Am 12. Mai erinnert der Internationale Tag der Pflege daran, dass Pflegekräfte täglich Enormes leisten und dennoch unter Personalmangel, Zeitdruck und schwierigen Arbeitsbedingungen leiden. Doch statt struktureller Reformen, etwa bessere Bezahlung, mehr Ausbildungsmöglichkeiten und umfassende Reformen im heimischen Pflegesystem, setzt die schwarz-blaue Landesregierung in Niederösterreich weiterhin auf Pflegekräfte aus Vietnam.
Tag der Pflege macht auf Missstände aufmerksam
Seit 1967 erinnert der Internationale Tag der Pflege am 12. Mai an die Leistungen von Pflegekräften und macht gleichzeitig auf Missstände im Pflegesystem aufmerksam. Der Aktionstag steht im Zeichen jener Menschen, die tagtäglich kranke, ältere und pflegebedürftige Menschen betreuen. Gleichzeitig rückt er die schwierigen Bedingungen im Pflegeberuf in den Fokus.
„Den Wert einer Gesellschaft erkennt man daran, wie sie mit ihren Älteren umgeht – und auch daran, wie sie jene behandelt, die tagtäglich für Pflege, Betreuung und Menschlichkeit sorgen“, betont SPÖ-Landesparteivorsitzender und Kontroll-Landesrat Sven Hergovich in einer aktuellen Presseaussendung.
Der Aktionstag erinnert an den Geburtstag von Florence Nightingale, der Begründerin der modernen Krankenpflege. Die britische Krankenschwester wurde während des Krimkriegs als „Lady with the Lamp“ bekannt, weil sie nachts mit einer Lampe durch die Krankensäle ging und verwundete Soldaten versorgte. Mit ihren Forderungen nach einem eigenständigen Pflegeberuf und einem professionellen Ausbildungssystem legte sie den Grundstein für die moderne Pflege.
Personelle Engpässe und körperliche Belastung: Pflegekräfte weiter unter Druck
Seit Jahren berichten Pflegekräfte von belastenden Situationen in Pflegeeinrichtungen. Massive personelle Engpässe und fehlende Zeit für Bewohnerinnen und Bewohner gehören vielerorts zum Alltag. Durch die hohe Belastung steigt nicht nur der Arbeitsdruck, sondern auch das Risiko von Fehlern bei medizinischen Tätigkeiten oder Medikamentengaben. Unter enormem Zeitdruck muss eine Pflegekraft teilweise bis zu zwölf Patientinnen und Patienten gleichzeitig betreuen. Körperlich belastende Tätigkeiten wie Transfers würden dabei oft ohne ausreichende Unterstützung durchgeführt.
Die angespannte Situation macht sich mittlerweile auch am Arbeitsmarkt bemerkbar. Trotz des hohen Personalbedarfs verzeichnete das Gesundheits- und Sozialwesen zuletzt einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit um 13,9 Prozent.
Schwarz-blaue Landesregierung in NÖ holt Pflegekräfte aus Vietnam
Anstatt die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte vor Ort zu verbessern, setzt die Landesregierung weiterhin auf Arbeitskräfte aus Vietnam. Bereits 2022 präsentierte die damalige ÖVP-Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister das „International Nursing Center“ als Maßnahme gegen den Pflegenotstand in Niederösterreich.
Anfang Februar 2026 wurden die ersten 41 von insgesamt 150 vietnamesischen Pflegekräften empfangen. Das Modell sieht vor, dass die Teilnehmenden zunächst drei Semester lang in Vietnam Deutsch lernen und anschließend ihre Ausbildung an der Fachhochschule Krems fortsetzen. Nach Abschluss der Ausbildung sollen sie an Standorten der Landesgesundheitsagentur arbeiten.
Das Projekt sorgt jedoch weiterhin für Kritik. Für Recruiting, Sprachkurse und Ausbildung fallen pro Pflegekraft mindestens 28.000 Euro an. Bereits bei der Präsentation des Projekts wurde mit Gesamtkosten von rund 4,2 Millionen Euro gerechnet.
SPÖ Niederösterreich fordert bessere Bezahlung und Reformen
Anlässlich des Tags der Pflege kündigte SPÖ-Sozialministerin Korinna Schumann an, dass das Pflegegeld im Jahr 2027 in voller Höhe der Inflation angepasst werden soll – ein Schritt, den auch SPÖ-Gesundheitssprecherin LAbg. Mag. Karin Scheele als wichtigen Schritt zur Entlastung pflegebedürftiger Menschen und ihrer Angehörigen sieht:
„Die Valorisierung des Pflegegeldes ist ein wichtiger Schritt, um pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen in schwierigen Zeiten zu entlasten. Gerade angesichts der weiter anhaltenden Teuerungskrise ist es entscheidend, dass Pflegebedürftigkeit nicht automatisch zu einem Armutsrisiko wird“, erklärt Scheele.
Gleichzeitig erneuert die SPÖ Niederösterreich ihre Forderung nach einem kollektivvertraglichen Mindestlohn von 2.000 Euro netto für Beschäftigte der Landesgesundheitsagentur. Darüber hinaus spricht sich die Partei für mehr Ausbildungsplätze, den Ausbau mobiler Pflegeangebote sowie bessere Unterstützung für pflegende Angehörige aus. Auch die Abschaffung von 12-Stunden-Diensten und unabhängige Kontrollen in Pflegeeinrichtungen seien notwendig. Ziel müsse eine Pflegepolitik sein, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt.
„Die Pflegekräfte und alle MitarbeiterInnen im Kliniken- und Pflegebereich in Niederösterreich leisten jeden einzelnen Tag Enormes. Sie kümmern sich um kranke Menschen, begleiten ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger mit Würde und Menschlichkeit und halten unser Gesundheits- und Pflegesystem am Laufen – unter oft widrigsten Bedingungen. Dafür reicht ein Danke einmal im Jahr nicht aus – dafür braucht es vor allem Respekt, faire Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen“, verdeutlicht Hergovich.
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