Frauen in Niederösterreich beziehen im Schnitt 1.678 Euro Alterspension im Monat. Das sind rund 1.100 Euro weniger als bei Männern. Die geschlechtsspezifische Pensionslücke beträgt damit 39,6 Prozent. Darauf macht der Equal Pension Day am 8. August aufmerksam: Bis zu diesem Tag haben Männer statistisch bereits jene Pensionssumme erhalten, die Frauen erst bis zum Jahresende beziehen. Verantwortlich dafür sind unter anderem niedrigere Einkommen, kürzere Arbeitszeiten und die nach wie vor ungleiche Verteilung unbezahlter Betreuungs- und Pflegearbeit.
Equal Pension Day zeigt Pensionsunterschiede: Frauen 145 Tage „ohne Pension“
Konkret bedeutet das: Männer beziehen in Niederösterreich im Schnitt eine Alterspension von rund 2.778 Euro. Frauen müssen mit 1.100 Euro weniger auskommen. Damit beträgt die Pensionslücke zwischen Frauen und Männern 39,6 Prozent. Am 8. August 2026 ist deshalb Equal Pension Day in Niederösterreich, zwei Tage später als im Vorjahr. Männer haben an diesem Tag statistisch bereits jene Pensionssumme erreicht, die Frauen erst bis zum Jahresende erhalten. Für Frauen bleiben damit rechnerisch noch 145 Tage, in denen sie „ohne Pension“ leben.
Österreichweit fällt der Equal Pension Day heuer auf den 9. August. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind groß: Während der Aktionstag in Vorarlberg bereits am 14. Juli stattfindet, erreicht Wien ihn erst am 21. September.
„Frauen sollen von ihrem Einkommen und von ihrer Pension leben können. Wir müssen die Lohn- und Pensionsschere schließen“, fordert die Gemeinderätin und Bezirksfrauenvorsitzende der SPÖ Krems, Elisabeth Kreuzhuber.
17,6 Prozent: Gender Pay Gap zeigt Lohnunterschiede am Arbeitsmarkt
Der Gender Pay Gap zeigt den durchschnittlichen Unterschied bei den Stundenlöhnen von Frauen und Männern. 2024 verdienten Frauen in Österreich pro Arbeitsstunde im Durchschnitt 17,6 Prozent weniger als Männer. Das bedeutet: Rechnet man die Bruttostundenverdienste aller Frauen und aller Männer zusammen, verdienen Frauen pro Stunde im Durchschnitt 17,6 Prozent weniger. Dabei werden jedoch nicht nur Menschen mit derselben Tätigkeit verglichen. In die Berechnung fließen auch Unterschiede bei Beruf, Branche, Position, Ausbildung, Alter und Arbeitszeit ein. Der Gender Pay Gap zeigt deshalb den gesamten Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern am Arbeitsmarkt
Pensionslücke entsteht bereits während des Berufslebens
Pensionslücken entstehen nicht erst mit dem Ruhestand. Entscheidend sind vor allem Einkommen und Versicherungszeiten während des Erwerbslebens. Wer über viele Jahre weniger verdient oder Teilzeit arbeitet, zahlt weniger Beiträge in das Pensionssystem ein. Das wirkt sich später direkt auf die Pension aus.
Ein wesentlicher Faktor ist der Gender Pay Gap. Im Februar lag der Unterschied bei den Bruttostundenverdiensten in Niederösterreich bei 11,5 Prozent. Österreich hat damit eine der höchsten Einkommenslücken in Europa. Bleibt das Tempo gleich, würde sich die Pensionslücke erst in rund 95 Jahren schließen.
Teilzeit senkt Einkommen und Pension
Auch die hohe Teilzeitquote von Frauen verstärkt die Pensionsunterschiede. Viele Frauen reduzieren ihre Arbeitszeit wegen Kinderbetreuung, fehlender Betreuungsangebote oder der Pflege von Angehörigen.
Laut Statistik Austria nennen 40,1 Prozent der Frauen Betreuungspflichten als wichtigsten Grund für Teilzeit. Bei Männern sind es nur 7,2 Prozent. Besonders deutlich zeigt sich der Unterschied bei Frauen zwischen 30 und 39 Jahren: Hier geben 71,9 Prozent Betreuungspflichten als Grund an.
Auch in Niederösterreich arbeiten mehr als 71 Prozent der unselbstständig beschäftigten Frauen mit mindestens einem Kind unter 15 Jahren in Teilzeit. Bei Männern liegt der Anteil bei rund sieben Prozent. Lange Teilzeitphasen senken nicht nur das laufende Einkommen, sondern später auch die Pensionshöhe.
Unbezahlte Care-Arbeit kostet später Pension
Neben der Erwerbsarbeit spielt auch unbezahlte Arbeit eine wichtige Rolle. Kinderbetreuung, Haushalt und Pflege von Angehörigen übernehmen weiterhin häufiger Frauen. Dadurch entstehen längere Erwerbsunterbrechungen oder reduzierte Arbeitszeiten. Diese Zeiten wirken sich langfristig auf die finanzielle Absicherung im Alter aus. Eine gerechtere Aufteilung von Familien- und Sorgearbeit sowie ein besseres Angebot bei Kinderbetreuung und Pflege können deshalb helfen, die Pensionslücke zu verringern.
Höheres Frauenpensionsalter bringt neue Herausforderungen
Seit 2024 wird das gesetzliche Pensionsalter für Frauen schrittweise erhöht und bis 2033 an jenes der Männer angeglichen. Je nach Geburtsdatum steigt es derzeit schrittweise von 60 auf 65 Jahre.
Mehr Erwerbsjahre können zwar höhere Pensionen ermöglichen. Voraussetzung dafür ist aber, dass Frauen bis zum Pensionsantritt im Arbeitsleben bleiben können. Gerade ältere Arbeitnehmerinnen stehen dabei vor Herausforderungen. Zwischen 60 und 64 Jahren sind 7,2 Prozent der Frauen arbeitslos. Ein höheres Pensionsalter kann daher auch eine längere Phase ohne Beschäftigung bedeuten.
Altersarmut betrifft besonders Frauen
Die Pensionslücke entscheidet mit darüber, wie viel Geld Menschen im Alter tatsächlich zur Verfügung haben. Besonders betroffen sind alleinlebende Pensionistinnen: 28 Prozent von ihnen gelten als armutsgefährdet. Bei alleinlebenden Pensionisten sind es 14 Prozent. Viele Frauen müssen im Alter auf Ersparnisse oder Unterstützung zurückgreifen, um steigende Kosten für Wohnen, Energie, Lebensmittel, Gesundheit und Pflege zu bewältigen.
Investitionen in Arbeitsmarkt, Kinderbetreuung und Pflege: Maßnahmen gegen die Pensionsschere
Um die Pensionsunterschiede zu verringern, fordert Elisabeth Kreuzhuber mehr Investitionen in den Arbeitsmarkt sowie bessere Rahmenbedingungen für Frauen. Dazu gehören mehr Lohntransparenz, ein Ausbau der Kinderbildung und eine bessere Unterstützung im Pflegebereich. Auch die seit 2026 mögliche Teilpension kann Menschen mit Pensionsanspruch helfen, länger im Berufsleben zu bleiben und gleichzeitig die Arbeitszeit zu reduzieren.
Die Arbeiterkammer fordert ebenfalls Maßnahmen gegen die Pensionsschere. Dazu zählen unter anderem eine bessere Anrechnung von Kindererziehungszeiten, mehr Kinderbetreuung, transparente Löhne und bessere Beschäftigungsmöglichkeiten für ältere Arbeitnehmer.
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