Von der „Hahnsäge“, einem stillgelegten Sägewerk im Kamptal, über den bunten Brunnen in Zwettl bis zum Schiff „Regentag“ im Tullner Gästehafen: Der österreichische Künstler und Architekt Friedensreich Hundertwasser hinterließ auch in Niederösterreich zahlreiche Spuren. Seit 11. Juli haben Besucherinnen und Besucher in Tulln die Gelegenheit, das Schiff „Regentag“ zu besichtigen.
Wer war Friedensreich Hundertwasser?
Friedensreich Hundertwasser, geboren am 15. Dezember 1928 in Wien als Friedrich Stowasser, zählt zu den bekanntesten österreichischen Künstlern des 20. Jahrhunderts. Er lehnte gerade Linien in der Architektur ab und setzte stattdessen auf Farbenfreude und organische, von der Natur inspirierte Formen. Gebäude verstand er als Erweiterung der Natur, nicht als Gegensatz zu ihr. Dieser Gedanke zeigt sich in begrünten Dächern, etwa am Hundertwasserhaus und dem Kunst Haus Wien. Am 19. Februar 2000 starb er im Alter von 71 Jahren an Bord des Schiffs Queen Elizabeth 2 vor Brisbane in Australien. Anlässlich der Todestage des Künstlers wird sein Leben und Schaffen in Niederösterreich immer wieder aufgearbeitet. Aktuell rückt sein Schiff „Regentag“ in Tulln in den Fokus. Es zeigt, wie der Künstler tatsächlich lebte und reiste. Seinen Namen erhielt das Schiff von Hundertwassers drittem Künstlernamen.
Hundertwasser und das Waldviertel: Eine besondere Verbindung
Hundertwassers Bezug zu Niederösterreich reicht bis in seine Jugend zurück. Er besuchte das Gymnasium in Horn und maturierte dort 1948. 1966 erwarb er, im Namen seiner Mutter Elsa Stowasser, die Hahnsäge, ein kleines, stillgelegtes, verwittertes Sägewerk am Kamp im Wald von Roiten bei Rappottenstein. Dort lebte er ohne Strom und mit Wasser direkt aus der Natur. Über die Jahre soll er dort rund 40 Werke geschaffen haben. Auch als Naturschützer trat er im Waldviertel in Erscheinung. Er kaufte Waldparzellen, um den Baumbestand zu erhalten. Später beteiligte er sich an der Besetzung der Hainburger Au gegen das geplante Donaukraftwerk.
In Roiten prägte Hundertwasser zudem das Ortsbild mit. 1987/88 entwarf er in der Hahnsäge die Pläne für die Umgestaltung eines alten Kühlhauses zum Dorfmuseum Roiten. Dieses öffnete 1990. In Zwettl gestaltete er Anfang der 1990er-Jahre den Brunnen am Hauptplatz. Seit 1994 gilt der Hundertwasserbrunnen als Anziehungspunkt für Bewohnerinnen und Bewohner sowie Touristinnen und Touristen.

Das Schiff „Regentag“ in Tulln
Ein weiteres Kapitel von Hundertwassers Werk liegt in Tulln an der Donau. Den einstigen Transportfrachter „San Giuseppe T“ erwarb und baute Hundertwasser Ende der 1960er-Jahre in Palermo um. Unter dem Namen „Regentag“ lebte und arbeitete er zehn Jahre lang an Bord. Das Schiff ist unter der Werkverzeichnis-Nummer 703 erfasst. Seit 2004 liegt es im Gästehafen Tulln vor Anker, nachdem es dort zur Ausstellung „Hundertwasser. Kunst – Mensch – Natur“ überstellt worden war.

Von 2018 bis 2024 wurde die „Regentag“ umfassend restauriert, nachdem ein Gutachten Schwindrisse im Holz infolge von Wassereinbrüchen festgestellt hatte. Finanziert wurde die Restaurierung von der Hundertwasser Gemeinnützigen Privatstiftung, mit Beiträgen von Bundesdenkmalamt, Land Niederösterreich und der Stadt Tulln. Eine Versteigerung von Originalgrafiken aus dem Stiftungsarchiv brachte 2023 zusätzlich rund 400.000 Euro ein.
Seit 11. Juli 2026 öffnete das Schiff von 14.00 bis 17.00 Uhr für Besichtigungen in Kleingruppen von maximal fünf Personen. Tickets können vorab online über die Stadtgemeinde Tulln erworben werden. Bei Schlechtwetter finden aus Sicherheitsgründen keine Besichtigungen statt.
Vom Gymnasium in Horn über die Hahnsäge in Roiten bis zum Brunnen in Zwettl und dem Schiff in Tulln – Niederösterreich zieht sich als roter Faden durch Hundertwassers Biografie. Die Öffnung der „Regentag“ bietet Besucherinnen und Besuchern nun wieder eine seltene Gelegenheit. So kann man diesem Teil seines Erbes hautnah begegnen.








