Ein Gansl auf dem Teller, Sturm im Glas, Kinder mit leuchtenden Laternen und pünktlich um 11:11 Uhr beginnt auch noch der Fasching. Rund um Martini am 11. November kommt bei uns in Niederösterreich einiges zusammen.
Martini am 11. November: Ursprung und Geschichte des Brauchs
Der 11. November ist der Gedenktag des heiligen Martin von Tours. Dass sich rund um dieses Datum so viele Bräuche entwickelt haben, hat allerdings auch ganz praktische Gründe. Im Mittelalter ging mit Martini das Bauernjahr zu Ende. Die Ernte war eingebracht, Abgaben wurden fällig, und Knechte und Mägde wechselten oft den Hof.
Dazu kam das sogenannte Adventfasten, eine Fastenzeit vor Weihnachten, die heute in dieser Form kaum mehr üblich ist. Also wurde vorher ein letztes Mal ordentlich gegessen und getrunken, ähnlich wie am Faschingsdienstag. Gansl und junger Wein kamen da gerade recht.
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Martinigansl: Die Tradition hinter dem Gänsebraten
Angeblich verdanken wir das Martinigansl ein paar besonders lauten Gänsen. Als Martin zum Bischof werden sollte, wollte er davon nichts wissen und versteckte sich im Gänsestall. Doch das Geschnatter verriet ihn. Eine nette Geschichte, nur ist sie jünger als der Brauch selbst. Wahrscheinlicher ist, dass Gänse früher als Abgabe dienten und man sich vor der Fastenzeit noch einen guten Braten gönnte.
Auch heute gehören heimische Weidegänse zur Martinizeit. In Niederösterreich halten rund 165 Betriebe etwa 43.000 Gänse. Gleichzeitig stammen 70 bis 80 Prozent der Gänse, die in Österreich gegessen werden, aus anderen EU-Ländern, vor allem aus Ungarn und Polen. Im Weinviertel setzt etwa die Initiative „Weinviertler Weidegänse“ auf Tiere, die im Freien aufwachsen. Gerade bei importierten Gänsen lohnt sich ein genauer Blick auf die Haltungsbedingungen: In manchen Herkunftsländern sind Praktiken wie die Stopfmast zur Produktion von Gänsestopfeber (Foie Gras) erlaubt, die in Österreich verboten sind. Wer wissen möchte, woher das Gansl auf dem Teller kommt, kann ruhig beim Wirt nachfragen.
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Weintaufe zu Martini: Vom Sturm zum jungen Wein
Beim Sturm gibt es eine alte Regel, an die sich längst nicht alle halten: Man stößt nicht an und sagt statt „Prost“ lieber „Mahlzeit“. Das hängt mit der Weintaufe zusammen, denn dem Brauch nach gilt der junge Wein erst danach als richtiger Wein.
In Niederösterreich wird der neue Jahrgang deshalb bis heute in vielen Weinbaugebieten rund um Martini feierlich begrüßt. Oft übernimmt eine bekannte Persönlichkeit die Patenschaft und gibt dem Wein einen Namen, während ein Priester ihn segnet. Und weil zu Martini auch das Gansl gehört, wird aus der Weintaufe nicht selten gleich ein Festessen.
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Laternenfest: Ein Brauch zu Ehren des heiligen Martin
In vielen niederösterreichischen Kindergärten gehört das Laternenfest zum November wie das Gansl zu Martini. Die Kinder ziehen mit selbst gebastelten Laternen durch die Straßen und singen ihre Lieder. Doch die heutige Form dieses Brauchs ist jünger, als man denkt. Noch im späten 19. Jahrhundert verwendeten Kinder ausgehöhlte Rüben oder Kürbisse als Laternen und stellten Kerzen hinein. Mancherorts gab es auch große Feuer.
Weil die Feiern manchmal aus dem Ruder liefen, begannen Erwachsene, die Umzüge stärker zu organisieren. Von Düsseldorf aus verbreitete sich schließlich eine geordnetere Form des Laternenumzugs, die Pfarren und später Kindergärten übernahmen. Dabei sollte den Kindern das Teilen nähergebracht werden, so wie es der heilige Martin der Überlieferung nach tat, als er seinen Mantel mit einem frierenden Bettler teilte.
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Faschingsbeginn: Am 11. November um 11:11 Uhr geht es los
Am 11. November um 11:11 Uhr beginnt in vielen niederösterreichischen Gemeinden die närrische Zeit. Die Faschingsgilden eröffnen die Saison, das Prinzenpaar übernimmt das Kommando, und mancher Bürgermeister übergibt sogar symbolisch den Rathausschlüssel. Oft spielt dazu die Blasmusik. Aber warum fällt der Auftakt ausgerechnet auf Martini? Eine verbreitete Erklärung führt zur früheren Fastenzeit vor Weihnachten.
Denn so wie am Faschingsdienstag vor der Fastenzeit im Frühjahr wurde auch damals noch einmal ausgiebig gefeiert. Ob das tatsächlich den Termin erklärt, ist nicht sicher. Den Narren dürfte das allerdings herzlich egal sein.
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