Mit der Schließung des Ardo-Werks in Groß-Enzersdorf droht Österreich seine gesamte heimische Tiefkühlspinatproduktion zu verlieren. Rund 240 Beschäftigte und zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe sind betroffen. Obwohl der Standort Gewinne erwirtschaftete und öffentliche Förderungen erhielt, hält der belgische Konzern an seinen Plänen fest. Zwar zeigen potenzielle Investoren Interesse an einer Übernahme, doch Ardo lehnt bislang ab.
Ende bis Dezember 2026: Mehr als 80 Prozent des österreichischen Tiefkühlgemüses betroffen
Das Ardo-Werk in Groß-Enzersdorf reicht bis ins Jahr 1965 zurück. Damals errichtete der Unilever-Konzern dort eine der ersten kombinierten Speiseeis- und Tiefkühlproduktionen. 1997 endete die Speiseeisproduktion und das Unternehmen erhielt den Namen Austria-Frost. Nach mehreren Eigentümerwechseln übernahm schließlich 2008 der belgische Ardo-Konzern den Standort. Heute verarbeitet das Werk mehr als 80 Prozent des in Österreich angebauten Tiefkühlgemüses.
Ende September kündigte Ardo an, die Gemüseproduktion bis Ende Dezember 2026 einzustellen. Im Frühjahr 2027 soll die Nudelproduktion folgen, bevor das Werk im August 2027 endgültig schließt. Den österreichischen Markt will der Konzern weiterhin beliefern, allerdings künftig aus anderen europäischen Produktionsstätten. Als Grund für die Schließung nennt Ardo den hohen Modernisierungsbedarf. Nach eigenen Angaben wären Investitionen von mehr als 100 Millionen Euro notwendig, um die Anlagen und Infrastruktur zu erneuern.
Keine alternative Produktionsstätte: Österreichischer Tiefkühlspinat vor dem Aus
Die geplante Schließung betrifft rund 190 Beschäftigte und 50 Leiharbeitskräfte. Gleichzeitig stehen zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe vor der Herausforderung, neue Abnehmer für ihre Erzeugnisse zu finden.
Besonders schwer wiegt der Verlust für die heimische Spinatproduktion. Denn Ardo betreibt in Groß-Enzersdorf die einzige österreichische Produktionslinie für Tiefkühlspinat. Zwar verarbeitet auch Schneider’s Gemüseland am selben Standort Tiefkühlgemüse und könnte künftig einen Teil der bisherigen Ardo-Mengen übernehmen. Allerdings fehlen dem Unternehmen derzeit die entsprechenden Kapazitäten für die Spinatverarbeitung. Ohne eine neue Produktionslinie droht der heimische Tiefkühlspinat vom Markt zu verschwinden.
Die diesjährige Spinaternte will Ardo zwar noch vollständig verarbeiten und einen Teil davon bis 2027 einlagern. Für die kommenden Jahre fehlt den landwirtschaftlichen Betrieben eine langfristige Perspektive. Frischer Spinat muss unmittelbar nach der Ernte verarbeitet werden. Ohne entsprechende Anlagen in der Nähe verlieren die Produzenten eine wichtige Absatzmöglichkeit.
Ardo Austria schreibt Gewinne und erhielt öffentliche Förderungen
Trotz der geplanten Schließung erwirtschaftete das Unternehmen zuletzt Gewinne. Im Geschäftsjahr 2024/25 lag der Jahresgewinn bei rund 1,9 Millionen Euro. Auch in den Jahren davor erzielte Ardo Austria jährlich Gewinne von etwa einer Million Euro. Ardo verweist jedoch auf hohe Verlustvorträge und eine seit 2023 unzureichende Kostenposition des Standorts.
Hinzu kommt, dass das Unternehmen in den vergangenen Jahren öffentliche Unterstützung erhielt. Allein 2023 bekam Ardo rund 778.000 Euro an Energiekostenzuschüssen. Darüber hinaus profitierte der Konzern von steuerlichen Entlastungen für energieintensive Betriebe. Über die Energieabgabenvergütung erhielt Ardo zwischen 2023 und 2025 weitere ein bis zwei Millionen Euro.
Mögliche Weiterführung: Investoren und Politik zeigen Interesse
Trotz des angekündigten Produktionsendes gibt es weiterhin Bemühungen, den Standort zu erhalten. Eine Handvoll österreichische Investoren haben bereits Interesse daran gezeigt, das Werk einschließlich der Liegenschaft, der Beschäftigten und der Lieferanten zu übernehmen. Der belgische Konzern lehnt einen Verkauf bislang jedoch ab. Stattdessen will Ardo seine österreichischen Kunden künftig von einem anderen EU-Standort aus beliefern.
Auch Bund und Land Niederösterreich bemühen sich um eine Lösung und haben finanzielle Unterstützung angeboten. Bei Gesprächen am 7. Oktober hielt Ardo dennoch an seinen Schließungsplänen fest. Um trotzdem eine Fortführung des Betriebs zu ermöglichen, planen die politischen Vertreter direkt mit der belgischen Eigentümerfamilie in Kontakt zu treten.
Unterdessen fordert die Produktionsgewerkschaft PRO-GE eine Arbeitsstiftung für die betroffenen Beschäftigten. Diese soll ihnen durch Qualifizierungsangebote, Umschulungen und Unterstützung bei der Arbeitssuche neue berufliche Perspektiven eröffnen. Zusätzlich braucht es aus Sicht der Arbeitnehmervertretung einen Sozialplan, der insbesondere Beschäftigte mit finanziellen Verpflichtungen absichert.
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