Ferdinand Raimund machte sich zu Lebzeiten einen Namen als begnadeter Theatermacher. Aber so glorreich seine berufliche Laufbahn verlief, so tragisch entwickelte sich sein Privatleben. Niederösterreich war Schauplatz dieser Tragödie, die 1836 in den Selbstmord Raimunds gipfelte. Bis heute lebt Raimunds Andenken in Niederösterreich aktiv weiter, etwa in den Festspiele Gutenstein und in den Raimund-Gedenkstätten.
Vor über 190 Jahren lebte Ferdinand Raimund mit seiner Lebensgefährtin Toni Wagner im niederösterreichischen Gutenstein. Zu diesem Zeitpunkt war Raimund als Theatermacher gefeiert – bekannt war aber auch seine labile Psyche. Depressionen und eine ausgeprägte Hypochondrie, also die Angst vor Krankheiten, machten ihm zunehmend zu schaffen und kosteten ihm schließlich auch das Leben.
Vom Zuckerbäcker zum Theatermacher
Geboren und aufgewachsen ist Ferdinand Raimund im Jahr 1790 in Wien. Er war das 13. Kind seiner Eltern. Doch nur er und seine Schwester überlebten das Säuglingsalter. Auch seine Eltern sollte der Tod bald einholen: Seine Mutter starb als er zwölf war und sein Vater zwei Jahre später. Mit 14 Jahren begann er eine Lehre als Zuckerbäcker auf der Wiener Freyung – eine Entscheidung, die sein restliches Leben prägen sollte.
Als Lehrbub wurde er beauftragt, Süßwaren im Burgtheater zu verkaufen. Auf Anhieb faszinierte ihn das Theater und ab 1808 war er Teil einer Wandertruppe von Schauspielern. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Er begann selbst Stücke zu schreiben, etwa „Der Barometermacher auf der Zauberinsel“ und “Der Bauer als Millionär”.
Raimund wurde zum Publikumsliebling. Er war nicht nur zu einem international angesehenen Dichter avanciert, sondern galt selbst als beste Besetzung für die von ihm geschriebenen Hauptrollen. Geprägt waren seine Stücke von einem hohen Musikanteil und den typischen Werten der Biedermeierzeit: Zufriedenheit, Dankbarkeit und Treue.

Ferdinand Raimund und Toni Wagner: Eine verbotene Liebe
Diese Werte fanden in seinem Privatleben wohl keinen Platz. Denn nicht nur war sein Leben von Geburt an vom Tod seiner Familie geprägt, er hatte auch Pech in der Liebe. Raimund durfte seine Angebetete Toni Wagner nicht heiraten. Verhindert wurde die Heirat von Tonis Vater, der nichts mit dem „Gesindel vom Theater“ zu tun haben wollte. Raimund verfiel in eine Depression und ging eine Beziehung mit seiner Kollegin Louise Gleich ein, die er auf Drängen ihrer Eltern hin heiratete. Aber die Ehe hielt nur knapp zwei Jahre. Daraufhin kehrte er wieder zu seiner geliebten Toni zurück, die bis zur letzten Stunde an seiner Seite blieb.
Raimunds tödliche Angst vor Tollwut
Sein beruflicher Erfolg brachte Raimund Ruhm und Reichtum. Das verdiente Geld erlaubte es ihm, sich in Niederösterreich gemeinsam mit Toni Wagner zurückzuziehen. Er hielt sich in Gaaden, Sparbach, Brühl und Pernitz auf und kaufte sich in Gutenstein ein Haus. Sein Lebensende soll er aber in einem anderen niederösterreichischen Ort finden: in Pottenstein, wo bis heute eine Statue an ihn erinnert.
Die Umstände seines Todes waren tragisch: Auslöser war ein simpler Hundebiss. Für Raimund war es mehr als eine einfache Wunde. Er war felsenfest davon überzeugt, mit Tollwut infiziert worden zu sein. Mit panischer Angst befiehlt er seinem Kutscher, ihn nach Wien zu fahren – die Ärzte in der Hauptstadt würden ihm vielleicht noch helfen können. Aber ein Sturm zwang sie zum Halt. Raimund strandete in Pottenstein und fand Unterschlupf in einem Gasthaus.

Die Angst ließ Raimund nicht schlafen. Geblendet von blanker Panik vor der Tollwut, sah er keinen anderen Ausweg und schoss sich mit einer Pistole in den Mund. Die Kugel blieb in der Mundhöhle stecken. Was ein schneller Tod hätte werden sollen, zog sich sechs ganze Tage lang. Am 5. September 1836 erlag Raimund schließlich seinen Verletzungen.
Der obduzierende Arzt stellte keine Anzeichen von Tollwut fest. Das heißt, „echt und tödlich war am Ende doch nur die Angst“, wie der Bayerische Rundfunk anlässlich Raimunds 290. Todestages schrieb.
Der bizarre Streit um Raimunds Schädeldecke
Die Tragödie um Raimund endete aber nicht mit seinem Tod, denn sein Leichnam wurde Opfer eines Forschungsdranges. Der obduzierende Arzt behielt Raimunds Schädeldecke für Forschungs- und Sammelzwecke. So wurde Raimund ohne seine Schädeldecke auf dem Friedhof von Gutenstein beigesetzt, wo Tonie Wagner ein prachtvolles Grabmal errichten ließ.
Nach einem Rechtsstreit erhielten die Angehörigen Raimunds Hirnschale zurück. Die Schädeldecke wurde damals aber nicht beerdigt, sondern wechselte über Jahrzehnte hinweg den Besitzer. Erst 1969, als sie in den Besitz des Historischen Museums der Stadt Wien überging, wurde die Hirnschale in das Grab von Raimund beigesetzt. So konnte Raimund in Niederösterreich nach über 100 Jahren endlich seine letzte Ruhestätte finden.
Ferdinand Raimund ist bis heute tief im kulturellen Gedächtnis Niederösterreichs verankert. Durch die Denkmäler in Pottenstein und Gutenstein wird der Theatermacher aktiv erinnert. Jeden Sommer seit 1993 werden außerdem in den Festspielen Gutenstein (ursprünglich “Raimundspiele”) seine Stücke aufgeführt und das Erbe Raimunds wieder zum Leben erweckt.
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