Niederösterreichs Gesundheitswesen kämpft seit Jahren mit Personalmangel, steigender Belastung und wachsendem Druck auf Beschäftigte. Die niedrige Bezahlung belastet die unteren Lohngruppen immer stärker. Ein Mindestlohn von 2.000 Euro netto für alle Angestellten der Landesgesundheitsagentur könnte ein möglicher Schritt sein, um Abwanderung zu bremsen und Personalengpässen entgegenzuwirken.
Steigende Arbeitslosigkeit und Löhne unter 2.000 Euro: Niederösterreichs Gesundheitswesen unter Druck
Niederösterreichs Arbeitsmarkt steht unter Druck. In den vergangenen Monaten ist die Arbeitslosigkeit im Bundesland wiederholt stärker gestiegen als im österreichischen Schnitt. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Arbeitslosen um rund fünf Prozent gestiegen. Besonders angespannt ist die Lage im Gesundheits- und Sozialwesen, wo die Arbeitslosigkeit um 13,9 Prozent zulegte.
Angesichts hoher Belastungen und vergleichsweise niedriger Löhne überrascht diese Entwicklung kaum. In den unteren Lohngruppen der Landesgesundheitsagentur liegen die Gehälter teilweise noch unter 2.000 Euro netto, etwa für Portiere, OP-Assistenten oder Apothekenhelfer. In Wien erhalten Angestellte für vergleichbare Tätigkeiten oft rund 500 Euro netto mehr – ein Umstand, der schwer nachvollziehbar scheint.
Außerdem steigen auch für scheinbar „einfache“ Tätigkeiten die Anforderungen immer weiter, weiß Michaela Mayr, Mitglied im Zentralbetriebsrat der NÖ Gesundheits- und Pflegezentren:
„Ein Portier ist bspw. längst nicht mehr nur für den Empfang zuständig. Er ist erste Anlaufstelle für Patientinnen und Patienten, beantwortet Anfragen und koordiniert die weiteren Abläufe – bezahlt wird aber oft so, als wäre es ein einfacher Job“, so Mayr.
Kollektivvertraglicher Mindestlohn von 2.000 Euro – finanzielle Entlastung für 3.500 Beschäftigte
Aus Sicht der SPÖ Niederösterreich könnte ein kollektivvertraglicher Mindestlohn von 2.000 Euro netto Abhilfe und finanzielle Entlastung für rund 3.500 Beschäftigte schaffen. LGA-Angestellte in der NÖ-Gehaltsklasse 2 würden dadurch um 221 Euro netto mehr verdienen. Gleichzeitig müssten auch die Gehälter in unmittelbar darüber liegenden Gehaltsgruppen angepasst werden, etwa bei Pflegeassistentinnen und Pflegeassistenten oder im medizinischen Sekretariat. Mittelfristig soll das Lohnniveau jenem in Wien gleichen, wo der Mindestlohn in vergleichbaren Bereichen bei rund 2.300 Euro netto liegt.
Die Kosten für diese Maßnahme belaufen sich auf rund 20 Millionen Euro. Einsparungen innerhalb der Landesgesundheitsagentur könnten sie gegenfinanzieren. Eine Verschlankung der LGA, etwa in Form einer Rückkehr zur früheren Holding-Struktur, könnte demnach rund 30 Millionen Euro pro Jahr einsparen. Ein weiterer Vorschlag sichert die Finanzierung der Lohnerhöhung mit der Auflösung der LGA-Zentrale.
Verbesserte Arbeitsbedingungen durch höhere Gehälter
Höhere Gehälter würden nicht nur für mehr finanzielle Sicherheit bei den Beschäftigten sorgen, sondern könnten auch die Arbeitsbedingungen spürbar verbessern. Denn wenn Bezahlung und Belastung in keinem Verhältnis stehen, ist es wenig überraschend, dass immer mehr Beschäftigte dem Gesundheitsbereich den Rücken kehren. Der Personalmangel erhöht wiederum den Druck auf jene, die bleiben: Zeitdruck, körperliche Belastung und ein steigendes Fehlerrisiko prägen den Arbeitsalltag vielerorts.
Muss eine Pflegekraft zeitgleich bis zu zwölf Personen betreuen, leidet zwangsläufig auch die Qualität der Versorgung. Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme kann nicht immer ausreichend gewährleistet werden, das Risiko von Dehydrierung steigt. Der anhaltende Druck wird damit nicht nur für Beschäftigte zur Belastung, sondern zunehmend auch für Patientinnen und Patienten
„Diese Schieflage spüren die Beschäftigten jeden Tag, und genau deshalb verlieren wir immer mehr von ihnen, weil sie lieber ohne Nacht- und Wochenenddienste an der Kassa im Supermarkt arbeiten. Eine bessere Entlohnung und faire Arbeitsbedingungen sind im Gesundheits- und Pflegebereich unabdingbar“, verdeutlicht Mayr.
„Gesundheitspolitik ist kein Experiment“ – SPÖ NÖ für strukturelle Verbesserungen
Die SPÖ Niederösterreich geht noch einen Schritt weiter. Die Partei fordert neben dem Mindestlohn weitere strukturelle Maßnahmen, um die Versorgung langfristig abzusichern. Der NÖ-Plan sieht verstärkte Prävention und eine gesicherte Notfallversicherung ohne weitere Schließung von Notarztstützpunkten vor. Außerdem soll eine gemeinsame Gesundheitsregion Ost für verbesserte Versorgung auch über die Landesgrenzen hinaus sicherstellen.
„Gesundheitspolitik ist kein Experiment. Es geht um Vertrauen. Und genau hier schließt sich der Kreis zur Arbeit: Gute Arbeitsbedingungen sind die Grundlage für ein funktionierendes Gesundheitssystem“, schlussfolgert Klubobmann der SPÖ NÖ Hannes Weninger.
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