Die Neuorganisation des öffentlichen Verkehrs im Weinviertel West rückt die Arbeitsbedingungen des Buslenkerinnen und Buslenkern in den Fokus. Zeitdruck, Überstunden und Sommer-Ausdünnung setzen das Buspersonal zunehmend unter Druck. Gefordert sind nun Sozialstandards wie ganzjährige Beschäftigung, verpflichtende Übernahme bei Betreiberwechsel sowie bessere Infrastruktur während der Pausen.
Ausschreibung im westlichen Weinviertel sorgt für Unsicherheit
Ab 2027 startet das Projekt „Weinviertel West“ zur Neuorganisation des öffentlichen Verkehrs in der Region. Bahn, Regionalbusse und Anrufsammeltaxis sollen dabei zu einem integrierten Gesamtangebot verbunden werden. Für die das Buspersonal, konkret die Buslenkerinnen und Buslenker, bringt die geplante Neuorganisation allerdings auch Unsicherheit mit sich. Ein Betreiberwechsel kann für die Beschäftigten Veränderungen bei Arbeitsbedingungen, Einsatzplanung und Arbeitsplatzsicherheit bedeuten. Nach Schätzungen sind rund 100 bis 150 Lenker von der Ausschreibung betroffen.
Lange Dienste, unbezahlte Pausen und hoher Zeitdruck belasten Buspersonal
Die Arbeit der Fahrerinnen und Fahrer ist geprägt von unbezahlten Pausenzeiten, fehlender Gehaltsprogression und Fragen bei Zuschlagsregelungen. Gleichzeitig tragen die Lenker die Verantwortung für zahlreiche Fahrgäste. Dazu kommen noch die Belastungen des täglichen Linienbetriebs: Verkehr, Zeitdruck, Hitze und Konfliktsituationen mit Mitfahrenden gehören zum Berufsalltag. Lenkerinnen und Lenker können bis zu 15 Stunden am Tag eingesetzt werden, wobei Pausen teilweise von der Dienstzeit abgezogen werden.
Eine Studie der Universität Wien zeigte bereits 2024 mangelnde Zufriedenheit im Beruf. Demnach fühlen sich 60 Prozent der Befragten zu wenig wertgeschätzt, während 31,8 Prozent angeben, fast täglich Überstunden zu machen.
Ausgedünnter Fahrplan im Sommer erschwert ganzjährige Beschäftigung
Ein besonderes Problem sieht die Arbeitnehmervertretung in der Ausdünnung des Busverkehrs während der Sommermonate. Wenn die Schulen schließen, fallen zahlreiche Verbindungen weg. Damit sinkt gleichzeitig die Fahrleistung und die so verfügbare Arbeit für einen Teil des Fahrpersonals.
Derzeit kann nur rund ein Drittel der Lenker ganzjährig eingesetzt werden. Für die Betroffenen bedeutet das Unsicherheit darüber, ob sie auch in den Sommermonaten ausreichend beschäftigt sind. Gleichzeitig sind Kinder, Jugendliche, ältere Menschen und Personen ohne eigenes Auto auch im Sommer auf öffentliche Verbindungen angewiesen.
„Buslenkerinnen und Buslenker im Sommer beim AMS zu parken, darf kein Geschäftsmodell sein, mit dem man öffentliche Ausschreibungen gewinnt. Wir brauchen diese Fachkräfte – also müssen wir ihnen auch Bedingungen bieten, unter denen sie ihren Beruf gerne und langfristig ausüben können“, fordert der vida-Gewerkschaftsvorsitzende Horst Pammer in einer aktuellen Presseaussendung.
SPÖ NÖ und Gewerkschaft fordern verbindliche Sozialstandards
SPÖ NÖ und die Gewerkschaft sehen deshalb die Politik in der Pflicht als Besteller der öffentlichen Verkehrsleistungen nicht nur technische Vorgaben, sondern auch verbindliche Qualitäts- und Sozialstandards durchzusetzen. Was es braucht sind unter anderem ganzjährige Beschäftigung, eine verpflichtende Übernahme des Personals bei Betreiberwechseln sowie die Absicherung bereits erworbener Ansprüche. Außerdem sollen echte Pausen mit Zugang zu Toilette, Wasser und einem geschützten Aufenthaltsraum möglich sein. Eine Trennscheibe im Fahrerbereich soll künftig zum Schutz vor Übergriffen durch Fahrgäste dienen.
„Öffentlicher Verkehr wird mit öffentlichem Geld finanziert. Deshalb dürfen wir öffentliche Verantwortung erwarten: Gute Verbindungen für die Bevölkerung und gute, sichere Arbeitsplätze für jene, die diese Verbindungen jeden Tag möglich machen“, verdeutlicht Kontroll-Landesrat und SPÖ NÖ-Landesparteivorsitzender Sven Hergovich.







