Maria Emhart stammte aus armen Verhältnissen im Raum St. Pölten und wurde zu einer zentralen Akteurin der Sozialdemokratie in Niederösterreich und Salzburg. Ihr Weg führte sie von der Fabrikarbeit über den Widerstand gegen Austrofaschismus und Nationalsozialismus bis in den Nationalrat. Sie setzte sich konsequent für soziale Gerechtigkeit und Frauenrechte ein und hinterließ damit bleibende Spuren in Österreich.
Von Armut zur Politik: Emharts frühe Jahre
Maria Emhart, 1901 als Maria Raps geboren, wuchs im Raum St. Pölten in Niederösterreich in armen Verhältnissen auf. Die Familie lebte in einer Barackensiedlung; der Alltag war von finanzieller Unsicherheit und harter Arbeit geprägt. Nach dem frühen Tod ihrer Mutter übernahm Maria schon früh Verantwortung für ihre jüngeren Geschwister.
Um zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen, begann sie bereits mit 14 Jahren in einer St. Pöltner Seidenspinnerei zu arbeiten. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs verschärfte sich die Versorgungslage. Auch in St. Pölten kam es zu Hungerprotesten, die Emhart später als „politisches Erwachen” beschrieb. Mit 17 Jahren trat sie der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei und der Gewerkschaft bei. Drei Jahre später heiratete sie den Eisenbahner Karl Emhart.
Wachsendes politisches Engagement
1932 begann Emharts politische Laufbahn als Betriebsrätin und Gemeinderätin. Bei Schulungen lernte sie ihre spätere Weggefährtin Rosa Jochmann kennen. Im selben Jahr zog sie in den St. Pöltner Gemeinderat ein und setzte sich besonders für Gesundheitsversorgung und Kinderfürsorge ein.
Mit ihrem wachsenden politischen Engagement knüpfte Maria Emhart Kontakte zum Republikanischen Schutzbund, der Schutzorganisation der Sozialdemokratie.
Mit ihrem wachsenden politischen Engagement knüpfte Maria Emhart Kontakte zum Republikanischen Schutzbund, der zunehmend auch militärisch organisiert war. Parallel dazu verfügten politische Gegner über eigene bewaffnete Verbände. Die Spannungen verschärften sich Anfang der 1930er Jahre zusehends.
Februarkämpfe 1934: Emhart leistet Widerstand gegen den Austrofaschismus
Am 4. März 1933 kam es im österreichischen Nationalrat zur sogenannten Geschäftsordnungskrise. Sie markierte den Beginn des Endes der parlamentarischen Demokratie in Österreich. Weil bei einer Abstimmung drei Nationalratspräsidenten zurücktraten und die Sitzung chaotisch endete, wurde das Parlament handlungsunfähig. Bundeskanzler Dollfuß nutzte diese Blockade, um das Parlament faktisch auszuschalten. Er regierte per Notverordnung und leitete den autoritären Umbau Österreichs ein; damit begann der Austrofaschismus.
1933 wurde auch der Republikanische Schutzbund verboten. In St. Pölten reagierten die Sozialdemokraten mit der Einrichtung eines Kampffonds. Am 12. Februar 1934 eskalierte eine Hausdurchsuchung bzw. Polizeirazzia gegen den Schutzbund in Linz. Es kam zu blutigen Straßenkämpfen. Bei diesen Februarkämpfen spielte Emhart eine aktive Rolle.
Politische Aktivität trotz Verfolgung und Gefängnis
1934 wurde Emhart verhaftet und wegen Hochverrats, Waffenbesitzes und Rädelsführerschaft angeklagt. Sie entging nur knapp der Hinrichtung und wurde mangels Beweisen schließlich freigesprochen. Nach ihrem Freispruch arbeitete sie im Untergrund weiter und schloss sich den Revolutionären Sozialisten an, wo sie in Niederösterreich eine führende Rolle übernahm.
Später wurde sie bei einer Konferenz in Brünn erneut verhaftet. Im Zuge der Sozialistenprozesse stand sie mit anderen Sozialistinnen und Sozialisten vor Gericht; unter den Angeklagten waren auch Bruno Kreisky und Franz Jonas. Die international beachteten Prozesse, die Proteste in Europa auslösten, nutzte sie als politische Bühne und erklärte: „Ja, ich bin begeisterte Sozialistin.“ Emhart wurde zu 18 Monaten Kerker verurteilt.
Von Landtag bis Nationalrat – Wiederaufbau und Einstieg in die Spitzenpolitik
Ihre politische Verfolgung hatte auch private Folgen: Die Ehe mit Karl Emhart wurde zwar offiziell geschieden, nach seiner Versetzung nach Bischofshofen übersiedelte sie mit ihm dorthin. Während der NS-Herrschaft war sie politisch nur eingeschränkt aktiv. Einer Verhaftung durch die Gestapo entging sie laut eigenen Angaben nur durch eine „Namensverwechslung“.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs beteiligte sich Maria Emhart maßgeblich am Wiederaufbau Bischofshofens. 1945 wurde sie in den Salzburger Landtag gewählt. Im Jahr 1946 wurde Maria Emhart die erste Vizebürgermeisterin Österreichs.
1953 wechselte sie in den Nationalrat.1965 legte sie ihr Nationalratsmandat nieder. Sie zog sich aus der Politik zurück, um ihren kranken Mann zu pflegen. Maria Emhart starb 1981.
Maria Emhart setzte sich zeitlebens für Frauenrechte und soziale Gerechtigkeit ein. Viele ihrer politischen Anliegen fanden später politische Resonanz, etwa in der Frauen- und Sozialpolitik. Heute erinnern Straßen und Plätze in Wien, St. Pölten und Bischofshofen an sie. Ihr Engagement für Demokratie, Bildung und soziale Gerechtigkeit wirkt bis heute nach.







