Der Neubau des Universitätsklinikums Wiener Neustadt zählt zu den größten Infrastruktur- und Gesundheitsprojekten Niederösterreichs. Doch statt mit Fortschritten macht das Vorhaben derzeit vor allem durch steigende Kosten, Verzögerungen und Kritik des Landesrechnungshofs Schlagzeilen. Die jüngsten Feststellungen des Kontrollorgans sorgten auch im Niederösterreichischen Landtag für Diskussionen. Die SPÖ sieht sich durch den Bericht in ihrer Kritik bestätigt und fordert Konsequenzen sowie eine langfristige Absicherung des Klinikstandorts.
Rechnungshof prüfte Projektentwicklung
Im Mittelpunkt des Berichts steht die Projektentwicklung des Neubaus. Diese sollte die Grundlagen für Planung, Errichtung und politische Beschlussfassungen schaffen. Dazu gehörten unter anderem die Festlegung des Versorgungsauftrags, die Betriebsorganisation, das Raum- und Funktionsprogramm, Grundstücksuntersuchungen, behördliche Vorabklärungen sowie die Vorbereitung eines Planungswettbewerbs.
Für diese Projektentwicklungsphase stellte der Niederösterreichische Landtag bereits 2015 insgesamt acht Millionen Euro zur Verfügung. Tatsächlich wurden rund 2,5 Millionen Euro ausgegeben. Der Landesrechnungshof hält jedoch fest, dass wesentliche Teile der vorgesehenen Arbeiten nicht abgeschlossen wurden. So wurden weder das geplante Pflichtenheft für die Planervergabe erstellt noch der ursprünglich vorgesehene Ideenwettbewerb durchgeführt.
Zahlreiche Änderungen während der Planungsphase
Im Jahr 2019 beschloss der Niederösterreichische Landtag einen Kostenrahmen von rund 561 Millionen Euro für den Neubau des Klinikums. Doch bereits in den folgenden Jahren kamen zahlreiche zusätzliche Anforderungen hinzu.
Dazu zählten Investitionen in Pandemiesicherheit, Digitalisierung, moderne Krankenhauslogistik, Kinderbetreuungseinrichtungen, Ausbildungsbereiche sowie die Anbindung an das MedAustron-Zentrum. Für diese Zusatzprojekte stellte der Landtag im Jahr 2022 weitere 150 Millionen Euro zur Verfügung.
Parallel dazu änderten sich mehrfach die Rahmenbedingungen des Projekts. So wurde die ursprünglich vorgesehene Bettenanzahl angepasst und der künftige Versorgungsauftrag des Klinikums neu bewertet. Hinzu kamen medizinische und technische Entwicklungen, neue rechtliche Vorgaben sowie Empfehlungen aus dem niederösterreichischen Gesundheitspakt.
Kosten auf rund 1,5 Milliarden Euro gestiegen
Im Zuge einer Projektkonsolidierung wurden der ursprüngliche Neubau und die später beschlossenen Zusatzprojekte schließlich zu einem gemeinsamen Gesamtprojekt zusammengeführt. Der Niederösterreichische Landtag beschloss dafür im April 2025 einen neuen Gesamtkostenrahmen von rund 1,47 Milliarden Euro.
Damit haben sich die ursprünglich veranschlagten Kosten innerhalb weniger Jahre mehr als verdoppelt. Gleichzeitig wurde der Zeitplan mehrfach angepasst. Die Eröffnung des neuen Universitätsklinikums Wiener Neustadt ist nach aktuellem Stand frühestens im Jahr 2035 vorgesehen.
Bis Ende 2024 wurden laut Rechnungshof bereits mehr als 45 Millionen Euro für Neubau und Zusatzprojekte ausgegeben.
Kritik an Projektorganisation und Transparenz
Neben der Kostenentwicklung beschäftigt sich der Bericht auch mit der Organisation des Projekts. Der Landesrechnungshof ortet Verbesserungsbedarf bei Zuständigkeiten, Projektsteuerung und Kostenkontrolle.
Kritisiert wird zudem, dass die finanzielle Gesamtbelastung des Projekts für die Öffentlichkeit nicht ausreichend transparent dargestellt werde. Künftig sollten daher nicht nur die eigentlichen Baukosten, sondern auch Finanzierungs- und Folgekosten umfassend ausgewiesen werden.
Darüber hinaus empfiehlt der Rechnungshof Verbesserungen beim Projekt- und Kostencontrolling sowie eine laufende Überprüfung von Kostenreserven im Zuge der weiteren Planung.
SPÖ sieht sich bestätigt
Für die SPÖ Niederösterreich unterstreichen die Feststellungen des Rechnungshofs die Probleme rund um das Großprojekt. SPÖ-Klubobmann Hannes Weninger verwies in Zusammenhang mit dem Bericht auf die deutliche Kostensteigerung und die lange Projektlaufzeit.
Aus Sicht der Sozialdemokratie müsse nun sichergestellt werden, dass die Bevölkerung in der Region weiterhin auf eine hochwertige Gesundheitsversorgung vertrauen könne. Daher fordert die SPÖ eine langfristige Standortgarantie für das Universitätsklinikum Wiener Neustadt.







