Leere Senftuben, ausgediente E-Zigaretten oder gebrauchte Kaffeekapseln bestehen häufig aus mehreren fest miteinander verbundenen Materialien. Das macht ihre Wiederverwertung schwierig. Die neue Anlage „Vera“ des Recyclingunternehmens MGG Metran in Kematen an der Ybbs gewinnt nun Rohstoffe wie Aluminium, Kupfer und Zinn zurück.
Neue Anlage verarbeitet Senftuben und Elektroschrott
Die Müller-Guttenbrunn Gruppe betreibt in Kematen an der Ybbs das Recyclingunternehmen MGG Metran. Dort werden unter anderem metallhaltige Rückstände, Mischmetalle und Bestandteile aus Elektroschrott aufbereitet. Mit der neuen Anlage „Vera“ will das Unternehmen nun auch Materialien verarbeiten, die bisher als besonders schwer recycelbar galten. Dazu zählen neben Senf- und Tomatenmark-Tuben auch E-Zigaretten, Feuerzeuge, Einwegrasierer, Deodosen und Verschlüsse von Parfumflaschen.Auch Spielzeugautos, Aluminiumschalen, Kaffeekapseln, elektronische Kleinteile, Bestandteile von Photovoltaikmodulen und Verpackungen aus Aluminiumverbunden können nach Angaben des Unternehmens in der Anlage aufbereitet werden.
Fest verbundene Materialien stellen Recycling vor Herausforderungen
Senf- und Tomatenmarktuben bestehen meist nicht nur aus Kunststoff, sondern enthalten auch Aluminium. Sie setzen sich also aus unterschiedlichen Materialien zusammen, die zunächst voneinander getrennt werden müssen. Diese Trennung ist aufwendig.
Denn solche Abfälle ließen sich deshalb bisher häufig nur teilweise wiederverwerten und landeten zum Teil in der Verbrennung. Bei der Verbrennung lassen sich diese Rohstoffe aber nicht komplett verwerten. Es bleiben Schlacke, Asche und teils schadstoffbelastete Filterrückstände zurück, die eine fachgerechte Aufbereitung oder Deponierung erfordern. Außerdem gehen Rohstoffe verloren, die sich grundsätzlich erneut nutzen ließen.

Wertvolle Metalle gelangen in den Kreislauf zurück
Die Wiederverwertung solcher Verbundstoffe ist vor allem deshalb sinnvoll, weil die darin enthaltenen Metalle nicht verloren gehen. Aus den Abfällen gewinnt die Anlage Aluminium, Kupfer und Zinn zurück. Die Industrie setzt diese Metalle anschließend erneut ein. So lassen sich der Abbau und die Verarbeitung neuer Rohstoffe verringern. Gleichzeitig landen schwer recycelbare Gegenstände seltener in der Müllverbrennung.
Magnete, Siebe und Sensoren trennen die Materialien
Was in der Anlage in Kematen an der Ybbs ankommt, wird zunächst zerkleinert. Anschließend werden die einzelnen Bestandteile mithilfe von Sieben, Magneten, Schüttelverfahren und Sensortechnik voneinander getrennt. Ziel ist es, die enthaltenen Metalle möglichst sortenrein zu trennen. Aus den Abfällen können dadurch unter anderem Aluminium, Kupfer und Zinn zurückgewonnen werden.
Die gewonnenen Materialien werden als sogenannte Sekundärrohstoffe weiterverarbeitet. Schmelzwerke nutzen diese Sekundärrohstoffe im nächsten Schritt für die Herstellung neuer Produkte. Aus einer alten Senftube wird daher nicht unbedingt wieder eine Senftube. Das darin enthaltene Aluminium kann jedoch als Rohstoff weitergenutzt werden.
Unternehmen investiert zwölf Millionen Euro
Nach Angaben der Müller-Guttenbrunn Gruppe investiert das Unternehmen rund zwölf Millionen Euro in die neue Anlage. Die Summe floss unter anderem in Maschinen, die Errichtung der Halle, die Energieversorgung, die Wasserbehandlung und die Sicherheitstechnik. Für den Betrieb der Anlage wurden fünf zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufgenommen. „Vera“ ist laut dem Unternehmen das bisher größte Investitionsprojekt von MGG Metran.
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