Die Grundwasserstände sind in weiten Teilen Österreichs niedrig. Gleichzeitig entnehmen einzelne Industriebetriebe jedes Jahr Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Boden. Drei der zehn größten Grundwasserverbraucher Österreichs sind in Niederösterreich ansässig. Zusammen kommen sie auf einen Wasserverbrauch von fast 64 Millionen Kubikmeter pro Jahr.
Grundwasser ist für die Trinkwasserversorgung in Österreich besonders wichtig. Doch die Reserven werden zunehmend knapper. Ende Juni 2026 zeigten österreichweit 78 Prozent der untersuchten Messstellen niedrige oder sehr niedrige Grundwasserstände.
Gleichzeitig benötigt auch die Industrie große Mengen Grundwasser. Eine Greenpeace-Recherche zu den größten industriellen Grundwasserverbrauchern Österreichs zeigt: Unter den zehn größten Entnehmern befinden sich gleich drei Unternehmen mit Standorten in Niederösterreich. Die folgenden Zahlen stammen aus dieser Erhebung.
Wasserverbrauch: Chemiewerk in Krems liegt österreichweit auf Platz eins
Mit deutlichem Abstand an der Spitze steht das Unternehmen Krems Chemie. Im Jahr 2013 wurde es in Metadynea Austria umbenannt und 2014 in den Sorcy Investment Trust integriert. Der Chemiebetrieb entnimmt 31,536 Millionen Kubikmeter Grundwasser pro Jahr. Das sind mehr als 86 Millionen Liter Grundwasser – jeden Tag. Damit war der Standort bei der Erhebung der größte industrielle Grundwassernutzer Österreichs. Zum Vergleich: Diese Menge entspricht etwa dem Eineinhalbfachen des jährlichen Wasserverbrauchs der gesamten Stadt Graz.
KremsChem produziert in Krems unter anderem Kunstharze und Leime für die Holz- und Bauindustrie sowie Feinchemikalien und Flammschutzmittel. Nach eigenen Angaben werden am Standort jährlich rund 400.000 Tonnen Produkte hergestellt.

Donau Chemie entnimmt knapp 19 Millionen Kubikmeter Wasser
Auch die Donau Chemie in Pischelsdorf gehört zu den größten Grundwasserentnehmern Österreichs und liegt auf Platz vier. 18,994 Millionen Kubikmeter werden dort pro Jahr aus dem Grundwasser entnommen. Das ist mehr als doppelt so viel, wie die gesamte Stadt Klagenfurt im selben Zeitraum benötigt.
Der Industriepark liegt bei Zwentendorf im Bezirk Tulln direkt an der Donau. Die Donau Chemie stellt dort unter anderem hochreine Schwefelsäure und Amidosulfonsäure her. Außerdem werden Aktivkohle wiederaufbereitet sowie Grund- und Spezialchemikalien gelagert und verteilt.
Auch OMV-Raffinerie Schwechat gehört zu den größten Wasserverbrauchern
Der dritte niederösterreichische Betrieb in den Top Ten der Wasserverbraucher ist die OMV in Schwechat. Für die Raffinerie wird eine jährliche Grundwasserentnahme von 13,212 Millionen Kubikmetern ausgewiesen.
In Schwechat verarbeitet die OMV Rohstoffe unter anderem zu Kraftstoffen und chemischen Ausgangsprodukten. In den vergangenen Jahren wurden am Standort zusätzlich Anlagen für chemisches Kunststoffrecycling und die Herstellung von grünem Wasserstoff errichtet.
Die Raffinerie liegt im südlichen Wiener Becken. Für diese Region wird bis 2050 ein besonders hohes Risiko für Wasserknappheit erwartet.
Fast 64 Millionen Kubikmeter Grundwasser pro Jahr
Zusammengerechnet kommen die drei niederösterreichischen Betriebe auf 63,742 Millionen Kubikmeter Grundwasser pro Jahr. Das sind knapp 64 Milliarden Liter.
Zum Vergleich: Das entspricht ungefähr dem jährlichen Wasserverbrauch von 1,4 Millionen Menschen. Niederösterreich hat rund 1,8 Millionen Einwohner:innen. Die drei Unternehmen entnehmen damit rechnerisch so viel Grundwasser, wie etwa vier von fünf Niederösterreicher:innen in einem Jahr verbrauchen.
Insgesamt entfällt rund ein Drittel des österreichischen Grundwasserverbrauchs auf die Industrie. Welche Betriebe wie viel Wasser entnehmen, ist bislang allerdings nur schwer öffentlich nachvollziehbar. Greenpeace fordert deshalb ein öffentliches Wasserentnahme-Register für Industrie und Landwirtschaft sowie eine Abgabe für industrielle Großverbraucher.
Niedrige Wasserstände auch an der Donau
Wie angespannt die Wassersituation in diesem Sommer ist, zeigt sich derzeit auch an der Donau. Ende Juli wurde beim Pegel Kienstock in der Wachau mit 110 Zentimetern ein historischer Tiefstand gemessen. Das Niedrigwasser beeinträchtigte unter anderem die Schifffahrt und die Stromproduktion der Wasserkraftwerke.
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