemeinschaft „#NotarztRetzMussBleiben“ liegen in der Bürgerliste „Wir für Retz“, die personellen Überschneidungen sind entsprechend groß. Man arbeite zudem mit anderen Initiativen zusammen, die sich im Zuge der Debatte rund um die Notarztstützpunkt-Schließungen und den Gesundheitsplan 2040+ formiert haben.
„Das ist eine Sauerei!“
Preyer hält es für wichtig, in der Angelegenheit aktiv zu bleiben:
„Egal, mit wem du am Stammtisch redest, alle sagen: Das ist eine Sauerei, das ist ein Wahnsinn. Und das fast parteiübergreifend.“
In der Öffentlichkeit setze sich aber kaum jemand aktiv für die Sicherung des Notfallsystems ein.
„Es ist halt fürchterlich, dass sich die Menschen alles gefallen lassen“,
meint der Retzer. Für sein politisches Engagement habe er sich bewusst entschieden: Die Älteren hätten nichts mehr zu verlieren, er könne es sich leisten, offen zu reden. Überlegt wird derzeit, die Initiative in einen Verein umzuwandeln – auch weil sich über den Notarztstützpunkt hinaus in Retz einiges tut. Die Stadtgemeinde will das Hotel Althof an das Land Niederösterreich verkaufen. Zudem wird in der Weinstadt die Landesausstellung 2030 ausgerichtet. Das seien Jahrhundertthemen und eine Mega-Chance. Hier müsse man sich einbringen. Man könne nicht immer auf der Ersatzbank sitzen, sondern müsse das Spiel mitgestalten.







